Paartherapie light
12.02.2026 Bezirk LiestalZum Valentinstag kommt die Musicalverfilmung «Ewigi Liebi» ins Kino
«Ewigi Liebi» ist das bisher erfolgreichste Schweizer Musical. Nun wurde es verfilmt. Regisseur Pierre Monnard und Schauspieler Pasquale Aleardi waren am Montag zu Gast an der ausverkauften Vorpremiere ...
Zum Valentinstag kommt die Musicalverfilmung «Ewigi Liebi» ins Kino
«Ewigi Liebi» ist das bisher erfolgreichste Schweizer Musical. Nun wurde es verfilmt. Regisseur Pierre Monnard und Schauspieler Pasquale Aleardi waren am Montag zu Gast an der ausverkauften Vorpremiere in Liestal. Das Publikum war begeistert.
Marianne Ingold
Der Film könnte von «Betty Bossi» sein: Als Basis bekannte und bewährte Schweizer Zutaten, dazu einige überraschende Beilagen, ein gelingsicheres Rezept, Spass beim Kochen und gemütliches Zusammensein beim Geniessen. Kein Wunder, denn der Regisseur von «Ewigi Liebi» ist derselbe, der «Hallo Betty» gedreht hat: Pierre Monnard. Zusammen mit Schauspieler Pasquale Aleardi beantwortete er am Montagabend im Anschluss an die Vorpremiere des Films im Kino «Sputnik» die Fragen von Moderator Raphael Wicki (Radio SRF) und aus dem Publikum.
«Wir lieben Kitsch!», gestand Monnard gleich zu Beginn. Sein Ziel sei erreicht, wenn sich das Publikum nach dem Film besser fühle als beim Hereinkommen. Pasquale Aleardi, als Schauspieler unter anderem bekannt als Kommissar Dupin aus der gleichnamigen TV-Krimiserie, strebt bei Auftritten mit seiner Band dasselbe an: «Die Leute sollen leichter rausgehen, als sie reingekommen sind. Wenn das nur schon bei einer Person passiert, bin ich sehr glücklich.» «Ewigi Liebi» sei eine romantische Version von «Back to the Future», meinte Monnard, wenn auch die Zeitmaschine in seinem Film wesentlich ökologischer sei. «Natürlich romantisieren wir die Vergangenheit – aber das macht Spass. Ich habe meine Jugendzeit in den 1990er-Jahren in einem Dorf in der Nähe von Fribourg geliebt. Davon habe ich mich inspirieren lassen.» 2022 sei er von den Produzenten für die Regie angefragt worden und habe sofort ja gesagt: «Ich kannte das Musical und das Titellied, und es war mir klar, dass das ein cooler Film werden würde.»
Pasquale Aleardi, der bis vor drei Jahren in Deutschland lebte, gestand, er sei der Einzige in der ganzen Crew gewesen, der das Lied zuvor nicht gekannt habe: «Als ich zum Casting für ‹Ewigi Liebi› eingeladen wurde und meiner Frau davon erzählte, fing sie gleich an zu singen, wie auch alle anderen, mit denen ich darüber sprach.» Erst da sei ihm bewusst geworden, dass dieser Song in der Schweiz Kult sei und sogar Welthitqualität habe: «Er ist so gut komponiert und eingängig, dass er auch auf Englisch funktionieren würde.»
Nicht nur wegen seiner musikalischen Erfahrung wurde Aleardi für die Rolle des älteren Hauptdarstellers besetzt, sondern auch wegen der Ähnlichkeit mit Luca Hänni, der im Film sein jüngeres Ich spielt. Als Beleg zückte er sein Handy: «Schaut euch einmal dieses Foto an: Vor 30 Jahren sah ich so aus wie Luca – ein Strahlemann.» Die Emotionen des älteren «Dänu» zu spielen, sei toll gewesen: «Der ist ja ein versehrter Mensch, quasi die Bruce-Springsteen-Version von Luca Hännis Figur.»
Flicken ist wichtig
Die Vergangenheit könne man nicht zurückholen, aber man könne einiges flicken, heisst es im Film. Das sei das Wichtigste in Beziehungen, meinte Pasquale Aleardi: «Wenn ich Fehler gemacht habe, bin ich froh, wenn ich den betroffenen Menschen wieder begegne. Flicken geht nicht immer, aber dort, wo es geht, ist es sehr erleichternd.» Das gelte auch für den Beziehungsalltag, in dem nicht immer alles rosig sei. Pierre Monnard ergänzte augenzwinkernd: «Was wir vor allem machen wollten, war eine Art günstige Paartherapie. Wenn man den Film schaut, kann man schon vieles verbessern und spart sich den Psychologen oder die Mediatorin.»
Anspruchsvoll sei die Auswahl der Mundartlieder für den Film gewesen. Waren es im Musical über 40 Songs, sind es im Film nur 12. Monnard: «Es gab eine lange Diskussion, aber auch aus Budgetgründen mussten wir realistisch bleiben und reduzieren.»
Die gute Stimmung in der Filmcrew, die «Ewigi Liebi» 2025 in nur 30 Tagen im Emmental und in Winterthur drehte, war im Gespräch spürbar. Die Dreharbeiten in Trub seien ein bisschen wie ein Pfadi-Sommercamp gewesen, mit einer grossartigen Gastfreundschaft im Dorf. Zum Abschluss sangen die beiden Gäste «Ewigi Liebi» auf Französisch und fanden: «Es war genial bei euch in Liestal.»
Kitschfilm mit Tiefgang
min. Was wäre gewesen, wenn – oder vielmehr: wenn nicht?, lautet die Kernfrage der Geschichte, die sich um das verhinderte Liebespaar Heidi (Elena Flury) und Daneli (Luca Hänni) dreht. Dieses begegnet sich (gespielt von Susanne Kunz und Pasquale Aleardi) 30 Jahre später in der Grossstadt zufällig wieder und merkt, dass es immer noch Gefühle füreinander hat. Zuerst einzeln, dann versuchen die beiden, die Weichen in der Vergangenheit anders zu stellen, in die sie dank einer Zeitmaschine reisen können. Dabei geht einiges schief, sogar die Gegenwart wird verändert. Mit viel 90er-Flair, Mundart-Ohrwürmern und Szenen wie «Baschi» als Musikproduzent oder einem Tanzduell zwischen den beiden Heidis bietet der Film «Ewigi Liebi» gute Unterhaltung. Es kippt nicht in eine nostalgische Verklärung der Vergangenheit, sondern zeigt auch ihre Schattenseiten. Die etwas penetranten Produktplatzierungen tun dem Sehvergnügen keinen Abbruch, spielen in einem Fall sogar eine entscheidende Rolle.

