Ohne Ausländer geht es nicht
19.02.2026 BaselbietRegierungsrat warnt vor Abhängigkeit der Spitäler vom EU-Arbeitsmarkt
Fast ein Drittel der Spitalangestellten im Kanton Baselland stammt aus der EU. Das geht aus einer Antwort des Regierungsrats hervor. Besonders in Bereichen wie Pflege, Notfall und Rettung sprechen die ...
Regierungsrat warnt vor Abhängigkeit der Spitäler vom EU-Arbeitsmarkt
Fast ein Drittel der Spitalangestellten im Kanton Baselland stammt aus der EU. Das geht aus einer Antwort des Regierungsrats hervor. Besonders in Bereichen wie Pflege, Notfall und Rettung sprechen die Spitäler von einer hohen bis existenziellen Abhängigkeit von Fachkräften aus dem Ausland.
Diana Sahun
Die Spitäler im Kanton Baselland sind in hohem Mass auf Arbeitskräfte aus dem EU-Raum angewiesen. Das zeigt die Antwort des Regierungsrats auf eine Interpellation von Landrat Martin Dätwyler (FDP). Ende 2024 stammte fast jede dritte angestellte Person in den Baselbieter Spitälern aus einem EU-Mitgliedstaat. Der Regierungsrat spricht von einer «hohen bis existenziellen Abhängigkeit» – insbesondere in zentralen Bereichen wie Pflege, Notfall und Rettung.
Konkret beschäftigten die Spitäler im Kanton per 31. Dezember 2024 insgesamt 1811 Mitarbeitende aus dem EU-Raum. Bei einer Gesamtbelegschaft von 5735 Personen entspricht dies einem Anteil von 31,6 Prozent. Erfasst sind unter anderem das Kantonsspital Baselland, die Psychiatrie Baselland sowie mehrere Privatkliniken. Bereits zehn Jahre zuvor lag der Anteil von EU-Arbeitskräften bei knapp 30 Prozent.
Deutlich weniger klar ist die Datenlage ausserhalb der Spitäler. Für Alters- und Pflegeheime, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen existieren weder auf kantonaler noch auf nationaler Ebene systematische Statistiken zur Herkunft des Personals.
Der Kanton liess deshalb eine Stichprobe bei 18 Einrichtungen durchführen. Zehn Betriebe konnten Angaben liefern. Der Anteil von Mitarbeitenden aus dem EU-Raum lag dabei zwischen 0 und 25,5 Prozent, im Durchschnitt bei 11,6 Prozent. Hochgerechnet ergibt sich eine grobe Richtgrösse von rund 870 EU-Arbeitskräften in diesen Bereichen im Kanton.
Spitäler rekrutieren im Ausland
Während die Abhängigkeit in Pflegeund Betreuungseinrichtungen laut Regierungsrat mehrheitlich als gering eingeschätzt wird, zeigt sich bei den Spitälern ein anderes Bild. Mehrere Institutionen gaben an, dass ohne Personal aus den angrenzenden Regionen Süddeutschlands und Frankreichs die Versorgungssicherheit und Servicequalität nicht aufrechterhalten werden könnten. Besonders betroffen seien spezialisierte Funktionen, für die sich auf dem inländischen Arbeitsmarkt kaum genügend qualifizierte Personen finden liessen.
Ein Teil der Spitäler rekrutiert deshalb aktiv im EU-Raum, etwa über Online-Jobplattformen, Plakate oder Fachmedien. Andere greifen nur punktuell darauf zurück oder verzichten ganz darauf. In den Altersund Pflegeheimen ist aktive Rekrutierung im Ausland die Ausnahme. Als Hürde genannt werden insbesondere die anspruchsvollen und teils langwierigen Anerkennungsverfahren für ausländische Ausbildungen, vor allem im Pflegebereich.
Der Regierungsrat sieht in der starken Abhängigkeit der Spitäler erhebliche Risiken, sollte der Zugang zum EU-Arbeitsmarkt künftig eingeschränkt werden. Er betont zugleich die Bedeutung eines möglichst hindernisfreien trinationalen Arbeitsmarkts in der Region Basel. Langfristig sei es jedoch notwendig, im Inland genügend Fachkräfte auszubilden, um die Abhängigkeit vom Ausland schrittweise zu reduzieren.
