Eine menschliche Einteilung. Wagen Sie einen Perspektivenwechsel!
Wir finden Tiere mit flauschigem Fell und grossen Augen niedlich, bunte Schmetterlinge und Vögel schön und Tiere im Zoo interessant. Dabei sind Tiere mit keinen oder vielen Beinchen, mit schuppiger oder ...
Eine menschliche Einteilung. Wagen Sie einen Perspektivenwechsel!
Wir finden Tiere mit flauschigem Fell und grossen Augen niedlich, bunte Schmetterlinge und Vögel schön und Tiere im Zoo interessant. Dabei sind Tiere mit keinen oder vielen Beinchen, mit schuppiger oder schleimiger Haut die Schwerarbeiter im Ökosystem.
Heinz Döbeli
«Endlich wieder einmal kalt. So erfriert das Ungeziefer!» Das hört man zuweilen, wenn Schnee liegt und Minusgrade herrschen. Unter Ungeziefer versteht man allgemein Tiere, die uns schaden oder stören. Ein harter Winter macht aber keinen Unterschied zwischen Nützlingen, Lästlingen und Schädlingen. Ausserdem wechselten mittlerweile dank besserem Wissen viele Schädlinge in die Kategorie der Nützlinge, etwa die Regenwürmer. Im 19. Jahrhundert wurden diese als schädlich angesehen, weil man glaubte, sie würden den Pflanzen Nährstoffe wegfressen. Heute weiss man es besser: Regenwürmer sind nützlich!
Mitglieder der «Schweizerischen Gesellschaft der Rosenfreunde» pflegen einen schönen Brauch: Man lädt Kolleginnen und Kollegen ein zu einer Besichtigung des Gartens. Durch fremde Gärten zu schlendern, inspiriert. Auch ich halte mich an diese Tradition. Allerdings stehen bei mir nicht Rosen im Vordergrund, sondern Tiere, die viele nicht gerne in ihren Gärten sehen. Eingeladene Fachpersonen erklären an diesen Führungen die ökologische Funktion dieser «unattraktiven» Tiere.
Rehabilitierung von «Ungeziefer»
Schnecken führen die Gilde der unerwünschten Tiere an. Dass in unserer Region über hundert Schneckenarten heimisch sind, und dass nur gerade drei Nacktschneckenarten nennenswerte Schäden anrichten, ist weitgehend unbekannt. Wer Schneckenkörner anwendet, rottet unterschiedslos alle Schnecken aus, auch die nützlichen, die mithelfen, in unseren Gärten abgestorbene Pflanzen zu mineralisieren und die wichtige Nahrung für viele Tiere sind.
Unbeliebt sind auch Blattläuse. Sie saugen an Pflanzen, auch an Rosen. Aber gesunde Pflanzen stecken den Verlust an zuckerhaltigem Saft weg. Blattläuse sind Nahrung für Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen, Schlupfwespen, Raubwanzen und Spinnen. Für Vögel sind Blattläuse wichtige Proteinquellen, vor allem während der Aufzucht der Nestlinge.
Immer noch werden viele Tierchen als «Ungeziefer» wahrgenommen. Die Referenten und Referentinnen haben die Aufgabe, vor allem das Zusammenspiel dieser Tiere im Ökosystem Garten zu erklären und nicht, mit welchen Giften man sie bekämpfen kann. Oder sie erklären das Futternetzwerk: Wer frisst wen? Zum Beispiel die aus Südostasien eingeschleppte Kirschessigfliege und ihr Antagonist Leptopilina japonica. Diese Schlupfwespe stammt ebenfalls aus Südostasien. Sie legt Eier in die Maden der Kirschessigfliegen. Anstelle der Kirschessigfliege schlüpft eine Schlupfwespe.
Das Thema vom vergangenen Jahr waren Zecken. Auf die Frage, welchen Nutzen Zecken haben, riet der Referent zu einem Perspektivenwechsel: Welchen Nutzen haben Menschen für die Zecken? Nämlich keinen, weil sie von uns Menschen ausgerissen und getötet werden, bevor die Zecken ihren Entwicklungszyklus abgeschlossen haben. Ausserdem gibt es Zecken schon seit 100 Millionen Jahren. Und nie haben sie Schäden am Ökosystem angerichtet.