Neubau für Dorfl aden und Wohnungen
12.02.2026 ZunzgenDie Bauprofile stehen, das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen
soll einen neuen Volg-Laden erhalten. Der alte ist zu klein, das Mehrfamilienhaus, in dem es sich befindet, sanierungsbedürftig. Zur Debatte steht ein Neubau, für den die Milch- und Landwirtschaftliche ...
Die Bauprofile stehen, das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen
soll einen neuen Volg-Laden erhalten. Der alte ist zu klein, das Mehrfamilienhaus, in dem es sich befindet, sanierungsbedürftig. Zur Debatte steht ein Neubau, für den die Milch- und Landwirtschaftliche Genossenschaft insgesamt 7,5 Millionen Franken aufwerfen will.
Christian Horisberger
Der Volg-Laden in Zunzgen ist ein Phänomen. Während viele andere Dorfläden ums Überleben kämpfen, verzeichnet das Geschäft an der Alten Landstrasse, einige Dutzend Schritte vom Restaurant Hard entfernt, seit mehreren Jahren steigende Umsätze. Nicht nur bei den Zunzgerinnen und Zunzgern ist das Geschäft mit seinen acht Angestellten beliebt, auch Einwohner der Dörfer weiter hinten im Tal seien oft gesehene Kunden, sagt Hanspeter Mundwiler. Er muss es wissen: Einerseits ist er Vorstandsmitglied der Milch- und Landwirtschaftlichen Genossenschaft Zunzgen, in deren Besitz sich der Dorfladen befindet, andererseits ist seine Frau im «Volg» angestellt und kennt Betrieb und Kundschaft bestens.
Doch der Platz zwischen den Verkaufsregalen ist knapp, die Infrastruktur, speziell die Kühlanlagen, grösstenteils veraltet und der Warenfluss zwischen dem Verkaufsraum und dem Lager im Untergeschoss trotz Warenlift umständlich. Um die Situation nachhaltig zu verbessern, ergreift die Genossenschaft die Flucht nach vorne. Anstatt den Laden auszubauen und gleichzeitig das sanierungsbedürftige Mehrfamilienhaus aus den 1960er-Jahren, in dem er sich befindet, vom Keller bis zum Dach zu erneuern, soll ein Neubau realisiert werden.
Drei Wohnungen mehr
Laut dem vergangene Woche veröffentlichten Baugesuch soll das Haus im südlichen Bereich der Parzelle 1226 erstellt werden. Gemäss den Plänen ist im Erdgeschoss der Laden mit einer Verkaufsfläche von 240 Quadratmetern (heute: 200 Quadratmeter) vorgesehen. Das Lager befindet sich auf derselben Ebene. In den beiden Obergeschossen und unter dem Dach sind insgesamt acht Wohnungen geplant – eine mit viereinhalb, zwei mit zweieinhalb und fünf mit dreieinhalb Zimmern. Das sind gegenüber dem heutigen Gebäude drei Wohnungen mehr.
Laut Mundwiler, der die Baukommission für das Projekt präsidiert, ist eine Photovoltaikanlage auf dem Dach vorgesehen und geheizt wird anstatt mit Öl wie heute mit Pellets oder Holzschnitzeln. Für die Mieter werden Carports an der Alten Landstrasse erstellt, die 13 Volg-Kundenparkplätze sind von der Hauptstrasse her erschlossen. Sie werden im Bereich des heutigen, stillgelegten Postgebäudes liegen. Auf den Bau einer Tiefgarage sei wegen der hohen Kosten, des Hochwasserrisikos und des Raumverlustes durch die Garagenzufahrt verzichtet worden, erklärt Mundwiler.
Das Postgebäude samt Grundstück hat die Genossenschaft bereits im Jahr 2022 erworben, um für die Entwicklung ihres Dorfladens grösstmögliche Flexibilität zu haben: «Ein strategischer Entscheid», so Mundwiler rückblickend. Dank einer unlängst erfolgten Änderung des Zonenplans Siedlung kann auf der Parzelle ein Stockwerk höher gebaut werden als zuvor.
Für den Neubau dürften neben dem Zustand der Altliegenschaft und den Optimierungen für den Dorfladen auch die höhere Rendite durch die zusätzlichen Wohnungen gesprochen haben. Zudem kann der Übergang von einem zum anderen Laden nahtlos gestaltet werden, wie Hanspeter Mundwiler ausführt: Nach dem Abriss des Postgebäudes erfolge der Neubau und erst dann der Abriss des Altbaus, und an dessen Stelle werde das neue Lager gebaut, über dem schliesslich die Carports erstellt würden. Der gewonnene Freiraum soll begrünt und mit Bäumen bepflanzt werden.
Noch einmal über die Bücher
Die Kosten für das Projekt sind erheblich. Alles in allem werde das Vorhaben die Milch- und landwirtschaftliche Genossenschaft rund 7,5 Millionen Franken kosten, sagt der Chef der Baukommission. Darin enthalten seien dann aber neben den Neubaukosten auch der Kaufpreis für Postgebäude und Grundstück sowie die Abrisskosten für zwei Gebäude.
Dieses Preisschild hat die gut situierte, aber nicht reiche Genossenschaft dazu bewogen, noch einmal über die Bücher zu gehen. Laut Mundwiler ist an der letzten Versammlung, kurz vor der Publikation des Baugesuchs, beschlossen worden, die Alternative zum Neubau durchzurechnen: die Sanierung des bestehenden Hauses mit einer Erweiterung des Lagers in die an den «Volg» angebaute Liegenschaft, die sich ebenfalls im Eigentum der Milchgenossenschaft befindet.
Mit der Kostenschätzung für das Sanierungs- und Erweiterungsprojekt rechnet Mundwiler in den nächsten Tagen. Dann werde wiederum eine Genossenschaftsversammlung einberufen, um zu entscheiden, in welche Richtung es gehen wird. Sollten die Genossenschafter den Neubau wählen, könnten die Bagger im Herbst auffahren, so der Baukommissionspräsident. Schwenkten sie um, werde die Planungs- und Bewilligungsphase einige Zeit in Anspruch nehmen; mit einem grossen Zeitverlust rechne er jedoch nicht.


