Bei mir nutzen Insekten natürliche Strukturen
Insekten, allen voran Bienen, Hummeln, Wespen und Ameisen, haben im Laufe ihrer Evolution eine Vielfalt an Baustilen entwickelt, und sie nutzen die unterschiedlichsten Baumaterialien. In aufgeräumten Gärten sind diese aber ...
Bei mir nutzen Insekten natürliche Strukturen
Insekten, allen voran Bienen, Hummeln, Wespen und Ameisen, haben im Laufe ihrer Evolution eine Vielfalt an Baustilen entwickelt, und sie nutzen die unterschiedlichsten Baumaterialien. In aufgeräumten Gärten sind diese aber rar.
Heinz Döbeli
Die Artenvielfalt der Wildbienen ist riesig. In der Schweiz sind 621 Arten, in Deutschland 589, in Frankreich 918, in Italien 993 und in Österreich 702 Arten beschrieben, dies laut dem Buch «Wilde Bienen – Biologie, Lebensdynamik und Gefährdung». Alle Arten ernähren sich und ihre Brut von Pollen und Nektar. Die ganze Aufzucht von Nachkommen erledigen die Weibchen. Männchen braucht es nur, um die Gene neu zu kombinieren.
Die Entwicklung der Bienen beginnt mit einem Ei. Aus diesem schlüpft eine Larve, die sich verpuppt, wenn sie genug gefressen hat. Zu gegebener Zeit verwandelt sie sich in das Imago (das geschlechtsreife Tier). Wildbienen leben in der Regel ein Jahr. Die Männchen sterben nach der Paarung, Weibchen nach der Eiablage. Der Nachwuchs sieht also seine Eltern nie und muss alleine überleben. Als einzige Hilfe bauen die Weibchen geeignete Nester, wobei jede Art ihre Eigenheiten hat, was den Standort, das Baumaterial und den Bautyp betrifft.
Verblüffende Vielfalt
Zu fast 200 Arten findet man im oben erwähnten Buch Angaben darüber, wo und wie die Nester angelegt sind. Wildbienen graben Löcher – je nach Art an steilen Böschungen oder auf flachem Grund. Einige lieben Sand, andere Lehm, einige vegetationslose Flächen, andere bewachsene. Sie nisten unter Steinen, in Hohlräumen, in Mauerritzen, in Trockenmauern. Sie nutzen Käferfrassgänge in morschem Holz oder nagen selber Gänge. Sie bohren Löcher in abgestorbene Rosen oder Brombeeräste, auch hohle Stängel von Samenständen nutzen einige. Andere errichten ihre Nester in Schneckenhäuschen und bei etlichen weiss man noch nicht, wo und wie sie nisten.
Insektenhotels haben einen hohen didaktischen Wert. Sie sind meist gut sichtbar und man kann mit etwas Geduld den ganzen Brutvorgang beobachten und Kindern erklären. Etwa 20 Prozent der Wildbienen steigen in Insektenhotels ab. Aber wie hilft man den restlichen 80 Prozent?
Räumen Sie den Garten im Herbst nicht auf. Wildbienen mögen unaufgeräumte Gärten. Schichten Sie Totholz zu Haufen und lassen Sie abgestorbene Bäume möglichst lange stehen. Lassen Sie sandige oder lehmige Bodenstellen in Ihrem Garten frei von Bewuchs. Hier finden bodennistende Arten ihren Nistplatz. Bauen Sie Trockenmauern mit Fugen und Löchern. Risse in Wänden sind Nistplätze. Ungestörte Ecken mit Laub und Reisig helfen ebenfalls.
Lassen Sie die im Herbst verblühten Stauden stehen und schneiden Sie sie nicht zurück. Lassen Sie vor allem Samenstände über den Winter stehen. Wenn das nicht möglich ist, können Sie den Stängel abschneiden und anderswo aufstellen. Denken Sie auch an die Wildbienen, die ihre Nester in Schneckenhäuschen errichten. Und wenn Sie wegen dieser «Unordnung» kritisiert werden, halten Sie sich einfach die Ohren zu.
Das erwähnte Buch «Wilde Bienen – Biologie, Lebensdynamik und Gefährdung» von Heinz Wiesbauer kann bei der Kantonsbibliothek in Liestal ausgeliehen werden.