«Musik ist meine Muttersprache»
21.07.2026 Bezirk Sissach, Kultur, Baselbiet, MaisprachManoush Toth ist ein pianistisches Ausnahmetalent
Im Juni vertrat sie die Schweiz beim Eurovision Young Musicians, dem Klassik-Musikwettbewerb der europäischen Radio- und Fernsehanstalten. Die «Volksstimme» hat die hoffnungsvolle Musikerin in Maisprach besucht.
Stephan ...
Manoush Toth ist ein pianistisches Ausnahmetalent
Im Juni vertrat sie die Schweiz beim Eurovision Young Musicians, dem Klassik-Musikwettbewerb der europäischen Radio- und Fernsehanstalten. Die «Volksstimme» hat die hoffnungsvolle Musikerin in Maisprach besucht.
Stephan Imhof
Absolute Ruhe und Konzentration breiten sich in der 20-jährigen Nachwuchsmusikerin aus, wenn sie am Klavier sitzt und sich für ihren Einsatz vorbereitet. «Wie Magie ist es, wenn der Dirigent den Taktstock hebt, die ersten Orchestertöne erklingen und meine Finger die Tasten berühren», sagt die junge Pianistin aus Maisprach. Sie erlebte diesen Augenblick am 6. Juni abermals, und zwar an der Finalshow des Eurovision Young Musicians (EYM) – sozusagen des ESC für Nachwuchsmusiker – in Eriwan, der Hauptstadt von Armenien, einem gebirgigen Land im Kaukasus mit knapp 3 Millionen Einwohnern.
Manoush Toth hatte für ihren Auftritt, der nur 6,5 Minuten dauern durfte, das Klavierkonzert in A-Moll von Clara Schumann gewählt. Ein dreisätziges Werk aus der Hochromantik, voller Emotionalität, gespickt mit vielen solistischen Klavierparts. Hunderttausende schauten ihr dabei zu, wie sie dieses in sich stimmige Werk auf die verlangte Zeit kürzte, ohne dessen inneren Spannungsbogen zu zerstören.
Manoush Toth sagt dazu: «Ich war stolz und dankbar, dass ich das Schweizer Radio und Fernsehen SRF in Armenien vertreten durfte. Auch freute ich mich, die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennenzulernen mit der gleichen Liebe zur Musik. Es bedeutete mir sehr viel, auf dieser wichtigen Bühne Teile aus dem Klavierkonzert der noch immer unterschätzten Clara Schumann zu präsentieren.» Im Rahmen der Förderung von Schweizer Musiktalenten konnte Manoush die vierköpfige Fachjury an einer Vorauswahl mit ihrem Auftritt überzeugen. Um dieses Talent zu finden, wurden Schweizer Musikhochschulen und Konservatorien, das Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester und der Schweizerische Jugendmusikwettbewerb ins Boot geholt. Diese schlugen geeignete Talente vor und man entschied, sieben Musizierende verschiedener Instrumentengruppen zum Vorspielen in die Radiohalle im SRF-Campus nach Leutschenbach einzuladen.
Spannung vor dem Auftritt
Manoush erwartete in Eriwan eine Woche voller Hektik, vieler Interviews, Begegnungen und Besprechungen. Dann kam die erste Probe mit dem «Armenian Philharmonic Orchestra».
Zu klären waren neben akustischen auch generelle Fragen zur Gestaltung und Interpretation, die mit dem Dirigenten abgesprochen werden mussten. Da ein Klavier nicht einfach mitzunehmen ist, musste sie sich selbst organisieren, um genügend Zeit für Proben auf dem Flügel des «Armenian National Opera and Ballet Theatre», eines imposanten Baus aus der Sowjetzeit, zu erhalten.
Üben muss und will sie einige Stunden am Tag, um so die Sicherheit und Souveränität in ihrem Auswahlstück immer wieder zu verinnerlichen. Abwechslung und soziale Verbundenheit mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gaben ihr die Ausflüge ins Landesinnere. Besonders der Besuch des Garni Tempels, einer griechischen Anlage aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, beeindruckte sie sehr. Aber auch die armenische Kultur, zelebrierte Volkstänze und Gesänge sowie die kaukasische Küche hinterliessen bleibende Eindrücke.
Der Tag der Entscheidung nahte, die Anspannung stieg. Beim EYM kommen die Solisten aus verschiedenen Ländern. Sie spielen ganz unterschiedliche Instrumente, vom Akkordeon über die Marimba bis zur Flöte. Manoush hatte ihren Auftritt als fünfte von insgesamt elf Teilnehmern. In einem leuchtend roten Konzert-Dress spielte sie sich in die Herzen der Zuhörer, erntete tosenden Applaus und musste feststellen, dass diese 6,5 Minuten sehr kurz für eine echte Verbindung mit Orchester und Publikum waren.
Auch wenn der Sieg an den polnischen Akkordeonisten Michal Stochel ging, blieb die Maispracherin cool: «Ich ging, um zu gewinnen, aber mir ging es nicht ums Gewinnen.» Denn eines ist allen Musikern gewiss: Ihr Gewinn ist die grosse Publizität und verknüpft damit die Hoffnung auf den Beginn einer internationalen Karriere. Eine erste Anfrage folgte umgehend und nährt Manoush Toths Zuversicht, dass noch viele und vor allem interessante Anfragen kommen werden.
Von der Geige zum Klavier
Nachdem Manoush fünf Jahre lang von ihrer Mutter auf der Violine unterrichtet worden war, entdeckte sie mit acht Jahren das Klavier für sich und verliebte sich sofort in dieses Instrument. Ihr Vater rettete ein altes Klavier vor dem Müll und spielte darauf einen Boogie-Woogie. Manoush musste nicht ermahnt werden, mehr zu üben, es war sogar schwierig, sie von den Tasten wegzubringen. Mit knapp 16 Jahren begann sie das Klavierstudium an der Musikhochschule Basel. Vorletztes Jahr hat sie ihren Bachelor mit Auszeichnung geschafft und schliesst nächstes Jahr ihren Master ab.
Viele Konzerte führten sie bereits quer durch Europa, nach Brasilien und in die Vereinigten Staaten. Sie spielt sowohl als Solistin wie auch als begehrte Kammermusikpartnerin in verschiedenen Projekten, insbesondere im Trio Toth mit ihren beiden Geschwistern Anatol (22), Geige, und Anouk (16), Cello, die ebenfalls bekannte und preisgekrönte Musiker sind.
Manoush Toth steht am Beginn einer hoffnungsvollen Karriere, man darf gespannt die weitere Entwicklung der Pianistin verfolgen. Ihr Ziel ist «die Vollendung meines persönlichen musikalischen Ausdrucks», um die verbindende Botschaft der Komponistinnen und Komponisten den Menschen unverfälscht zu übermitteln.
Weitere Informationen zu Manoush Toth: www.manoushtoth.ch

