Mit Seilbahn über den Gempen
19.02.2026 BaselbietIn 24 Minuten von Aesch nach Liestal? FDP-Landrat fordert Studie
FDP-Landrat Balz Stückelberger verlangt, dass der Kanton eine Seilbahnverbindung zwischen Aesch und Liestal prüft. Die «Vision Jurasteg» soll das Birstal und das Oristal direkt verbinden – als ...
In 24 Minuten von Aesch nach Liestal? FDP-Landrat fordert Studie
FDP-Landrat Balz Stückelberger verlangt, dass der Kanton eine Seilbahnverbindung zwischen Aesch und Liestal prüft. Die «Vision Jurasteg» soll das Birstal und das Oristal direkt verbinden – als Alternative zu Tunnel- oder Strassenprojekten.
tho. Mit einem Postulat unter dem Titel «Vision Jurasteg: Seilbahn-Verkehrsverbindung Birstal-Oristal» fordert Landrat Balz Stückelberger (FDP, Arlesheim) die Regierung auf, eine konkrete Seilbahnlinie zwischen Aesch und Liestal vertieft zu prüfen. Das Postulat reichte Stückelberger zum Ende seiner Landratstätigkeit ein. Er kam 2011 ins Parlament und tritt nun auf Ende Februar zurück und macht einem Nachrückenden Platz. Wegen der Amtszeitbeschränkung auf 16 Jahre hätte er bei der Gesamterneuerungswahl 2027 nicht mehr kandidieren dürfen.
Stückelberger verweist in seinem Vorstoss auf einen früheren, von GLP-Landrat Manuel Ballmer (Lupsingen) eingebrachten parlamentarischen Auftrag, wonach Seilbahnen als Ergänzung des öffentlichen Verkehrs im Baselbiet geprüft werden sollen. Ballmers Vorstoss liess jedoch offen, auf welchen Korridor sich eine solche Prüfung konkret beziehen solle. Mit der «Vision Jurasteg» wolle er die Diskussion «konkretisieren und fokussieren» und einen «bewusst visionären Denkanstoss» liefern, so Stückelberger.
Seilbahn umfährt Hürden
Im Zentrum steht eine Idee des Münchensteiner Architekten Rolf Stalder. Vorgesehen ist gemäss Postulat eine rund 10 Kilometer lange ÖV-Seilbahn vom Bahnhof Aesch über das Gebiet Gempenturm/ Schartenfluh und den Raum Sichtern/Oristal bis zum Bahnhof Liestal. Hintergrund ist die heutige Verkehrssituation: Zwischen dem bevölkerungsreichen Birstal und Liestal bestehe «trotz kurzer Luftdistanz keine direkte ÖV-Verbindung», schreibt Stückelberger. ÖV-Pendler seien gezwungen, über Basel zu fahren; auch der Autoverkehr führe via Basel/Hagnau über stark belastete Achsen.
Eine herkömmliche Lösung via Strasse oder Schiene sei wegen Topografie und sensibler Landschaftsräume «technisch aufwendig, landschaftlich problematisch und politisch schwer umsetzbar». Die Seilbahn soll diese Hürden umgehen. Als Talstation wird im Postulat der Bahnhof Aesch genannt, da damit eine Linienführung Richtung Gempen ohne Querung grosser Wohngebiete möglich sei. Auf Liestaler Seite verlaufe die Trassee weitgehend über das Industriegebiet Oristal und nur kurz über die Oristalstrasse.
Günstiger als neuer Tunnel
Technisch favorisiert wird vom abtretenden FDP-Landrat eine «3S-Gondelbahn» mit drei Seilen für hohe Windstabilität und mit Kabinen für 30 bis 35 Personen, «die sich für Pendlerströme, Tourismus und Velomitnahme» eignen. Bei einer Geschwindigkeit von rund 8 Metern pro Sekunde ergäbe sich eine Reisezeit von 22 bis 24 Minuten inklusive Zwischenhalt auf dem Gempen. Das entspreche etwa einer Halbierung der heutigen Reisezeit mit der S-Bahn, heisst es im Vorstoss. Die maximale Förderleistung wird mit 4200 bis 4500 Personen pro Stunde und Richtung angegeben.
Bei den Kosten nennt Stückelberger Bandbreiten: Für eine schlichtere «Einseilumlaufbahn» müssten 190 bis 240 Millionen Franken gerechnet werden, für die von ihm bevorzugte hochwertigere «3S-Lösung» wären es 340 bis 415 Millionen Franken. Stückelberger rechnet vor, dass ein möglicher neuer Autobahntunnel zwischen Aesch und Liestal mit ähnlicher Verbindungsfunktion demgegenüber in einer Grössenordnung von «2 bis 3 und mehr Milliarden Franken» liegen würde. Die Forderung nach einer solchen neuen Strassenverbindung wird seit einiger Zeit von der Wirtschaftskammer Baselland erhoben.
Mit seinem Postulat ersucht Stückelberger den Regierungsrat, den Korridor Aesch–Gempen–Liestal vertieft zu untersuchen. Abzuklären seien Chancen und Risiken, die verkehrliche Wirkung, Investitions- und Betriebskosten sowie ein möglicher Zeithorizont. Zudem solle die Regierung darlegen, unter welchen Voraussetzungen sie bereit wäre, die Vision in eine Vorstudie oder in laufende Planungen zu integrieren. Mit Stückelbergers «Abschiedsgeschenk» soll zunächst eine vertiefte Prüfung ausgelöst werden.
