Mit Hightech gegen Tigermücken?
22.01.2026 BaselbietRegierung prüft neue Methoden, setzt aber weiter auf bewährte Mittel
Von biologischen Larviziden über sterile Männchen bis zu CO2-Fallen: Die Baselbieter Regierung zeigt in einem Bericht auf, welche neuen technischen Ansätze zur Bekämpfung der Asiatischen ...
Regierung prüft neue Methoden, setzt aber weiter auf bewährte Mittel
Von biologischen Larviziden über sterile Männchen bis zu CO2-Fallen: Die Baselbieter Regierung zeigt in einem Bericht auf, welche neuen technischen Ansätze zur Bekämpfung der Asiatischen Tigermücke denkbar wären. Kurzfristig bleibt sie jedoch bei bewährten Massnahmen.
David Thommen
In Teilen der Stadt Basel und der umliegenden Agglomerationsgemeinden bis hinauf nach Frenkendorf und Füllinsdorf vergällt die invasive Tigermücke vielen Einwohnerinnen und Einwohnern im Sommer den Aufenthalt im Freien. Kaum setzt man sich in den Garten oder auf den Balkon, folgen auch tagsüber die ersten Attacken. Die Stiche jucken stark, die Belastung wird von vielen als zunehmend empfunden. Laut Regierungsrat hat sich die Ausdehnung der Befallszonen im Sommer 2025 deutlich beschleunigt; bis Ende 2026 dürften weite Teile des unteren Baselbiets betroffen sein.
Auslöser des Berichts ist ein Postulat von Landrat Tim Hagmann (GLP, Bottmingen), das die Regierung beauftragte, mögliche zusätzliche Massnahmen gegen invasive Arten wie die Asiatische Tigermücke zu prüfen und dem Parlament Bericht zu erstatten. Entsprechend breitet die Exekutive ein ganzes Arsenal an Optionen aus – von kostenlosen Larviziden über biologische Eingriffe in Mückenpopulationen bis hin zu technischen Fallen.
Larvizide nur gezielt
Am konkretesten ist die Haltung der Regierung beim biologischen Larvizid B.t.i. (Bacillus thuringiensis israelensis). Das Mittel wird in Regenwassertonnen oder Entwässerungsschächten eingesetzt und tötet gezielt Mückenlarven ab, ohne andere Organismen stark zu belasten. In den ausgewiesenen Befallsund Pufferzonen stellt der Kanton den Gemeinden bereits heute portionierte B.t.i.-Einheiten kostenlos zur Verfügung, die an die Bevölkerung weitergegeben werden – etwa in Aesch, wie es im Bericht heisst.
Forschungsthema Wolbachia
Eine flächendeckende Gratisabgabe im gesamten Kanton lehnt der Regierungsrat jedoch ab. In noch nicht betroffenen Gebieten sei der Nutzen nicht belegt, während die Kosten unverhältnismässig anstiegen. Das Hauptproblem liege weniger im fehlenden Zugang zu Bekämpfungsmitteln als in der unzureichenden und inkonsequenten Anwendung der empfohlenen Massnahmen durch die Haushalte. Künftig könnten neue bundesrechtliche Grundlagen – namentlich die geplante Revision des Umweltschutzgesetzes – den Kantonen verbindlichere Vorgaben erlauben. Bis dahin fehlt eine rechtliche Grundlage, um Massnahmen auf Privatgrund durchzusetzen.
Zurückhaltend äussert sich die Regierung zum präventiven Einsatz von Wolbachia-Bakterien, die in Tigermücken die Übertragung von Krankheitserregern wie Dengue-Viren unterbinden sollen. Zwar gelten entsprechende Programme in Ländern wie Australien oder Brasilien als vielversprechend, in Europa befindet sich die Methode jedoch noch im frühen Forschungsstadium. Praktische Erfahrungen in der Schweiz oder den Nachbarländern fehlen bislang.
Hinzu kommen rechtliche Hürden: Eine solche Freisetzung wäre bewilligungspflichtig und müsste national koordiniert erfolgen. Bevor sich der Kanton Baselland an einem entsprechenden Projekt beteiligen könnte, müssten Daten zur ökologischen Sicherheit, zur Wirksamkeit unter regionalen Klimabedingungen sowie zu möglichen Auswirkungen auf heimische Insektenpopulationen vorliegen. Bis auf Weiteres bleibt Wolbachia aus Sicht des Regierungsrats ein Forschungsund kein Vollzugsthema.
Deutlich konkreter fällt die Einschätzung zur sogenannten Sterile-Insect-Technique (SIT) aus. Dabei werden sterilisierte männliche Tigermücken aus Zuchten freigesetzt, die sich mit wild lebenden Weibchen paaren, ohne Nachwuchs zeugen zu können. Ein Pilotprojekt im Tessiner Morcote zeigte zwischen 2023 und 2025 markante Effekte: Die Zahl der Eier sank laut dem Bericht der Regierung um mehr als 50 Prozent, jene der in der Folge noch umherschwirrenden Weibchen sogar um rund zwei Drittel.
Für das Baselbiet wäre ein solcher Ansatz laut Bericht jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll. Aufgrund ständiger Wiedereinschleppungen müsste die Methode grossräumig und grenzüberschreitend angewandt werden – in enger Abstimmung mit Basel-Stadt, Baden-Württemberg und dem Elsass.
Der Bericht verweist zudem auf eine notwendige Machbarkeitsstudie des Schweizerischen Tropenund Public-Health-Instituts (Swiss TPH), die mit rund 50 000 Franken veranschlagt wird. Der Regierungsrat bezeichnet SIT als «vielversprechende langfristige Option», weist aber darauf hin, dass die Methode derzeit noch kostenintensiv ist und sich nicht für einen Routineeinsatz eigne.
Als Ergänzung zwischen Hightech und klassischer Prävention nennt die Regierung CO2- oder Lockstoff-Mückenfallen. Diese imitieren – geruchlich – den menschlichen Körper und ziehen stechfreudige Weibchen an. Im Kanton kommen solche Fallen bereits im Monitoring zum Einsatz; künftig könnten sie – etwa bei Schulen, in Parks oder in dicht besiedelten Quartieren – auch zur Reduktion von lokalen Populationen beitragen.
Ob dieser Ansatz tatsächlich wirksam und wirtschaftlich ist, untersucht das grenzüberschreitende Projekt «TIGER 2.0» der Universität Strassburg, an dem das Baselbiet als ko-finanzierender Partner beteiligt ist. Bis 2028 werden verschiedene Fallenmodelle hinsichtlich Wirkung, Kosten, Betriebsaufwand und Akzeptanz verglichen. Erst danach will der Kanton über einen systematischen Einsatz entscheiden.
Konsequente Prävention
Unabhängig von technischen Optionen bleibt für die Regierung der bereits eingeschlagene Pfad unverändert: Der wichtigste Pfeiler der Strategie ist weiterhin die konsequente Prävention. Brutstätten beseitigen, Wassergefässe regelmässig leeren und Empfehlungen umsetzen seien nach wie vor die wirksamsten Massnahmen. Erfahrungen aus Basel-Stadt hätten gezeigt, dass Angebote wie Tigermücken-Sprechstunden kaum genutzt würden; am effektivsten sei die direkte Aufklärung vor Ort.
Hausbesuche in Befallszonen hält der Regierungsrat auch im Baselbiet für denkbar – verweist jedoch auf hohe Kosten, den personellen Aufwand und fehlende gesetzliche Grundlagen auf Bundesebene für eine Bekämpfungspflicht.
