«Mein Wunsch ist, dass sich die Menschen wieder vertragen»
31.12.2025 Baselbietcam. Um Mitternacht werden die Gläser klingen, die Feuerwerksraketen krachen – und das neue Jahr beginnt. Die «Volksstimme» hat bekannte Gesichter aus der Politik, der Musikund der Kulturbranche gefragt, welche Erwartungen sie haben und was sie sich für ...
cam. Um Mitternacht werden die Gläser klingen, die Feuerwerksraketen krachen – und das neue Jahr beginnt. Die «Volksstimme» hat bekannte Gesichter aus der Politik, der Musikund der Kulturbranche gefragt, welche Erwartungen sie haben und was sie sich für das Jahr 2026 wünschen.
Christoph Buser, Direktor Wirtschaftskammer, Füllinsdorf
«Ich blicke mit Zuversicht auf das kommende Jahr, weil ich jeden Tag sehe, was im Baselbiet möglich ist. Unsere Unternehmen übernehmen Verantwortung, bilden junge Menschen aus und investieren auch dann, wenn die Zeiten anspruchsvoll sind. Diese Haltung ist eine grosse Stärke unseres Kantons. Damit sie wirkt, braucht es Rahmenbedingungen, die Vertrauen schaffen. Energie muss verfügbar und bezahlbar sein, Bildung muss Perspektiven eröffnen, und Menschen müssen ihren Arbeitsplatz gut erreichen können. Wenn wir diese Grundlagen gemeinsam sichern, entsteht Raum für Ideen, Wachstum und Zusammenhalt. Die Wirtschaftskammer Baselland wird sich auch im neuen Jahr dafür einsetzen, dass das Baselbiet ein Ort bleibt, an dem man gerne arbeitet, ausbildet, unternehmerisch tätig ist und gerne lebt.»
Maya Graf,
Baselbieter Ständerätin, Sissach
«Ich wünsche mir für das neue Politjahr dringend mehr Miteinander und weniger Gegeneinander, mehr Respekt und Anstand, anstatt auf den ‹Gegner dreinzuhauen›, wie es in Kommentarspalten leider zunimmt. Unsere Demokratie und unseren Wohlstand schützen wir nur, wenn wir die vielen Herausforderungen gemeinsam und konstruktiv angehen. Als Ständerätin werde ich mich auch 2026 für das Wohlergehen unserer Region einsetzen, sei es für geregelte und gute Beziehungen mit unseren Nachbarn der EU, für den Ausbau des Bahnknotens Basel oder für eine sichere AHV für alle. Und als Präsidentin der Geschäftsprüfungskommission werde ich in der Oberaufsicht dem Bundesrat und der Verwaltung gut auf die Finger schauen. Das Gemeinwohl muss immer im Zentrum stehen und nicht das Recht des Stärkeren.»
Sarah-Jane Riek
Sängerin und Schauspielerin, Rothenfluh
«Ich wünsche mir, den Menschen auch weiterhin mit meiner Art und meinem Wesen eine Freude zu bereiten – sei es in meinem Coiffeursalon oder auf meinen Konzerten. Auch im neuen Jahr werde ich mit meinen Liedern in der Region unterwegs sein, zum Beispiel mit meinem Solokonzert ‹Mit Fründe lot’s sich’s besser singe›. Abgesehen von der Gesundheit ist mein grösster Wunsch, dass sich die Menschen wieder besser vertragen. Beginnen wir doch bei uns selbst! Jeder wünscht sich Frieden, aber dieser kann nur entstehen, wenn man bei sich selbst anfängt. Man sollte nicht alles auf die Goldwaage legen und sich nicht wegen jeder Kleinigkeit streiten. Respekt, Freundlichkeit, Kulanz, Anstand und ab und zu ein Lächeln kosten kein Geld und haben doch einen so hohen Wert.»
Jürg Gohl,
Journalist und Baselbieter Kulturpreisträger 2025, Sissach
«Da ich auf ein aufregendes, intensives und sorgenfreies Jahr zurückblicke, würde ich privat gerne an 2025 anknüpfen. Der Blick auf die Schweiz und auf die ganze Welt stellt diese Gefühlslage aber auf den Kopf. Kaum ist Corona überstanden, marschiert Putin in die Ukraine ein. Dorthin schickt der Kleptokrat jene Generation sinnlos in den Tod, die sein Land dereinst flicken muss. Amerika wird von einem demokratisch gewählten Mann gelenkt, der, einen Nachbarn belagernd, Friedenspreise einfordert, der die Gewaltenteilung aushebelt und sich vor aller Augen korrumpieren lässt. Auch bei uns geht es staatstragenden Medien an den Kragen. Mit der Hellebarde im Halfter träumt ein früherer Bundesrat von einem Sezessionskrieg und Wällen, die er als ungelernter Maurer errichtet. Lesen wir! Bleiben wir wachsam!»
Ira May,
Sängerin, Liestal
«Was ich mir vom kommenden Jahr wünsche: Da könnte man grosse Dinge im Aussen nennen, aber wie wir ja wissen, passiert die Veränderung zuerst bei einem selbst. Darum wünsche ich mir in erster Linie, dass ich wie auch in diesem Jahr weiterhin meinen Weg, beruflich wie auch privat, so intuitiv wie möglich gehen kann. Ich habe nach vielen Jahren das Glück, dass mich all meine Jobs und Projekte auf verschiedenen Ebenen bereichern. Das bringt manchmal ein etwas chaotisches Leben mit sich, aber ich würde es nicht anders wollen. Ich fühle mich seit diesem Jahr wieder pudelwohl auf der Bühne und freue mich auf alles, was da noch kommt. Wenn ich mir aber etwas wünschen könnte, dann, dass es all meinen Liebsten gut geht und dass die Tage manchmal ein paar Stunden länger wären, damit ich mehr Zeit hätte, neue Songs zu schreiben.»
Marc Brodbeck,
Präsident Bauernverband beider Basel, Buus
«Für das Jahr 2026 wünsche ich allen Leserinnen und Lesern in erster Linie Gesundheit. Die Grundlage für eine stets gewährleistete Inlandversorgung mit Nahrungsmitteln ist in der Bundesverfassung, Artikel 104, geregelt. Auch die oft infrage gestellten Direktzahlungen sind ein Element des Artikels 104. Sie ergänzen basierend auf den Grundlagen der aktuellen Agrarpolitik das Einkommen der Schweizer Landwirtschaftsbetriebe. Der aktuelle Selbstversorgungsgrad der Schweiz beträgt netto circa 42 Prozent. Da die Landwirtschaft nun mal draussen stattfindet, führt das sehr oft zu Meinungsverschiedenheiten und Unverständnis. Ich wünsche mir im Jahr 2026 mehr Verständnis für die Landwirtschaft, auch wenn wir Lärm machen, mit grossen Erntemaschinen manövrieren oder es nach Hofdünger riecht.»
Kitty Schaertlin,
Kunstschaffende und Projektorganisatorin, Sissach
«Zum Jahreswechsel denke ich über die Kraft der Begegnung nach und darüber, wie sie uns im vergangenen Jahr getragen und inspiriert hat. Als Kulturschaffende und Projektorganisatorin habe ich das beim Open-Air-Konzert vom Juni in Sissach immer wieder erlebt. Kultur öffnet Räume für Austausch, Nachdenken, Gemeinschaft. Ich wünsche mir für das neue Jahr, dass wir diese Räume weiter pflegen und mutig neue schaffen. In unsicheren Zeiten wie heute können innovative Kulturevents Orientierung geben und Hoffnung stiften.
Mein Wunsch ist, dass wir uns 2026 mit Offenheit, gegenseitiger Unterstützung und Neugier begegnen – und dabei nie vergessen, dass Kultur kein Luxus, sondern der Herzschlag unserer Gesellschaft ist.»
Nadine Jermann,
Gemeindepräsidentin Buus, Landrätin FDP und Präsidentin VBLG
«Liebe Leserinnen und Leser, als Gemeindepräsidentin erlebe ich täglich, wie wichtig Freiwilligenarbeit und Vereine für lebendige Dörfer sind. Das zeigte sich auch am Workshop der Gemeinden Buus und Maisprach, bei dem unsere Vereine offen über Herausforderungen wie Mitgliederschwund, Nachwuchsfragen und die Besetzung von Vorständen diskutierten. Berufliche und familiäre Verpflichtungen sowie fehlende Anerkennung erschweren das Engagement zunehmend. Umso wichtiger ist es mir, den Wert der Freiwilligenarbeit sichtbar zu machen, unsere Vereine zu stärken und zum Mitmachen zu ermutigen. Für das neue Jahr wünsche ich mir viele engagierte Menschen, die Verantwortung übernehmen, ihre Ideen einbringen und so den Zusammenhalt und lebendige Dorfgemeinschaften stärken. Auf einen engagierten Start ins 2026!»
Christoph Böbner,
Leiter Ebenrain-Zentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung
«2026 feiern wir das 250-jährige Bestehen des Schlosses Ebenrain. Das ehemalige Jagdschloss ist durch das inzwischen erfolgte Ansiedeln des Ebenrain-Zentrums für Landwirtschaft, Natur und Ernährung und des Amts für Wald und Wild beider Basel am selben Standort zur Begegnungsstätte zwischen Stadt- und Landbevölkerung geworden. Der Kanton Basel-Landschaft verfügt über eine einzigartige Kulturlandschaft, eine vielfältige Landwirtschaft sowie wertvollen Wald und Naturwerte. Die steigende Nutzung dieser sensiblen Flächen erfordert Kenntnisse über den schonenden Umgang durch die vielen Nutzenden. Als Ebenrain-Zentrum werden wir zusammen mit dem Amt für Wald und Wild auch 2026 bestrebt sein, der Bevölkerung diese Vielfalt näherzubringen und damit einen Beitrag zum Schutz und Erhalt dieser Werte zu leisten.»
Dominik Muheim,
Kabarettist, Basel
«Was mich mit Hoffnung erfüllt, ist, wenn Menschen Schönes erschaffen – sei es ein Roman, eine Geburtstagskarte oder ein Kompliment. Dinge, die mit Leidenschaft und Liebe gemacht sind, bringen Licht in diesen Zeiten. Dank meines Berufs darf ich durchs Land reisen. Ich spiele in Städten, Dörfern, auf Hügeln und in Tälern. Überall begegne ich herzlichen Menschen. Ich wünsche mir, dass im kommenden Jahr kein einziges Kleintheater und kein Kulturverein verschwindet, sondern dass neue entstehen – wie in Reigoldswil, wo ab 2026 kulturelle Veranstaltungen im Museum ‹Zum Feld› stattfinden werden. Ausserdem hoffe ich, dass die gefährliche Halbierungsinitiative klar abgelehnt wird. Eine starke SRG ist unbeschreiblich wichtig für unsere Kulturszene, für unsere Demokratie und für unseren Zusammenhalt.
Kevin Schläpfer,
Sportchef bei EHC Basel, Sissach
«Im neuen Jahr steht sportlich viel an: die Winter-Olympiade, die Eishockey-WM im eigenen Land und die Fussball-WM im Sommer. Besonders die Eishockeyspiele an der Olympiade werden ein Highlight, da die NHL pausiert und erstmals wieder alle Topspieler dabei sind. Insgesamt wird es ein grosses Sportjahr, und ich traue der Schweiz sehr viel zu. Auch beim EHC Basel hoffe ich auf einen Aufwärtstrend. Nach einem schwierigen Saisonstart sind wir nun besser unterwegs, und eine Finalteilnahme wäre fantastisch. Am wichtigsten bleibt für mich aber die Gesundheit. Und wenn man Menschen um sich hat, bei denen man sich geborgen und geliebt fühlt, ist das das Schönste – das wünsche ich mir jedes Jahr.»
Sandra Sollberger,
SVP-Nationalrätin, Liestal
«Wir leben in einem wunderbaren Land, dessen Eigenständigkeit es unbedingt zu bewahren gilt. Gastfreundlich gegenüber denen, die unsere Werte achten und aktiv an der Zukunft der Schweiz mitarbeiten. Mein Wunsch ist, dass wir umsichtig handeln – Zuzug fair und kontrolliert regeln, Gemeinden nicht überlasten und Raum für Familien und Kinder bewahren. Eigenverantwortung, unternehmerische Freiheit, Respekt und Handschlagqualität sollen gelebt werden. Ich wünsche mir eine Politik, die anpackt, ehrlich bleibt und Zuversicht sowie Sicherheit für alle fördert. Ihnen e guets Neus – und hoffentli gönd Ihri Wünsch in Erfüllig. E farbige Gruess!»
Charlotte Gaugler,
Gemeindepräsidentin Lampenberg
«Das Jahr 2026 beschert Lampenberg, der 600-Seelen-Gemeinde im Waldenburgertal, einen Grund zum Feiern: ein Dorffest zu unserem Geburtstag vor stolzen 800 Jahren. Lampenberg, einst eine alemannische Spätsiedlung (6./7. Jh.), blickt auf eine lange Geschichte zurück – von römischen Spuren über die erste urkundliche Erwähnung 1226 (als Lampenberc) bis heute. Ich erhoffe mir für unsere Bevölkerung und unsere zahlreichen Gäste, dass wir am 5./6. September 2026 ein wundervolles Dorffest bei schönstem ‹Altweibersommerwetter› erleben dürfen. Dem motivierten OK wünsche ich für die Vorbereitungen dieser ‹Geburtstagsparty› viel Spass und bedanke mich für das grosse Engagement, ein vielseitiges Fest auf die Beine zu stellen. Wir heissen Sie am 5./6. September 2026 in Lampenberg herzlich willkommen!»
Anton Lauber,
Regierungspräsident, Allschwil
«Ich freue mich immer wieder auf ein neues Jahr! Spannend, was da kommen mag. Es passt zum Lauf der Dinge. Das eine geht, das andere kommt. Und natürlich hoffe auch ich, dass alles besser wird. Nur, was ist ‹besser›? Die Antwort ist nicht selten eine Frage der Perspektive, ganz besonders in der Politik, aber nicht nur. Kommt dazu: Die Antwort ist nicht selten komplizierter, als wir das gerne hätten. Aber sie lässt sich finden, nämlich im Gespräch, im persönlichen Austausch, in der politischen Debatte. Und diese braucht Zeit. Sogenannte ‹Posts› in den Sozialen Medien genügen jedenfalls nicht. Nehmen wir uns also mehr Zeit, einander zuzuhören, und das möglichst direkt und offen, ohne vorgefasste Meinung. Unsere Demokratie basiert auf dem persönlichen Austausch. Pflegen wir ihn.»














