«Logistik fällt erst auf, wenn sie fehlt»
03.07.2026 PersönlichWie kommt der Kaffee auf den Frühstückstisch oder der Treibstoff an die Tankstelle? Simon Oberbeck kann diese Fragen als Geschäftsführer des Schifffahrtsund Hafenverbands Schweiz beantworten. Neu gibt es eine Ausstellung im Verkehrshaus.
Melanie ...
Wie kommt der Kaffee auf den Frühstückstisch oder der Treibstoff an die Tankstelle? Simon Oberbeck kann diese Fragen als Geschäftsführer des Schifffahrtsund Hafenverbands Schweiz beantworten. Neu gibt es eine Ausstellung im Verkehrshaus.
Melanie Frei
Herr Oberbeck, im Verkehrshaus in Luzern ist die Ausstellung «Rheinhäfen – unser Tor zur Welt» eröffnet worden. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher?
Simon Oberbeck: Die bisherige Ausstellung zur Binnenschifffahrt stammte noch aus der Gründerzeit des Verkehrshauses und war nicht mehr zeitgemäss. Gemeinsam mit dem Verkehrshaus, den Schweizerischen Rheinhäfen und der Hafenwirtschaft haben wir deshalb eine neue, moderne und interaktive Ausstellung entwickelt. Uns war es wichtig, die Hafenwelt erlebbar zu machen. Besucherinnen und Besucher können beispielsweise einen Schiffssimulator ausprobieren, eine Schleusenfahrt erleben oder eine begehbare Kabine eines Flusskreuzfahrtschiffs besichtigen. Es gibt für Gross und Klein viel zu entdecken.
Im Mittelpunkt stehen nicht nur Schiffe und Container, sondern auch die Menschen dahinter. Weshalb?
Hinter jeder Lieferung stehen Menschen. Die Ausstellung gibt Einblicke in Berufe auf dem Wasser und an Land – von nautischen Fachleuten über Kapitäninnen und Kapitäne bis hin zu den Mitarbeitenden in den Häfen. Gleichzeitig möchten wir junge Menschen für diese Berufe begeistern. Es geht nicht nur um Technik, sondern auch um die Menschen, die täglich dafür sorgen, dass unsere Versorgung funktioniert.
Viele verbinden die Schweizer Rheinhäfen automatisch mit Basel. Dabei liegen mit Birsfelden und dem Auhafen Muttenz zwei der drei Standorte im Baselbiet. Welche Bedeutung haben sie für unsere Region?
Mit Birsfelden und dem Auhafen Muttenz ist das Baselbiet Teil des wichtigsten Logistikstandorts der Schweiz. Mehr als 10 Prozent aller Importe gelangen über die Rheinhäfen ins Land. Rund ein Drittel der Mineralölprodukte und etwa jeder vierte Container kommen über Basel in die Schweiz. Jährlich werden hier 5 bis 6 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Solange alles funktioniert, nimmt man diese Infrastruktur kaum wahr. Gerade weil diese Logistik meist reibungslos funktioniert, wird sie im Alltag fast nicht wahrgenommen.
Wann merkt man, wie wichtig die Rheinhäfen sind?
Das merkt man vor allem dann, wenn andere Verkehrswege an ihre Grenzen stossen. Die Rheinhäfen leisten einen wichtigen Beitrag zur Landesversorgung. Auf einem Rheinschiff können grosse Mengen befördert werden – mehrere Tausend Tonnen oder mehrere Hundert Container. Ein Schiffstransport ersetzt damit sehr viele Lastwagenfahrten. Gleichzeitig ist der Rhein ein international gesicherter Verkehrsweg. Gerade in Krisenzeiten oder bei Engpässen auf Strasse und Schiene zeigt sich, wie wertvoll diese zusätzliche Transportmöglichkeit ist.
Anhand eines Kaffees zeigt die Ausstellung den Weg eines Produkts bis auf unseren Küchentisch. Weshalb war es Ihnen wichtig, Logistik so greifbar zu machen?
Viele wissen gar nicht, welchen Weg ein Produkt zurücklegt, bevor es bei uns ankommt. Ein Container kann beispielsweise von Shanghai nach Rotterdam gelangen, wird dort auf ein Binnenschiff umgeladen und fährt über den Rhein bis nach Basel. Von hier aus geht es mit der Bahn oder dem Lastwagen weiter in die ganze Schweiz. Anhand eines Alltagsprodukts wie Kaffee wird dieser Weg plötzlich verständlich und greifbar.
2018 führte der Rhein zeitweise extrem wenig Wasser. Was bedeutet das für die Schifffahrt?
Die Schiffe können grundsätzlich trotzdem fahren. Sie können einfach weniger Ladung transportieren, weil der Tiefgang geringer ist. Dadurch steigen die Transportkosten. Die Schifffahrt hat sich aber schon immer an wechselnde Bedingungen angepasst. Es werden beispielsweise leichtere Schiffe gebaut, die Planung wird laufend angepasst und auch die Fahrrinne wird unterhalten. Die Schifffahrt ist deshalb nach wie vor ein verlässlicher Bestandteil der Landesversorgung.
Was möchten Sie den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung mit auf den Weg geben?
Ich hoffe, dass sie erkennen, welche Bedeutung die Rheinhäfen für unseren Alltag haben. Die Ausstellung zeigt anschaulich, wie unsere Landesversorgung funktioniert und wie viele Menschen daran beteiligt sind. Ich würde mich freuen, wenn viele – auch aus dem Baselbiet – den Weg nach Luzern finden und danach den Hafen in Birsfelden oder Muttenz mit anderen Augen sehen.
Zur Person
mef. Simon Oberbeck (42) lebt in Birsfelden und ist Geschäftsführer des Schifffahrts- und Hafenverbands Schweiz (SVS). Zuvor war er bei den Schweizerischen Rheinhäfen für Kommunikation und Verkehrspolitik verantwortlich. Der «Mitte»-Politiker sitzt seit 2015 im Baselbieter Landrat, gehört dem Gemeinderat von Birsfelden an und präsidiert seit 2025 die Kantonalpartei «Mitte» Baselland.
Ausstellung «Rheinhäfen – unser Tor zur Welt» im Verkehrshaus
mef. Die neue Dauerausstellung im Verkehrshaus in Luzern zeigt die Bedeutung der Schweizer Rheinhäfen für Alltag, Wirtschaft und Landesversorgung auf. Auf sechs Themeninseln erfahren Besucher, wie Waren über den Rhein in die Schweiz gelangen, wie sie in den Häfen umgeschlagen und per Bahn oder Lastwagen weiterverteilt werden. Zu den Höhepunkten gehören ein Schiffssimulator mit Schleusenfahrt, ein modernes Steuerhaus, eine begehbare Passagierkabine eines Flusskreuzfahrtschiffs, historische Schiffsmodelle, interaktive Stationen sowie Videoporträts von Menschen aus der Hafen- und Schifffahrtsbranche. Anhand alltäglicher Produkte – etwa einer Tasse Kaffee – macht die Ausstellung den Weg einer Ware von den Weltmeeren bis in die Schweiz nachvollziehbar.
www.verkehrshaus.ch/de/landingpages/neue-ausstellung-rheinhaefen-unser-tor-zur-welt

