Das Startgebot für den «Talweg» liegt bei 650 Franken
Die Stimmberechtigten von Oberdorf haben dem Verkauf der gemeindeeigenen Parzelle 1400 am Talweg zugestimmt. Mit dem Landverkauf dürften mehr als 1 Million Franken in die finanziell angeschlagene Gemeindekasse fliessen.
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Das Startgebot für den «Talweg» liegt bei 650 Franken
Die Stimmberechtigten von Oberdorf haben dem Verkauf der gemeindeeigenen Parzelle 1400 am Talweg zugestimmt. Mit dem Landverkauf dürften mehr als 1 Million Franken in die finanziell angeschlagene Gemeindekasse fliessen.
Willi Wenger
Am Ende der langen Oberdörfer Gemeindeversammlung fällten die wenigen anwesenden Stimmberechtigten einen wichtigen Entscheid zugunsten der finanziell stark belasteten Gemeindekasse. Auf Antrag des Gemeinderats beschlossen sie im dritten Anlauf, dass die Gemeinde die 1543 Quadratmeter grosse ehemalige Kindergartenparzelle am Talweg verkaufen darf.
Das Resultat von 19 Ja- zu 11 Nein-Stimmen bei 3 Enthaltungen war deutlich. Gleichzeitig zeigte es aber auch den bescheidenen Aufmarsch an dieser «Gmäini» und damit das geringe Interesse vieler Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am politischen Mitwirkungsprozess.
Gemeindepräsident Piero Grumelli und Finanzchef Michael Wild zeigten sich zufrieden, dass der Verkauf nun zustande kommt. «Mit der erwarteten Verkaufssumme können Schulden bedient oder der Gemeindebetrieb finanziert werden», sagte Grumelli. Wild hatte zuvor bei seinen Ausführungen zur Rechnung des vergangenen Jahres Klartext gesprochen: Oberdorf könne den laufenden Betrieb nur über Geldaufnahmen finanzieren. «Nur so sind wir liquid.»
Mit dem bevorstehenden Verkaufserlös könne der weitere Schuldenanstieg vorerst verzögert werden, hält der Gemeinderat fest.
Die Rechnung 2025 schloss mit einem Ertragsüberschuss von 2,2 Millionen Franken ab und wurde ohne grössere Diskussion einstimmig genehmigt. Der Souverän nahm zur Kenntnis, dass dieses Ergebnis vor allem auf die Neubewertung von zwei Parzellen im Finanzvermögen zurückzuführen ist. Diese Neubewertung machte 2,3 Millionen Franken aus. Den Stimmberechtigten war damit klar, dass der ausgewiesene Überschuss zwar erfreulich ist, das Geld aber nur auf dem Papier vorhanden ist. Es handelt sich um einen reinen Buchgewinn.
Lange Debatte zum Wasserwerk
Der Prüfungsbericht der Rechnungsund Geschäftsprüfungskommission (RGPK) zum Projektierungskredit für das Wasserwerk z’Hof über 150 000 Franken wurde nach einer eineinhalbstündigen (!) Debatte zur Kenntnis genommen – allerdings nur mit spürbarem Widerwillen.
RGPK-Präsident Patrick Buser wies in seiner ausführlichen Wortmeldung auf berechtigte Kritikpunkte bei der Mittelverwendung und der Kommunikation hin. Gleichzeitig hielt er unmissverständlich fest, dass der Gemeinderat und die beteiligten Organe keine strafrechtlichen Handlungen begangen hätten. Diese Einschätzung wurde aus dem Plenum bestritten. Einwohner Thomas Aerni widersprach Patrick Buser vehement und beantragte Rückweisung beziehungsweise Nichteintreten. Damit hatte er jedoch keinen Erfolg.
Die Diskussion zeigte, dass sich Oberdorf zumindest teilweise neu aufstellen muss. So wurde die Projektgruppe für die Realisierung des Wasserwerks z’Hof neu organisiert. Der Gemeinderat nahm zudem den «Schuss vor den Bug» durch die RGPK und den Souverän ernst und versprach Besserung. Grumelli entschuldigte sich im Namen des Gemeinderats für das ungenügende Controlling im Zusammenhang mit dem Nachtragskredit. Die Exekutive will künftige Kreditanträge und Sondervorlagen klarer und unmissverständlicher formulieren.
Im neu erlassenen Verwaltungsund Organisationsreglement wurde festgehalten, dass Einladungen zur Gemeindeversammlung künftig nur noch durch Publikation im amtlichen Publikationsorgan, der «ObZ», erfolgen. Einem Kredit von 75 000 Franken für die Ableitung von Oberflächenwasser am Talweg stimmte die Versammlung ebenfalls zu. Die nächste Gemeindeversammlung findet am 25. August statt.