Abstrus
Zum Artikel «Putins Präsenz im Landrat» in der «Volksstimme» vom 22. Januar, Seite 3
Ich fühlte mich in die Zeit meiner Militärdienstpflicht zurückversetzt, als ich den Bericht über die Motion des ...
Abstrus
Zum Artikel «Putins Präsenz im Landrat» in der «Volksstimme» vom 22. Januar, Seite 3
Ich fühlte mich in die Zeit meiner Militärdienstpflicht zurückversetzt, als ich den Bericht über die Motion des SVP-Landrats Spiegel gelesen habe, in eine Zeit des Kalten Krieges. Bei Truppenübungen war schon damals klar, woher die Bedrohung kam. Wie sollen wir heute als Gesellschaft die nun wieder vermehrt kursierenden, alarmistischen Stimmen beurteilen und wie darauf reagieren, ist die Frage.
In vorausschauendem Scharfsinn übernimmt Offizier Spiegel das Narra- tiv der Geheimdienste und warnt im Landrat zeitgenau vor einem möglichen Angriff Putins auf den Westen ab 2028. Vom Regierungsrat verlangt er eine Strategie dagegen. Wenn ich in der Verantwortung eines Regierungsrats stünde, würde ich sein Heulen mit den Wölfen unaufgeregt entgegennehmen, mich für friedensfördernde Strategien entscheiden und die Motion zur Abschreibung empfehlen.
Der SVP-Politiker multipliziert mit seinem Vorstoss die Ängste und generiert damit Sicherheitsbedürfnisse, die zumindest auf das Verordnen von Kontrollen der Schutzräume mit Nachrüstungsaufträgen hinauslaufen. Da kommt mir Heraklit in den Sinn: «Der Krieg ist der Vater aller Dinge, aller Dinge König; die einen macht er zu Göttern, die andern zu Menschen, die einen zu Sklaven, die andern zu Freien.»
Florian Spiegel sieht sich als überzeugter Europäer, der EU aber nicht zugeneigt, scheint als Einziger nicht zu schlafen und redet davon, dass die Schweiz selbst eine Supermacht im besten Sinne sein sollte. Abstrus.
Heinz Schweingruber, Kilchberg