Krach
22.01.2026 PersönlichMir hän Krach dehei. Und das scho sit Wuchen und Däg. Mir verschtöhn is kuum me, myni Frau und ich. Mir schreien is duurend aa. S isch nit zem Ushalte. Son e Krach goht eim richtig uff e Geischt. Är belaschtet unser Zämmeläbe. Vom Morge früeh bis Zoobe spoot ...
Mir hän Krach dehei. Und das scho sit Wuchen und Däg. Mir verschtöhn is kuum me, myni Frau und ich. Mir schreien is duurend aa. S isch nit zem Ushalte. Son e Krach goht eim richtig uff e Geischt. Är belaschtet unser Zämmeläbe. Vom Morge früeh bis Zoobe spoot hämmer fasch ununterbroche Krach.
Jä, mii wunderets nit. Ich han en scho lang gseh ko, dä Krach. Sit unseri zwei Nochberen us der grosse Dachwohnig diräggt über uns uszooge sin, han i förmlig druff gwartet. Logisch! Die hän über 40 Johr in däre Wohnig gwohnt. Do ligts uff der Hand, ass me si derno mues vo Grund uff totalrenoviere – also d Wohnig. Und dorum sin momentan bi uns im Huus d Handwärgger am Wärgge.
Nüt gäge Handwärgger! Die machen e Super-Job. Unüberhörbar. Motto: Us alt mach neu. Drum haue jetz die Krachbrüeder munter druff los und hämmeren und säägen und schlyffen um d Wett. Oder denn bohre si tagelang Löcher in irgend e Betonwand. Klar macht das Krach. Aber derfür gseht am Schluss die Dachwohnig wiider us wie früsch gebore.
Also, wie gsäit: nüt gäge d Handwärgger am Bau! Das sin in mynen Auge sowiso die wohre Verschönerigs-Künschtler aggtuell. Do könnt sich e mänge Beauty-Chirurg e diggi Schyyben abschnyyde dervoo. Hejo! Schnätzle ghört zu ihre Kärnkompetänze.
Aber ebbe. Bis es so wyt isch, hämmer Krach in der Wohnig. Unseri Rüüm bilde der ideal Resonanzkörper für dä Bau-Radau. Heavy Metal! «Rolling Stones»! Früehner hets amme bi de Gitarre-Verstärgger son e «Volume»-Reedli gha. Das hämmer denn amme «voll umme»-dreiht im Probe-Käller. Z Oobe noch de zähne hämmer das Reedli au artig wiider aabedreiht. Uff Zimmerlutsterggi. Aber ebbe, so Reedli gits bi de Baumaschinen offesichtlig nit.
Zue allem aane sorgt die neu Grossbaustell grad änen an der Hauptschtrooss für e wyteri akustischi Krachofonie. Dört kreischt und knirscht und stöhnt und jault en Orchester us Bagger, Zemäntmixer und Pressluftbohrer disharmonisch im Akkord. Metallhämmer ramme zytglyych mit rhythmische Schleeg stundelang yysigi Spundwänd tief in d Baugrueben yyne.
Und denn verlege si no zuesätzlig wäg däre Baustell rund um unseri Hüüser neui Rohr und Kabel – unterirdisch, verstoht sich. Bedütet: Ganzi Schtroossezüüg wärde lutstargg uffgrisse und derno wiider zueteert.
Wobyy – hüt em Morgen isch es usnahmswys unerhört still über uns. Usser e paar Schritt ghöre mer nüt. Derfür verstöhn mir uns plötzlig wiider, myni Frau und ich, sogar ohni gägesytigi Aaschreiereie. Mir sin denn uffe go luege. E Moler mit graue Hoor unterem Tschäppi wyssglet wyssi Wänd. «Mi scusi, ma mini Sohn ischa krangg.» Und ob er is gschtört heig mit sim Getrampel, frogt er, und ob er bitzeli Musig könnti laufe loo uf sym alte CD-Player. Kei Problem! So lut är wöll.
Super! Jetz hämmer über uns der ganz Dag Heavy Metal und «Rolling Stones» – eifach ohni Krach.
Aernschd Born wohnt in Reinach. Er ist Songpoet, Autor und Kulturschaffender.

