Matthias Liechti und Philipp Schoch trafen ein letztes Mal direkt aufeinander
Freundlich im Ton, unterschiedlich in der Sache: Beim letzten Direktduell vor der Regierungsratswahl vom 14. Juni zeigten Matthias Liechti (SVP) und Philipp Schoch (Grüne) auf dem ...
Matthias Liechti und Philipp Schoch trafen ein letztes Mal direkt aufeinander
Freundlich im Ton, unterschiedlich in der Sache: Beim letzten Direktduell vor der Regierungsratswahl vom 14. Juni zeigten Matthias Liechti (SVP) und Philipp Schoch (Grüne) auf dem «Volksstimme»- Podium ihre Gegensätze.
je./tho. «Wir sollten dort optimieren, wo es niemandem wehtut», sagte SVP-Kandidat Matthias Liechti. Sein grüner Kontrahent Philipp Schoch stimmte zu – auch er sprach von Verbesserungen im Baselbiet, die schmerzlos zu erreichen seien. Und tatsächlich: Wehgetan haben sich die beiden Regierungsratskandidaten auch gegenseitig nicht. Auf dem «Volksstimme»- Podium vom Mittwoch in der Oberen Fabrik in Sissach verzichteten sie weitgehend auf emotionale Schlagabtausche.
Inhaltlich forderten sich die beiden aber durchaus heraus. Vor rund 60 Gästen befragte «Volksstimme»- Redaktor Pascal Kamber die Kandidaten unter anderem zu Verkehr und Zuwanderung.
Beim Verkehr waren sich Schoch und Liechti immerhin darin einig, dass grosse Projekte möglichst rasch angepackt werden sollten. Uneinig waren sie allerdings bei der Frage, welche. Während Schoch auf eine Verlagerung auf Zug, Bus und Tram setzte, sprach sich Liechti für zusätzliche Investitionen in die Strassen aus.
Mehr Schiene oder mehr Strasse?
Schoch skizzierte ein Programm zur Entlastung der Strassen: bessere Verbindungen zwischen den Tälern, eine engere Verknüpfung der Verkehrsmittel sowie günstigere Angebote für Jugendliche. «Immer über Basel zu fahren, ist ein grosses Problem», sagte der KSBL-Notfalleiter. Helfen könnten etwa Kombitickets oder ein günstigeres U-Abo. «Banker» und Biobauer Liechti hielt dagegen, die Bevölkerung kenne die bestehenden Angebote bereits gut genug. Eine grosse Verlagerung auf den öffentlichen Verkehr hielt der Oberbaselbieter für wenig realistisch: «Wir müssen die Gesellschaft nicht umerziehen.» Wegen des starken Transitverkehrs brauche es leistungsfähigere Strassen.
Auch bei der Zuwanderung zeigten sich Differenzen. Liechti versuchte die 10-Millionen-Schweiz-Initiative der SVP als moderaten Ansatz darzustellen. Ziel sei es, das «explodierende Bevölkerungswachstum» zu bremsen und Zeit für den Ausbau der Infrastruktur zu gewinnen. Schoch warnte hingegen vor den wirtschaftlichen Folgen eines Ja zur Initiative. «Wir können nicht alles selber», sagte er mit Verweis auf den Fachkräftemangel. Später ging es um das inländische Arbeitskräftepotenzial – von IV-Bezügern bis zu Geflüchteten aus der Ukraine. Schoch nutzte die Gelegenheit für ein engagiertes Plädoyer zur Umsetzung der Pflegeinitiative.
Bei der Frage nach der Vertretung des Oberbaselbiets im Regierungsrat spielte Liechti schliesslich seinen Heimvorteil aus. Der in Sissach aufgewachsene Rümlinger betonte die besonderen Herausforderungen kleiner Gemeinden, die «nicht nur auf dem Papier» gelöst werden könnten. Schoch wies die Kritik an der starken Unterbaselbieter Vertretung im Regierungsrat zurück. Der Prattler verwies stattdessen auf die angespannte finanzielle Situation vieler Gemeinden im ganzen Kanton.
Es war das letzte direkte Aufeinandertreffen der beiden Kandidaten vor dem Wahlsonntag. Viele Gäste verliessen die Veranstaltung mit dem Eindruck eines offenen Rennens. Oder wie es eine Zuschauerin sagte: «Baselland bekommt einen guten neuen Regierungsrat – so oder so.»