Junge Forschung im Rampenlicht
17.02.2026 Bezirk LiestalDas Gymnasium Liestal zeigte die besten Maturprojekte seiner Schülerinnen und Schüler
Forschung statt Frontalunterricht: An der «Nacht der Forschung» rückte das Gymnasium Liestal die besten Maturprojekte ins Rampenlicht – und machte sichtbar, wie viel ...
Das Gymnasium Liestal zeigte die besten Maturprojekte seiner Schülerinnen und Schüler
Forschung statt Frontalunterricht: An der «Nacht der Forschung» rückte das Gymnasium Liestal die besten Maturprojekte ins Rampenlicht – und machte sichtbar, wie viel Kreativität, Ausdauer und Innovationsgeist in den Abschlussarbeiten steckt.
Aline Grieder
Am vergangenen Donnerstagabend verwandelte sich die Aula des Gymnasiums Liestal in eine Forschungsmesse. Stellwände, Plakate und Projekte säumten den Raum, dazwischen Gruppen aus Eltern, Lehrpersonen und Jugendlichen, die diskutierten. Zur sechsten Ausgabe der «Nacht der Forschung» präsentierten Maturandinnen und Maturanden ihre besten Abschlussarbeiten. Von naturwissenschaftlichen Experimenten bis hin zu kreativen Projekten war alles dabei. Was sonst oft nach der Präsentation in einer Schublade verschwindet, erhielt hier eine Bühne.
Die Idee für den Anlass stammt von Schulleiter Andreas Langlotz. Er wollte den Schülerinnen und Schülern ein Schaufenster bieten, in dem sie ihre Forschungsleistungen öffentlich zeigen können. «Es ist schade, wenn Schülerinnen und Schüler zu bescheiden sind, ihre besonderen Leistungen zu präsentieren», sagt er. Dabei habe Stolz auf die eigene Arbeit nichts mit Arroganz zu tun. Hervorragende Forschung verdiene Sichtbarkeit.
Der Abend war in drei Teile gegliedert. Den Auftakt machte Arielle Hoffmann mit einem Vortrag über das trendige Getränk «El Tony Mate». Die Referentin untersuchte dessen hohen Konsum am Gymnasium und beleuchtete wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Aspekte. Mit Diagrammen und Umfragewerten zeigte sie, wie sich Trends im Alltag von Jugendlichen widerspiegeln. Für sie bot der Anlass eine ideale Gelegenheit, das Präsentieren vor grösserem Publikum zu üben und ihre Erkenntnisse mit der Öffentlichkeit zu teilen.
Inspiration für andere
Nach dem Vortrag konnten Besucherinnen und Besucher frei durch die Ausstellung schlendern. Die Vielfalt war gross: Von künstlerischen Projekten bis zu komplexen naturwissenschaftlichen Untersuchungen war alles vertreten. So etwa die experimentelle «Herstellung eines vermeintlichen Van-Gogh-Gemäldes» oder das Projekt «The Intersection of Mathematics and the Art of Crochet», bei dem Alisha Howell einen Pullover häkelte, dessen Farben und Muster mithilfe mathematischer Modelle berechnet wurden. Kunst und Mathematik gingen hier eine überraschend harmonische Verbindung ein.
Ebenfalls viel Aufmerksamkeit erhielt eine selbst gebaute Wetterstation von Alessandro Frei. Sie wird ausschliesslich mit Solarenergie betrieben und misst kontinuierlich Daten wie Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit, Windrichtung und UV-Index. Die Messwerte werden automatisch auf einer eigens programmierten Website angezeigt.
Wie spannend interdisziplinäre Ansätze sein können, zeigte auch Lukas Müller mit seiner Abschlussarbeit. Der Informatikbegeisterte programmierte ein aufwendiges Multiplayer-Computerspiel und verband dieses mit seiner zweiten Leidenschaft, der Musik. Die Hintergrundmusik komponierte und produzierte er selbst. So entstand ein digitales Projekt, das Technik und Kreativität gleichermassen vereint.
Auch jene Schülerinnen und Schüler, die am Abend nicht persönlich anwesend sein konnten, waren präsent: Sie hatten im Vorfeld detaillierte Plakate gestaltet, die ihre Projekte erklärten. Die Organisatoren der Veranstaltung, Nicole Widmer und Jann Frey, wurden von Lehrpersonen, Betreuungspersonen sowie engagierten Helferinnen und Helfern unterstützt.
Die «Nacht der Forschung» findet jeweils am Ende der Maturarbeitsphase statt, nach den Präsentationen im Januar. Häufig stammen die ausgestellten Projekte aus naturwissenschaftlichen oder produktorientierten Bereichen. Betreuende Lehrpersonen schlagen besonders gelungene Arbeiten für die Ausstellung vor. Gleichzeitig soll der Anlass jüngere Jahrgänge inspirieren. Für Drittklässlerinnen und Drittklässler, die bald ihr eigenes Thema wählen müssen, bietet der Abend konkrete Ideen und zeigt, wie vielfältig eine Maturarbeit gestaltet sein kann.
Darüber hinaus dient die Veranstaltung als Plattform, um weitere Förderangebote bekannt zu machen. Etwa Wissenschaftsolympiaden, Schülerstudienprogramme oder Initiativen wie «Schweizer Jugend forscht». Viele Talente hätten bereits Bühnen, sagt Andreas Langlotz: Konzerte für Musikbegeisterte oder Meisterschaften für Sportliche. Für forschungsinteressierte Jugendliche fehle jedoch oft ein vergleichbares Schaufenster.
Genau dieses Schaufenster will die «Nacht der Forschung» bieten und zeigen, wie viel Kreativität, Ausdauer und Originalität in den Maturarbeiten steckt. Zwischen Stellwänden und Gesprächen wird deutlich: Hier geht es nicht nur um Noten, sondern um Neugier, Ideenreichtum und den Mut, eigene Wege zu gehen. Oder, wie es Konrektorin Nicole Widmer zusammenfasste: «Es ist spannend zu sehen, was hier alles entsteht. Man merkt, wie viel Herzblut dahintersteckt.»


