Jeder Auftritt ein Unikat
17.03.2026 Bezirk Sissach, Gesellschaft, Kultur, GelterkindenBänz Friedli trat mit sechstem Soloprogramm im Marabu auf
Das Parodieren von bekannten Politikerinnen und Politikern ist eine der grossen Stärken von Kabarettist Bänz Friedli. Am Freitag bekam das Publikum im vollbesetzten Marabu eine zweistündige Kostprobe davon.
...Bänz Friedli trat mit sechstem Soloprogramm im Marabu auf
Das Parodieren von bekannten Politikerinnen und Politikern ist eine der grossen Stärken von Kabarettist Bänz Friedli. Am Freitag bekam das Publikum im vollbesetzten Marabu eine zweistündige Kostprobe davon.
Brigitte Keller
«Sich an einem Freitag, dem 13., freuen zu können auf das wunderschön restaurierte, preisgekrönte und architektonisch fantastische Marabu, ist einfach nur schön.» Es sei mindestens der zweitschönste Ort auf seiner Tournee und mit dem besten Publikum. Wer so die Gäste begrüsst, hat den ersten Applaus auf sicher. Neben dem charmant überbrachten Kompliment an den Veranstaltungsort und die herbeigeströmten Gäste bewies Bänz Friedli gleichzeitig von Beginn weg, sich in Sachen lokale und regionale Gegebenheiten und Persönlichkeiten gut vorbereitet zu haben.
Für diesen Effort, an jedem Veranstaltungsort ein lokal angepasstes Programm zu zeigen, wurde Bänz Friedli unter anderem 2024 der «Prix Cornichon» an den Oltner Kabarett-Tagen verliehen, die höchste Ehre im Schweizer Humor. Weitere Beweise folgten am Freitagabend Schlag auf Schlag, wie beispielsweise mit der Bemerkung, dass «es in Sissach offenbar eine Ehre ist, wenn sie eine Figur von dir, sorry, abfackeln … Wer kennt sie nicht, das Zeusi, die als ‹Chluuri› verbrannt wurde!»
Bonmots für die Ewigkeit
Auch sämtliche Ergebnisse der letzten Kantonalen Abstimmungen kannte er sowie den aktuellen Stand zur bevorstehende Regierungsrats-Ersatzwahl. Und zur Politik gehören natürlich die Politiker und Politikerinnen, über die der Satiriker ebenfalls bestens im Bild war. «Klar, Isaac Reber hat seinen Ruhestand verdient, keine Frage, schon lange verdient.» Mit Leichtigkeit jonglierte er mit den Namen der kantonalen und regionalen Politikgrössen und setzte sie gekonnt in Szene.
Von da zu den ehemaligen und aktuellen Bundesräten und Parteipräsidenten war es nur noch ein Katzensprung. «Wir haben keinen Liquiditätsengpass, wir haben lediglich einen Investitionsüberhang», vorgetragen in schönstem «Walliserditsch», und schon sah man eine gewisse Bundesrätin vor sich. Das Parodieren und Persiflieren von Persönlichkeiten ist eine beeindruckende Stärke des Kabarettisten und Sprachkünstlers.
Schweizweite Bekanntheit erlangte der Mann aus Bern, der 30 Jahre lang in Zürich wohnte und seit eineinhalb Jahren Basel – «dort, wo die Chemie stimmt» – als «Hausmann der Nation». Es gab eine Zeit, da kannten zweieinhalb Millionen Fans jede Ecke seines Haushalts und alle Sorgen des bekanntesten Schweizer Hausmannes. Sie litten mit, wenn er vergeblich versuchte, Fixleintücher korrekt zusammenzulegen. Vieles, aber nicht alles, erzählte er damals in seiner Kolumne «Der Hausmann» im «Migros Magazin». «Doch was heisst da Kolumne», schrieb damals die Journalistin Margrit Sprecher in einem Artikel mit dem Titel «Der Hausfrauenflüsterer», es sei vielmehr ein Tête-à-tête, ein Flirt mit Hunderttausenden von Hausfrauen, zart spinne er die Fäden gemeinsamer Sorgen.
Zum Thema «Männlein und Weiblein» hat Bänz Friedli in seinem aktuellen Stück einige Häppchen auf Lager. «Wenn ihr den Glauben an die Menschheit nicht verlieren wollt, dann haltet nie in einer Freitagnacht in Würenlos an, beim ‹Fressbalken›, die Autoposer… he nei!» Er glaube ja grundsätzlich an die Zukunft der Welt, aber in einer Freitagnacht beim «Fressbalken», da sei sein Glaube erschüttert worden. Um dann, ein Jahr später bei einem Besuch im «Swiss Miniatur» in Melide, zwischen all den berühmten Schweizer Sehenswürdigkeiten den «Fressbalken» von Würenlos mitsamt kleinen «Poserautölis» zu entdecken.
Nicht minder lustig habe er dann vor ein paar Jahren beim Umbau in Würenlos den Spruch auf den Bautafeln gefunden, dass aus dem «Fressbalken» bald ein «Freshbalken» werden sollte. «Da hätte doch Fräsbalken besser gepasst, oder? Nein, Fräsbalkan habe ich nicht gesagt.» Kommt Bänz Friedli auf Fussball zu sprechen und auf wichtige Spiele, bei denen er dabei war oder gar ein Leibchen ergattern konnte, dann ist seine Welt wieder in Ordnung. Ein paar der Trouvaillen hatte er als Requisiten dabei und zeigte sie stolz ins Publikum. Seine Liebe zum Fussball als solches und zum ehemaligen italienischen Spieler Roberto Baggio im Besonderen scheint riesengross.
«Stäcketööri»
Noch ein bisschen grösser war seine Liebe zur wichtigsten Person in seinem Leben: seiner Grossmutter. Obwohl sie sehr oft, wenn ihr etwas missfiel, gesagt habe, «das macht e ke Gattig» und ihm ihren Lieblingsfluch «Stäcketööri» hinterherschickte. Das Leben als ungewolltes Kind habe sie hart gemacht, in ihrem Innersten sei sie jedoch herzensgut gewesen. «Mich zog wahrscheinlich beides an, ihre Strenge und ihre Gütigkeit, und sie war mir von Anfang der verwandteste Mensch.»
Das Programm «Bänz Friedli räumt auf» ist bald nachdenklich, bald zum Schreien komisch. Und immer aktuell. Im sechsten Soloprogramm fächert der Dialektvirtuose und Persifleur sein ganzes Können auf. Ganze zwei Stunden, mit einer Pause dazwischen, wechseln sich Besinnliches und Lustiges, sehr Privates und Politisches, Sport und Kultur ohne Unterbruch ab. Und ganz zum Schluss verrät er noch ein kleines Geheimnis, dass er nämlich nicht nur ins Baselbiet, sondern auch im Baselbiet verliebt sei.

