Januar – der erste Schritt ins neue Jahr
31.12.2025 BaselbietEine Schwellenzeit zwischen Rückzug und Neubeginn
Morgen hält der Januar Einzug. Er gilt als der ruhigste Monat des Jahres. Die Landschaft wirkt zurückgenommen, die Felder liegen offen da. Bald kehrt das Licht zurück – zuerst kaum merklich, dann Tag für Tag ...
Eine Schwellenzeit zwischen Rückzug und Neubeginn
Morgen hält der Januar Einzug. Er gilt als der ruhigste Monat des Jahres. Die Landschaft wirkt zurückgenommen, die Felder liegen offen da. Bald kehrt das Licht zurück – zuerst kaum merklich, dann Tag für Tag deutlicher.
Hanspeter Gautschin
Der Name des Monats verweist auf Janus, den römischen Gott der Schwelle. Er blickt zurück und nach vorne zugleich. Diese doppelte Ausrichtung prägt den Januar bis heute: Er ist Rückschau und Aufbruch in einem.
Dass das Jahr überhaupt im Januar beginnt, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern geht auf einen römischen Beschluss zurück: 153 v. Chr. wurde der Amtsantritt der Konsuln – und damit der praktische Jahresbeginn – auf den 1. Januar verlegt. Aus einem pragmatischen Schritt wurde ein kultureller Rhythmus, der bis heute wirkt.
Im Oberbaselbiet zeigt sich die Natur im Januar meist karg. Schnee verwandelt die Landschaft nur noch gelegentlich – und gerade deshalb wirkt er heute fast wie ein Ereignis.
Fällt er, verändert er alles: Geräusche werden gedämpft, Wege verlangsamen sich, vertraute Orte erscheinen für einen Moment verwandelt. Doch auch ohne Schnee herrscht jene besondere Ruhe, die diesen Monat prägt.
Unter der Oberfläche sammelt sich Kraft. In den Stämmen der Bäume, in der Erde und in den Knollen geschieht das, was man nicht sieht. Mit jedem Tag wächst das Licht um wenige Minuten. Der Januar zeigt das Werden nicht als Aufbruch, sondern als Vorbereitung.
Bärzelitag – der Nachklang
Früher hatte der Jahresbeginn im Oberbaselbiet eine ausgeprägte soziale Bedeutung. Neujahr war «eine Art Volkstag»: Selbst Menschen, die das Wirtshaus sonst das ganze Jahr hindurch mieden, trafen sich nun zum Feiern und zum gemeinsamen Trinken ihres Schoppens.
Der Neujahrsabend war – selbst im hintersten Dorf – dem Tanzen in der Wirtschaft gewidmet. Es war ein Fest der Begegnung, weniger ein privater Anlass als ein gemeinschaftliches Ereignis. Man zeigte sich, stiess an, tauschte Neuigkeiten aus und begann das Jahr gemeinsam.
Am 2. Januar folgt der Berchtoldsoder Bärzelitag, im Oberbaselbieter Dialekt häufig auch «Bärzelisdaag» genannt. Er gilt als Nachzügler des Neujahrstags.
Im Volksmund erklärte man den Namen augenzwinkernd damit, dass man nach den üppigen und anstrengenden Festtagen «bärze» müsse – also wieder zu Kräften kommen. Der Bärzelitag war weniger festlich, gehörte aber selbstverständlich zur Schwellenzeit. Der Alltag liess noch einmal auf sich warten.
Am 6. Januar findet diese Übergangsphase ihren Abschluss. Der Dreikönigstag bringt mit dem Königskuchen einen Brauch, der bis heute lebendig ist. In der Familie wird ein Kuchen angeschnitten, in dessen Innerem sich eine kleine Figur verbirgt. Wer sie findet, wird Königin oder König des Tages. Eine Krone gehört dazu, manchmal auch gutmütige «Befehle» oder kleine Wünsche, die erfüllt werden sollen.
Rituale zum Jahresanfang
Auch heute suchen viele Menschen nach Formen, den Übergang ins neue Jahr bewusst zu gestalten. Alte Rituale lassen sich dabei still und schlicht weiterführen:
– Wünsche auf Papier notieren und später verbrennen – als Abschluss des alten Jahres.
– Linsengerichte oder Fisch am 1. Januar – alte Symbole für Fülle und Glück.
– Hausräucherungen in den Raunächten mit Salbei, Wacholder oder Fichtenharz: Das vertreibt nicht nur schwere Gerüche, sondern schafft auch innerlich einen klaren Start.
Der Januar ist kein Monat der grossen Gesten. Er wirkt zurückhaltend, manchmal fast farblos. Schnee, der früher den Winter bestimmte, ist heute oft nur noch Erinnerung.
Und doch liegt in dieser Zurückhaltung eine Kraft. Zwischen Rückzug und Neubeginn entsteht eine Zeit des Sammelns und Ordnens.
Das Jahr beginnt nicht mit einem Paukenschlag. Es beginnt leise – und gerade darin liegt seine Wirkung.

