Immobilientausch mit lauter Gewinnern
13.02.2026 Bezirk Liestal10-Millionen-Tausch zwischen Stadt und Bürgergemeinde
Stadtrat und Bürgerrat von Liestal planen einen Immobilientausch: Die Stadt soll das Werkhofareal von der Bürgergemeinde an der Rosenstrasse übernehmen. Im Gegenzug geht das alte Feuerwehrmagazin an der Gassstrasse ...
10-Millionen-Tausch zwischen Stadt und Bürgergemeinde
Stadtrat und Bürgerrat von Liestal planen einen Immobilientausch: Die Stadt soll das Werkhofareal von der Bürgergemeinde an der Rosenstrasse übernehmen. Im Gegenzug geht das alte Feuerwehrmagazin an der Gassstrasse an die Bürgergemeinde. Nun beginnt der politische Prozess dafür.
Tobias Gfeller
Mit dem Umzug der Rettungswache an den Altmarkt im vergangenen November wurde das 4100 Quadratmeter grosse Areal des Feuerwehrmagazins an der Gassstrasse frei. Es stellte sich die Frage, was mit dem zentral gelegenen Areal im Eigentum der Stadt Liestal passieren soll. Die Bürgergemeinde sucht ihrerseits seit rund 20 Jahren einen neuen Standort für ihren Werkhof. Nun haben die beiden Körperschaften für einen Immobilientausch zusammengefunden. Stadtpräsident Daniel Spinnler (FDP) und Bürgergemeindepräsident Franz Thür sprachen am Donnerstagmorgen im Liestaler Rathaus vor den Medien von einer «Win-win-Situation».
Die für den Immobilientausch nötige Vorlage übergibt der Stadtrat in wenigen Tagen an den Einwohnerrat. Daniel Spinnler geht von einem Parlamentsentscheid Anfang kommenden Jahres aus. Das letzte Wort hat die Liestaler Stimmbevölkerung. Bei der Bürgergemeinde entscheidet am 18. März die Bürgergemeindeversammlung. Es ist bei der Stadt und bei der Bürgergemeinde schwer vorstellbar, dass es eine namhafte Opposition gegen den Abtausch geben wird.
Feuerwehrmagazin teurer
Beide Seiten haben die Verkehrswerte für beide Parzellen und Liegenschaften schätzen lassen. Man sei nahe beieinander gewesen, betonten Spinnler und Thür. In den Verhandlungen, die vergangene Woche abgeschlossen wurden, einigte man sich beim Feuerwehrmagazin auf einen Wert von 5,1 Millionen Franken, beim 3710 Quadratmeter grossen Werkhofareal auf 4,7 Millionen Franken. Die Differenz wird mit einer Einmalzahlung von Seiten Bürgergemeinde an die Stadt Liestal von 400 000 Franken beglichen. In den Preisen sind auch die möglichen Mieteinnahmen der Areale einberechnet worden.
Laut Spinnler gab es für das Feuerwehrmagazin auch private Interessenten. Stadt und Bürgergemeinde hätten aber schon länger in Kontakt gestanden betreffend der Zukunft des Feuerwehrmagazins. «Für uns ist heute ein Freudentag. Es ist eine sehr gute Lösung für beide Seiten», versicherte Lukas Felix (SP), als Stadtrat verantwortlich für Hochbau/Planung.
Die Stadt erhält an der Rosenstrasse direkt neben dem Schulhausprovisorium und dem Friedhof ein zusammenhängendes Areal, das viel Potenzial für eine städtebauliche Entwicklung bietet. Lukas Felix kann sich dort Wohnen und Gewerbe vorstellen. Der Werkhof der Bürgergemeinde befindet sich in der Zentrumszone 2, das alte Feuerwehrmagazin in der OeW-Zone.
Die Bürgergemeinde könnte an der Gassstrasse sämtliche Standorte an einem Ort zusammenführen. Die Aussenstellen Sichtern, Talacker und Oesli, die vorwiegend als Lager genutzt werden, könnten damit aufgelöst und vermietet werden, was auch finanziell für die Bürgergemeinde interessant wäre, betonte deren Präsident Franz Thür. Mit einem neuen Werkhof könnten auch die internen Betriebsabläufe optimiert werden.
Bürger brauchen mehr Platz
Die Bürgergemeinde sei in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Entsprechend habe auch der Platzbedarf zugenommen. Der Bürgergemeindepräsident geht davon aus, dass es für den neuen Werkhof beim alten Feuerwehrmagazin nur «moderate» bauliche Eingriffe brauchen wird.
Der Umzug des Werkhofs ins alte Feuerwehrmagazin sei auch aus sicherheitstechnischen Gründen ein Fortschritt, sagten die Verantwortlichen von Stadt und Bürgergemeinde. Die Platzverhältnisse für Fahrzeuge seien an der Rosenstrasse eng und unübersichtlich und deshalb gefährlich, erinnert Franz Thür. Dass sich neben dem Werkhof an der Rosenstrasse die von vielen Kindern und Jugendlichen genutzte Turnhalle befindet, sei nicht ideal.
Für die Stadt Liestal wäre der Immobilientausch ein «wichtiger strategischer Entscheid», um sich zentrumsnah weiterzuentwickeln, bekräftigte Stadtrat Lukas Felix. Bis das Liestaler Stimmvolk dem Tausch an der Urne zugestimmt hat, mietet sich die Bürgergemeinde bei der Stadt Liestal ein. Denn die «Züglete» des Werkhofs von der Rosenstrasse ins alte Feuerwehrmagazin beginnt bereits am kommenden 1. April.
Konkreten Widerstand sehen die Verantwortlichen von Stadt und Bürgergemeinde nicht kommen. Man könne sich fragen, warum beide Seiten ihre Werkhöfe nicht zusammenlegen würden, meinte Stadtpräsident Spinnler. Der stadteigene Werkhof funktioniere gut. Zudem hat eine Analyse ergeben, dass für eine gemeinsame Nutzung des Feuerwehrmagazins mit dem Bereich Tiefbau der Stadt Liestal die Platzverhältnisse nicht ausreichen würden.

