Im Landrat fehlen 13 Frauen
20.08.2026 Baselbiet, Gesellschaft, Baselbiet, PolitikInitiative fordert ausgeglichene Geschlechterrepräsentation im Kantonsparlament
Im Baselbieter Landrat sitzen heute 33 Frauen und 57 Männer. Die neu lancierte Initiative «13Frauen!» möchte das ändern. Sie will Parteien anregen, mehr Frauen auf ihre Listen zu setzen, und ...
Initiative fordert ausgeglichene Geschlechterrepräsentation im Kantonsparlament
Im Baselbieter Landrat sitzen heute 33 Frauen und 57 Männer. Die neu lancierte Initiative «13Frauen!» möchte das ändern. Sie will Parteien anregen, mehr Frauen auf ihre Listen zu setzen, und kandidierenden Frauen Unterstützung anbieten.
Lea Wieser
Der Frauenanteil der Baselbieter Bevölkerung liegt bei mehr als 50 Prozent, während die Sitze im Baselbieter Landrat zu 35,5 Prozent von Frauen besetzt sind. Mit einer repräsentativen Vertretung im Parlament als Ziel lancierten Andrea Sulzer, die Gemeindepräsidentin von Waldenburg (Grüne), und Tania Cucè, Präsidentin SP Baselland, die Initiative «13Frauen!». Stand heute sind 33 Sitze von Frauen besetzt und 57 von Männern. Der Frauenanteil ist somit so niedrig wie zuletzt im Jahr 2011. Die Initiative will die nächsten, im April kommenden Jahres stattfindenden Landratswahlen als Chance auf Veränderung nutzen. Der Name der Initiative bezieht sich auf Sitze, die für ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis von Frauen statt Männern besetzt werden müssten.
Die Erkenntnis, dass bei der nächsten Wahl einige von Frauen besetzte Landratssitze auf der Kippe stehen, habe ihr wieder einmal vor Augen geführt, dass diese Untervertretung von Frauen konkret angegangen werden müsse, sagt Andrea Sulzer (siehe «Nachgefragt»). Daraufhin rief sie die Initiative ins Leben.
Diese ist in zwei Phasen gegliedert: In Phase 1 von Mai bis September sollen sowohl Parteien als auch Frauen selbst ermutigt und mit den nötigen Fakten eingedeckt werden. Von Oktober 2026 bis April 2027 dauert die zweite Phase. Hierbei sollen einerseits die Parteien bei der Förderung ihrer Kandidatinnen unterstützt werden. Andererseits will die Initiative eine Anlaufstelle für kandidierende Frauen anbieten. Trainings, Vernetzungsmöglichkeiten und andere Formen von Unterstützung seien geplant. Wie die Angebote im Detail aussehen werden, sei noch offen, da die Initiantinnen sie an die Bedürfnisse der Kandidatinnen anpassen wollen.
An alle Frauen gerichtet
Es solle kein Anliegen einer bestimmten Partei sein, sondern eine Initiative, die sich an alle politisch interessierten Frauen richtet, betont Sulzer. Der Website der Initiative kann entnommen werden, dass Nationalrätinnen, Landräte und -rätinnen, Parteipräsidien, Gemeindepolitiker und -politikerinnen und weitere engagierte Persönlichkeiten von SP und Grünen über GLP bis FDP und «Mitte» die Initiative unterstützen. Auch Männer begrüssen die Initiantinnen als Unterstützer. Für eine ausgewogene Politik sei es nötig, die Perspektive von Frauen angemessen einzubeziehen.
Als Gründe für die Untervertretung von Frauen in der Politik nennen die Initiantinnen mehrere Faktoren: Frauen hätten oft weniger zeitliche und finanzielle Möglichkeiten, politisch aktiv zu sein. In vielen Haushalten hielten noch immer eher Frauen ihren Partnern den Rücken frei und übernähmen Haushalt und Kinderbetreuung, während die Männer beim Arbeiten tendenziell das Haupteinkommen erzielen würden. Als Ursachen dafür nennen die Initiantinnen unter anderem die Lohnungleichheit sowie gesellschaftlich verankerte Rollenbilder. Einen weiteren Grund sehen sie in der fehlenden Sichtbarkeit von Frauen: Man sei ein Bild der Öffentlichkeit gewohnt, in dem Männer dominieren würden. Weibliche Vorbilder seien deshalb so wichtig: Je mehr Frauen in der Politik sichtbar seien, desto leichter falle anderen Frauen der Schritt in die Politik.
Für die strukturelle Unterrepräsentation von Frauen gebe es keine einfache Lösung. Nötige Ansatzpunkte seien etwa die Lohngleichheit, die Aufteilung von Care-Arbeit und die Höhe der Entschädigungen für politische Ämter. Denn wer finanziell schlechter dastehe, habe geringere Möglichkeiten, sich politisch zu engagieren. Insgesamt sei es eine Dynamik vieler Seiten, die hier zur Veränderung führe.

