«Ich behandle alle gleich»
03.03.2026 Bezirk Sissach, Wahlen, Baselbiet, DiepflingenNeuzuzüger Johann Hofer kandidiert als Einziger für den Gemeinderat
Johann Hofer ist pensionierter Lehrer mit reichem Erfahrungsschatz. Aus sozialem Engagement stellt er sich bis zum Ende der laufenden Amtsperiode für das frei werdende Gemeinderatsamt zur Verfügung. ...
Neuzuzüger Johann Hofer kandidiert als Einziger für den Gemeinderat
Johann Hofer ist pensionierter Lehrer mit reichem Erfahrungsschatz. Aus sozialem Engagement stellt er sich bis zum Ende der laufenden Amtsperiode für das frei werdende Gemeinderatsamt zur Verfügung. Bei einer Wahl gäbe er sein Amt im Schulrat ab.
Marianne Ingold
Diepflingen ist als Durchgangsort und Sitz der Firmen Axova und Hamedan bekannt. Doch wer weiss, dass das Dorf bereits im 12. Jahrhundert erwähnt wurde und eine Zollstation der Farnsburger war, die auf dem Gemeindewappen abgebildet ist? Johann Hofer (75) weiss es, obwohl er erst seit Mitte 2023 in Diepflingen wohnt: «Man muss die Geschichte kennen, damit man die Gegenwart versteht und für die Zukunft planen kann», ist er überzeugt.
Zuvor lebte der gebürtige Basler über 20 Jahre lang als Auslandschweizer im grenznahen Deutschland in einem umgebauten Bauernhaus. Als dieses ihm und seiner Frau zu gross wurde, bauten sie in Diepflingen neu. Inzwischen kenne er bereits einige Leute im Dorf. Er besuche den Markt, nehme am Neujahrsapéro teil, hole den Weihnachtsbaum bei der Gemeinde und erfahre in der Nachbarschaft, was im Dorf laufe, erzählt er. Seit zwei Jahren ist er im Schulrat.
Nach acht Jahren im Diepflinger Gemeinderat tritt Gemeindepräsidentin Stefanie Orlandi auf Ende Juni zurück. Für den ersten Wahlgang vom 30. November 2025 gab es keine offiziellen Kandidaturen. Von über 500 Stimmberechtigten gaben nur gerade 33 einen Wahlzettel ab und niemand erreichte das absolute Mehr. «Da sich niemand für die Arbeit im Gemeinderat, der sich um alles kümmert, was die Gemeinde am Laufen hält, zur Verfügung stellte, war für mich klar: Ich mache das, weil es im Moment niemand anderes macht», sagt Hofer. Er telefonierte mit der Gemeindepräsidentin, die fand, für den Schulrat würde sich eher wieder jemand finden lassen, und reichte seine Kandidatur für die Nachwahl vom 8. März ein.
Woher kommt sein Engagement, obwohl er es sich im Ruhestand gemütlich machen könnte? «Ich wurde sozial erzogen – meine Mutter war in der Basler Mission. Auch mein Vater lebte mir vor, dass man füreinander da ist», sagt Hofer. «Weil wir alle die Gesellschaft sind, will ich für die Gemeinschaft etwas tun.» Wird er gewählt, ist er bereit, jedes Aufgabengebiet zu übernehmen: «Ich habe mir Stefanie Orlandis Ressorts angeschaut und denke, dass mir die meisten zusagen würden.» Nur das Gemeindepräsidium ist für ihn keine Option.
Johann Hofer kandidiert ohne parteipolitische Anbindung. Die Diepflinger Bevölkerung interessiere sich nicht für die Partei, sondern für die Person, meint er. Zu seiner politischen Ausrichtung sagt er nur: «Die ‹Radikalen› wie Alfred Escher, die im 19. Jahrhundert die moderne Schweiz gründeten, stehen mir nahe.» Das passt zu Diepflingen, das während der Zeit der Kantonstrennung sogar für kurze Zeit eine eigene Republik ausrief.
Kindheit in Afrika
Seine ersten Lebensjahre verbrachte Johann Hofer im heutigen Ghana, wo sein Vater für die Union Trading Company (UTC) arbeitete, eine aus der Basler Mission hervorgegangene Handelsgesellschaft. Nach der Rückkehr in die Schweiz zog die Familie nach Oberwil. Deshalb kenne er das Dorfleben gut, sagt Hofer. Seine Schulzeit verbrachte er an der damaligen «Freien Evangelischen Schule» und studierte danach unter anderem Zoologie. Nach dem Studium wollte er zunächst in Indonesien und Afrika Tiere erforschen, blieb dann aber in Basel und führte als Assistent des Zoodirektors Zuchtbücher für Panzernashörner und Zwergflusspferde. Als es um die Familiengründung ging, sah er sich nach einem «handfesten» Beruf um und wurde Gymnasiallehrer, der nicht nur Fachwissen vermittelte, sondern mit seinen Schulklassen auch einen Schulgarten mit Weiher anlegte.
Später wurde er Schulleiter, Ausbildungschef bei der Polizei und wieder Lehrer. Viele Jahre trainierte er daneben Basketballvereine bis zur zweithöchsten Liga. Nach seiner Pensionierung war er mehrmals als Freiwilliger in der Entwicklungshilfe im Einsatz. In Indien bildete er mitten im Dschungel Basketball-Teams aus: «In der Teeplantage hinter dem Spielfeld lärmten Makaken und ab und zu verirrte sich ein Leopard ins Dorf.»
Seine Standfestigkeit habe ihm gelegentlich Probleme beschert, erzählt Hofer: «Denn wenn ich etwas zusage, dann ziehe ich es durch – und ich denke selber. Das finden Vorgesetzte nicht immer toll.» Ein Problem mit Autoritäten habe er deswegen nicht, betont er: «Doch eine Autorität muss mich respektieren.» Sein Mantra lautet: Respekt, Respekt und nochmals Respekt. «Ich behandle alle gleich. So würde ich es auch im Gemeinderat halten.»
Auf die Frage, welche Aufgaben in der knapp 900-köpfigen Gemeinde aktuell anstehen, nennt Hofer das Bildungswesen: «Oft tragen Kinder Probleme von zu Hause in die Schule. Das müssen wir beobachten und wenn nötig reagieren», meint er. Ein anderer Punkt sei das Bauen: «Wie viel soll und kann noch gebaut werden, wo und was?» Auch Erneuerungen der Infrastruktur stünden an. Er kandidiert für den Rest der Amtsperiode bis 2028, in der Hoffnung, es fänden sich bis dahin wieder Interessierte – darunter mindestens eine Frau. Nach dem Rücktritt von Stefanie Orlandi bleibt Damaris Bracher die einzige Frau im Diepflinger Gemeinderat.

