Hunderte von Kirschbäumen gefällt
17.07.2026 Zunzgen, Landwirtschaft, Bezirk Sissach, ZunzgenChristian Horisberger
Fotos von einer gerodeten Kirschbaumplantage auf dem Zunzgerberg haben auf «Facebook» eine hitzige Debatte ausgelöst. Manche Mitglieder der Gruppe «4455 Zunzgen» zeigen sich schockiert, andere sind um Erklärungen bemüht und ärgern sich über ...
Christian Horisberger
Fotos von einer gerodeten Kirschbaumplantage auf dem Zunzgerberg haben auf «Facebook» eine hitzige Debatte ausgelöst. Manche Mitglieder der Gruppe «4455 Zunzgen» zeigen sich schockiert, andere sind um Erklärungen bemüht und ärgern sich über die Aufregung. Dritte versuchen zu schlichten. Nicht an dieser Debatte beteiligt hat sich deren Auslöser: Dazu fehle ihm in der heissesten Phase des Jahres auf dem Hof die Zeit, sagt Moritz Fiechter vom auf Steinobst und Beeren spezialisierten Eichhof auf dem Zunzgerberg. Aber wer ihn nach den Gründen für die Rodung frage, erhalte von ihm Auskunft.
Die «Volksstimme» hat gefragt und sich dafür mit Fiechter am Ort des Geschehens getroffen. Beim Blick auf Hunderte von Baumstrünken und den riesigen Berg gefällter Bäume, die zu Hackschnitzeln verarbeitet werden sollen, lässt sich die Aufregung nachvollziehen: Es ist kein schönes Bild. «Mir werden die Bäume, die ich vom Schlafzimmerfenster aus blühen sah, auch fehlen», sagt der Bauer beim Blick auf die nun kahle Fläche. Aber: Die vor 30 Jahren gepflanzten Bäume seien altershalber «durch» gewesen. Die Schwächung sei bei der maschinellen Ernte der Halbstämme zum Ausdruck gekommen: «Dabei fiel immer mehr Totholz von den Bäumen; sie waren nicht mehr vital.» Aufgrund dessen habe er entschieden, die Bäume fällen zu lassen und zugleich Platz für Neues zu schaffen. «In der Landwirtschaft steckt das Wort ‹Wirtschaft›», sagt Fiechter zu seinem Entscheid, «und wir müssen davon leben können.» Es sei eine wichtige Kultur für den Familienbetrieb gewesen, aber sie habe ihre Lebensdauer nun einmal erreicht. Als Unternehmer müsse man im Auge haben, was geht und was nicht mehr. Was immer noch «geht», seien Kirschen für Brennereien, sagt Fiechter. Dorthin waren die Früchte der nun gerodeten Bäume geliefert worden. Aufgrund der anhaltend grossen Nachfrage der Distillerien habe er bereits 2022 in Buus als Ersatz für Zunzgen eine gleich grosse neue Anlage für den Anbau süsser Sorten für die Herstellung von Kirschwasser angelegt. Diese Bäume kämen im kommenden Jahr in den Ertrag. Die Kirschen von den Bäumen auf dem Zunzgerberg waren zunächst an die verarbeitende Industrie für Konserven geliefert worden. Seit die Nachfrage dort nachliess, kam eine Brennerei zum Zug.
Wanderer, Velofahrer, Reiterinnen sind auf dem Zunzgerberg allgegenwärtig. Es herrscht viel Freizeitverkehr, wohl auch, weil es hier auf 600 Metern immer um einige Grade kühler ist, als unten im Tal. Während des halbstündigen Gesprächs der «Volksstimme» mit Fiechter sprechen ihn zuerst eine Spaziergängerin und dann ein Velofahrer auf die Rodung an, und der Landwirt gibt jeweils knapp Auskunft. Er werde häufig darauf angesprochen, sagt er dann. Wenn er die Rodung begründe, zeigten die meisten Leute Verständnis.
Beeren boomen
Die Wurzelstöcke, die noch 10 bis 20 Zentimeter aus dem Boden ragen, werden demnächst bis in eine Tiefe von 30 Zentimetern weggefräst. Die Wurzeln bleiben im Boden und werden natürlich zersetzt. Wie das Landwirtschaftsland in Zukunft genutzt werden soll, hat Fiechter bereits entschieden: Da Kirschen im Nachbau Wachstumsdepression aufweisen würden, und da ja in Buus bereits Ersatz geschaffen worden sei, sicher keine Kirschen, sagt er. Im Vordergrund stünden Beeren: «Hier besteht eine stetig wachsende Nachfrage, und bei deren Produktion haben wir uns während der vergangenen Jahrzehnte von der Anbautechnik bis zur Vermarktung ein grosses Know-how erarbeitet. Zudem haben wir die nötige Infrastruktur und das Personal.» Favorisiert seien Himbeeren, die für einen effizienten und wassersparenden Anbau tendenziell in Töpfen gezogen werden. Sehr wahrscheinlich sei, dass mindestens auf einem Teil der gerodeten Fläche bereits in der kommenden Saison Beeren geerntet werden.
Die Kommentare auf «Facebook» dazu dürften weniger kontrovers ausfallen. Den Post «Uf der Hard sind vieli Kirsibäum gfällt worde» in «4455 Zunzgen» sowie alle Kommentare hat der Administrator der «Facebook»-Gruppe vorgestern übrigens gelöscht. Seine Begründung: «Diskussionen sind gerne gesehen, aber gehässige und beleidigende Kommentare sind fehl am Platz.»

