Frühe Trockenheit belastet das Grundwasser
30.06.2026 Baselbiet, Gesellschaft, BaselbietEntwarnung wohl erst im Spätherbst
Der Regen von gestern und voraussichtlich auch heute und die gesunkenen Temperaturen sorgen bei Natur und Menschen für Entspannung. Wasserknappheit dürfte diesen Sommer aufgrund bereits tiefer Grundwasserpegel aber ein Thema bleiben.
...Entwarnung wohl erst im Spätherbst
Der Regen von gestern und voraussichtlich auch heute und die gesunkenen Temperaturen sorgen bei Natur und Menschen für Entspannung. Wasserknappheit dürfte diesen Sommer aufgrund bereits tiefer Grundwasserpegel aber ein Thema bleiben.
Christian Horisberger
Die hohen Juni-Temperaturen und die seit Mai deutlich unterdurchschnittlichen Niederschläge haben die Trockenheit im Baselbiet verschärft – der Regen zum Wochenbeginn bringt kaum Entlastung. Der Kantonale Führungsstab (KFS) hat ab Freitag zusätzliche Massnahmen verfügt. Sie gelten bis auf Widerruf und betreffen den Wald, die Gewässer sowie die Nutzung der Ergolz.
Untersagt ist die Wasserentnahme aus öffentlichen Gewässern für den Privatgebrauch. Darunter fällt auch das Schöpfen kleiner Wassermengen mit Eimern oder Giesskannen. Landwirtschaftliche Wasserentnahmen hingegen bleiben erlaubt, sofern dafür eine Bewilligung besteht und deren Auflagen eingehalten werden. Zudem gilt in der Ergolz zwischen dem Kesselfall in Liestal und der Mündung in den Rhein ein Bade-, Betretungs- und Fischereiverbot.
Die Einschränkungen betreffen sowohl Menschen als auch Haustiere. Bereits seit einigen Tagen ist der Unterlauf der Birs für Mensch und Vierbeiner tabu. Der Kanton begründet die Massnahmen mit der zunehmend angespannten Lage. Die Böden seien stark ausgetrocknet, die Wasserführung vieler Bäche für die Jahreszeit aussergewöhnlich tief und die Wassertemperaturen hoch.
Grundwasserpegel sinken früh
Der Druck auf die Trinkwasserversorgungen nimmt durch diese Bedingungen zu. Die Pegel in den grösseren Grundwasserleitern sänken weiter, die Quellschüttungen gingen bereits seit Ende Februar kontinuierlich zurück. Gleichzeitig würden Ende Juni jeweils die höchsten Trinkwasserverbräuche des Jahrs verzeichnet. Einzelne Wasserversorgungen arbeiten laut Kanton bereits nahe an ihren Kapazitätsgrenzen und haben bereits vorsorglich zum Wassersparen aufgerufen (die «Volksstimme» berichtete). Mit dem Beginn der Sommerferien dürfte der Verbrauch wegen Ferienabwesenheiten allerdings wieder leicht zurückgehen.
Trotz der angespannten Situation sieht der Kanton die öffentliche Trinkwasserversorgung derzeit nicht gefährdet. «Falls zusätzlich zur Trockenheit und Hitze keine technischen Störungen auftreten, ist in nächster Zeit nicht mit ernsten Problemen bei der öffentlichen Trinkwasserversorgung zu rechnen», hält Andrea Tschopp, Sprecherin der Bau- und Umweltschutzdirektion, in einer Stellungnahme fest.
Dass es bereits im Frühsommer zu einer Trockenperiode gekommen ist, verschärfe die Situation der Wasserversorgung: Für die Neubildung des Grundwassers seien vor allem Niederschläge im Winterhalbjahr und im Frühling entscheidend. Wasserdefizite, die sich bereits im Frühsommer aufbauen, könnten in der Regel erst im Spätherbst wieder ausgeglichen werden – ausser es falle im Sommer aussergewöhnlich viel Regen. Frühe Trockenperioden hätten deshalb erhebliche Auswirkungen auf Oberflächengewässer und Grundwasservorkommen.
Die tiefen Wasserstände und hohe Wassertemperaturen in den Fliessgewässern stellen für die Fischbestände eine ernsthafte Bedrohung dar. Deshalb hat der Kanton verschiedene Schutzmassnahmen ergriffen, um die Gewässer und ihre Bewohner zu schützen, wie er auf «Facebook» gestern meldete. Am Samstag und am Sonntag standen Angehörige des Zivilschutzes gemeinsam mit den zuständigen Fachstellen im Einsatz, um Fische aus besonders betroffenen Gewässerabschnitten schonend abzufischen und in tiefere, kühlere Bachabschnitte umzusiedeln. In den Einsatzgebieten Homburgerbach (Thürnen/Diepflingen), Eibach (Gelterkinden) und Eimattbach (Rümlingen) seien insgesamt rund 750 Fische erfolgreich umgesetzt worden.
Fischer fordern Massnahmen
Notmassnahmen wie diese könnten grössere Schäden jedoch nur begrenzen, teilte der Schweizerische Fischerei-Verband bereits am Freitag mit. Im Gegensatz zu früheren Trockenjahren bereite nicht nur die Hitze Sorgen, sondern vor allem ihr ungewöhnlich früher Beginn. Die Fauna in den Bächen befindet sich in einer kritischen Lage. Der Verband fordert deshalb Bund, Kantone und Gemeinden zum raschen Handeln auf. Revitalisierungen von Gewässern müssten beschleunigt, Ufer stärker beschattet und Rückzugsräume für Fische geschaffen werden. Zudem verlangt der Verband die Beseitigung von Wanderhindernissen für Fische sowie frühzeitige Einschränkungen bei Wasserentnahmen aus sensiblen Fliessgewässern. Die aktuelle Trockenheit sei nicht nur ein Alarmsignal, sondern ein Auftrag, die Schweizer Gewässer widerstandsfähiger gegen künftige Hitze- und Trockenperioden zu machen.
Während die Gewinnung und das Verteilen von Trinkwasser bis in die Haushalte Sache der Gemeinden ist, liegt die Zuständigkeit für die regionale Planung der Wasserversorgung beim Kanton. Er sorgt dafür, dass Wasserversorgungen untereinander verbunden sind und sich bei Engpässen gegenseitig unterstützen können. Massnahmen betreffend Oberflächengewässer wie Wasserentnahmeverbote beziehungsweise Bewilligungen liegen in der Kompetenz des Kantons. Feuerverbote im Wald und an Waldrändern spricht in der Regel der Kanton aus, aber nicht nur, wie das bereits am Dienstag vergangener Woche von Sissach verfügte Verbot zeigt. Der Kanton zog drei Tage später nach.
