Fleischprodukte fast rund um die Uhr
31.12.2025 ZunzgenSelbstbedienung in der Filiale der Metzgerei Zimmermann
Zu jeder Zeit einkaufen: Das soll in Zunzgen per 15. Januar 2026 in der Filiale der Metzgerei Zimmermann mit einem Hybrid-Modell mit Selbstbedienung möglich werden. Der Umbau der Filiale erfolge aus wirtschaftlichen ...
Selbstbedienung in der Filiale der Metzgerei Zimmermann
Zu jeder Zeit einkaufen: Das soll in Zunzgen per 15. Januar 2026 in der Filiale der Metzgerei Zimmermann mit einem Hybrid-Modell mit Selbstbedienung möglich werden. Der Umbau der Filiale erfolge aus wirtschaftlichen Gründen, sagt Inhaber Martin Zimmermann.
Sander van Riemsdijk
Seit mehr als 100 Jahren wird die Kundschaft in Zunzgen in der einzigen Metzgerei im Diegtertal persönlich bedient, seit 2013 von Martin Zimmermann und seinen Mitarbeitenden. Damit ist jetzt Schluss.
Am 15. Januar 2026 rüstet die Dorfmetzgerei auf Selbstbedienung um. «Aus wirtschaftlichen Gründen und wegen der veränderten Einkaufsund Essgewohnheiten unserer Kundschaft», begründet Inhaber Martin Zimmermann, der den Familienbetrieb mit dem Hauptgeschäft in Gelterkinden und einer zweiten Filiale in Liestal führt. Die Zunzger Metzgerei schliesst sich damit einem Geschäftsmodell an, das auch in anderen Gemeinden wie Tenniken oder Ramslinsburg bereits eingeführt ist und gut funktioniert (siehe «Volksstimme» vom 30. Januar, Seite 4).
Durch personelle Veränderungen im Metzgerteam, unter anderem durch Pensionierungen, sah sich Zimmermann gezwungen, interne Verschiebungen vorzunehmen. So wechselt der jetzige Filialleiter in Zunzgen, Thomas Leisibach, in die Filiale nach Gelterkinden. «In der kurzen Zeit war es nicht möglich, einen Nachfolger für ihn zu finden», sagt der Geschäftsinhaber. «Es ist der wichtigste Grund für die Umstellung auf das neue Einkaufsmodell.»
Zimmermann spielte bereits seit drei Jahren mit dem Gedanken, ein solches Hybrid-Modell einzuführen. Neben der zunehmenden Konkurrenz der Grosshändler war für Zimmermann insbesondere die Pandemie der Zeitpunkt, um sich zu diesem Geschäftsmodell konkrete Überlegungen zu machen: «In dieser Zeit ist der Umsatz enorm gestiegen, danach folgte ein Absturz. Der Umsatz ging zurück, bei gleichzeitig steigenden Löhnen. Will man auf dem Markt längerfristig präsent bleiben, muss dieser Spagat wirtschaftlich stimmen.» Auch die Essgewohnheiten hätten sich verändert, so Zimmermann. «Heute ist schnelles Essen angesagt.»
Das Einkaufserlebnis mit persönlichem Kundenkontakt und fachkundiger Beratung wird sich in der Filiale in Zunzgen verändern. Das Modell sieht vor, dass kein Verkaufspersonal mehr anwesend ist. Dafür ist ein flexibles Einkaufen fast rund um die Uhr möglich. Geplant und öffentlich kommuniziert sind täglich Öffnungszeiten von 5 Uhr bis 24 Uhr, auch am Sonntag. Sicher ist dies jedoch noch nicht. «Intern laufen noch Diskussionen, ob wir allenfalls nicht durchgehend offen haben sollen», führt Zimmermann aus.
Die Kundschaft bedient sich mit den frisch abgepackten Artikeln im Rahmen eines offenen Verkaufs. Die Ware wird gescannt und bargeldlos bezahlt. Zimmermann möchte das Sortiment nach und nach um «kleine Dinge für den Alltag» erweitern, etwa mit regionalen Produkten wie Honig, Gewürzen oder Teigwaren.
Zeitgemässe Anpassung
Die Umrüstung ist ein Versuch, traditionelles Fleischhandwerk mit zeitgemässen Anforderungen in einem sich spürbar verändernden Einkaufsverhalten der Konsumenten zu kombinieren. Das Prinzip der autonomen Selbstbedienung rund um die Uhr als innovatives Zukunftsmodell auch für Metzgereien? Zimmermann ist sich bewusst, dass es eine Weile dauern wird, bis der Kundenstamm sich auf das neue Modell eingestellt hat: «Ich rechne am Anfang mit einem Umsatzverlust von 40 Prozent.»
Auch im Wissen, dass die Metzgerei Häring in Sissach mit ihrem persönlichen Kundenkontakt nur zwei Autominuten von der Filiale in Zunzgen entfernt ist. Er ist jedoch aufgrund von positiven Erfahrungen von anderen Metzgereien, die ähnlich umgestellt haben, wie er sagt, zuversichtlich, dass sich das Hybrid-Modell nach einer Eingewöhnungsphase auch in Zunzgen etablieren wird.
Während einer Übergangszeit von etwa einem halben Jahr wird die jetzige Mitarbeiterin im Verkaufsteam von Zunzgen, Sandra Hürbi, an fünf Tagen von jeweils 9 bis 12 Uhr die Kundschaft beim Einkauf mit dem neuen System unterstützen. Ob die Umstellung auf Selbstbedienung bei den Kunden gut ankommt, wird die Zukunft zeigen. «Nach einer Versuchsphase von zwei Jahren wird ausgewertet, ob sich das Modell bewährt hat», sagt der Geschäftsinhaber. Damit die Umrüstung vollzogen werden kann, wird die Filiale vom 10. bis 14. Januar vorübergehend geschlossen sein.


