Deshalb sind Polarlichter in Mitteleuropa nur mit dem Handy sichtbar
Egal, ob oberhalb von Arboldswil oder Gelterkinden: Im ganzen Oberbaselbiet waren diese Woche seltene Polarlichter am Himmel zu sehen. Dieses Phänomen gibt es bei starker Sonnenaktivität nicht nur in ...
Deshalb sind Polarlichter in Mitteleuropa nur mit dem Handy sichtbar
Egal, ob oberhalb von Arboldswil oder Gelterkinden: Im ganzen Oberbaselbiet waren diese Woche seltene Polarlichter am Himmel zu sehen. Dieses Phänomen gibt es bei starker Sonnenaktivität nicht nur in Skandinavien, sondern auch in Mitteleuropa.
Janis Erne
In der Nacht auf Dienstag war über dem Oberbaselbiet ein seltenes Naturschauspiel zu beobachten. Polarlichter tauchten den Himmel zeitweise in mystische Rot-, Violett- und Grüntöne. Zwar nahmen viele Beobachterinnen und Beobachter mit blossem Auge kaum mehr als einen leicht aufgehellten Himmel wahr, doch zahlreiche Handyfotos hielten das farbige Spektakel eindrücklich fest. Die Bilder auf dieser Seite stammen von Johannes Sutter aus Arboldswil und Satrugan Buser aus Gelterkinden. Polarlichter, in der Fachwelt auch Aurora borealis genannt, entstehen durch elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwinds. Treffen diese auf das Magnetfeld der Erde, werden sie in Richtung der Pole gelenkt und prallen in grosser Höhe auf Sauerstoff- und Stickstoffatome. Dabei wird Energie freigesetzt, die als leuchtende Schleier, Bögen oder Vorhänge am Himmel sichtbar wird. Normalerweise sind solche Erscheinungen in nördlichen Regionen wie Skandinavien zu sehen. Bei besonders starker Sonnenaktivität können sie jedoch auch bis nach Mitteleuropa und in die Schweiz vordringen.
Dass die Polarlichter im Oberbaselbiet vor allem auf Handyfotos und weniger mit blossem Auge sichtbar waren, hat einen einfachen Grund: Das menschliche Auge ist bei Dunkelheit deutlich weniger empfindlich für Farben. In der Nacht übernehmen vor allem die sogenannten Stäbchenzellen das Sehen. Sie sind zwar lichtempfindlich, erkennen aber kaum Farben. Die Kamera eines Smartphones hingegen arbeitet mit längeren Belichtungszeiten und sammelt über mehrere Sekunden hinweg Licht. Dadurch werden selbst schwache Farbsignale verstärkt, die dem Auge verborgen bleiben.
Apps liefern Erinnerung
Insbesondere der Nachtmodus oder der manuelle Pro-Modus eines Smartphones machen sich diesen Effekt zunutze. Mit ruhiger Hand oder einem Stativ entstehen so Bilder, die den Himmel intensiver und farbiger zeigen, als er subjektiv wahrgenommen wird. Wer frühzeitig informiert werden möchte, sollte eine Polarlichter-Warn-App auf dem Smartphone installieren. So können im Voraus gute Standorte aufgesucht werden.
Fachleute gehen davon aus, dass die erhöhte Sonnenaktivität auch in den kommenden Monaten immer wieder Polarlichter in unseren Breiten ermöglicht. Die Chance auf eindrucksvolle Fotos könnte sich also bald wieder bieten.