Etwas Selbstgemachtes in der Hand
07.07.2026 BaselbietMit dem «Trottifäger» in voller Fahrt
Von Montag bis Freitag haben acht Kinder und Jugendliche ihr eigenes Trottinett gebaut und dabei Einblick in fünf verschiedene Handwerksberufe erlangt. Am Freitagnachmittag durften sie das Fahrzeug bei einem Parcours im ...
Mit dem «Trottifäger» in voller Fahrt
Von Montag bis Freitag haben acht Kinder und Jugendliche ihr eigenes Trottinett gebaut und dabei Einblick in fünf verschiedene Handwerksberufe erlangt. Am Freitagnachmittag durften sie das Fahrzeug bei einem Parcours im spielerischen Wettkampf testen.
Lea Wieser
«Am Montag haben wir beim Metallbau begonnen», erzählt der Teilnehmer Mike Luder mit leuchtenden Augen, «dort hat es mir richtig gut gefallen.» Auch Lenny Schärer ist ganz begeistert: «Wir durften sogar schon die grossen Maschinen benutzen. Aber das Schweissen war besonders cool!» Am zweiten Tag waren sie bei den Polymechanikern. «Dort haben wir alle Kleinteile hergestellt», erklärt Wit Aeschenbacher. «Und auch das Schloss, mit dem man das Trotti abschliessen kann.» Jedes einzelne Teil davon hätten sie selbst geformt und zugeschliffen. «Vor allem die CNC-Fräse war spannend», berichten die Jungen grinsend.
Bei den Zimmerleuten waren sie am Mittwoch zu Besuch. «Dort haben wir den ganzen Lenker gebaut», zeigt Lenny stolz. «Wir durften zwar die grossen Maschinen nicht selber bedienen, aber mit Hammer und Schleifpapier zu arbeiten, hat auch Spass gemacht», berichtet Mike. Die Batteriehalterung und vor allem das Trittbrett haben die Jugendlichen am Donnerstag in der Schreinerei angefertigt.
Nachdem alle Einzelteile gezimmert, geschweisst und gefräst waren, ging es am Freitagmorgen daran, den «Trottifäger» zusammenzubauen. Dafür war die Gruppe beim «Auto Gewerbe Verband Schweiz» (AGVS) in Sissach.
Lernende lehren
Auf diesem Gelände hat zudem am Nachmittag mit Parcours und Grilladen das Schluss-Event stattgefunden. «Der Freitag mit dem Zusammenbau und dem Rennen am Nachmittag ist schon immer das Highlight», findet Sven Arnold, der Projektkoordinator und Ansprechpartner für den Metallbau. Er ist bereits seit der ersten Durchführung der Projektwoche im Jahr 2017 mit von der Partie. «Der Moment am Freitagmorgen, wenn die Teilnehmer ihren fertigen «Trottifäger» in der Hand haben, ist toll. Das ist ein richtiges Erfolgserlebnis für sie: ein vollständig funktionstüchtiges Gefährt, an dem sie alles selbst gebaut haben. Da dürfen sie schon stolz sein.»
Aber nicht nur die Jugendlichen lernen in dieser Woche dazu. An jedem Tag werden sie in den Ausbildungszentren, in denen die Projektwoche stattfindet, neben den verantwortlichen Personen vor allem von den Lernenden des jeweiligen Berufs eins zu eins betreut: «Man zeigt den Kindern nicht nur, wie unser Beruf funktioniert, sondern nimmt auch selbst etwas mit: Man lernt, Dinge zu erklären», findet Claudio Lüthi, Lernender beim AGVS.
«Ich habe das Gefühl, die Projektwoche hilft den Jugendlichen wirklich. Sie haben von den anderen Berufen total spannende Sachen berichtet, und einige haben mir erzählt, dass sie im einen oder anderen Sektor eine Ausbildung machen wollen. Ich hätte mir so etwas damals gewünscht, um mich bei meiner eigenen Berufswahl besser entscheiden zu können», fügt Lüthi hinzu. «Es ist wirklich ein tolles Projekt», findet auch Zoë Niederhauser, die ebenfalls eine Lehre in der Automobilbranche absolviert. «Wie viel Interesse in den Kindern steckt, hat mich absolut positiv überrascht.»
Konzentration trotz Auffahrunfall
Nach einer ordentlichen Stärkung vom Grill geht es ab auf die Rennstrecke. Nervös seien die Jugendlichen nicht, aber Vorfreude herrsche. Wit Aeschbacher zeigt gekonnt vor, wie der Parcours zu fahren ist. Dabei geht es nicht um ein schnelles Resultat, sondern um eine möglichst kleine Differenz zwischen Durchgang eins und zwei. Mit vollem Fokus und Präzision absolvieren die Teilnehmer einer nach dem anderen den Parcours – Doppelrampe, Slalom, hupendes Brett und Wippe. Nichts bringt sie aus der Konzentration – nicht einmal der Auffahrunfall, der es zeitgleich vor der Migros kurz krachen lässt.
Lenny ist am Schluss der stolze Sieger. «Ich habe gar nicht mit dem Sieg gerechnet», erzählt er wie ein wahrer Rennfahrer, «ich dachte, meine Differenz wäre viel höher.» Besonders freue er sich über den kleinen Werkzeugkoffer, den er als Preis bekommen hat: «Den kann ich in Zukunft bestimmt noch brauchen.»
Fünf Tage, fünf Berufe
lwi. Die Projektwoche «Trottifäger» wird von «werkberufe.ch» organisiert. Die Organisation bildet einen Zusammenschluss der Berufsverbände von Automobilgewerbe, Holzbau, Schreiner, Maschinenbau und Metallbau. Ihr Ziel ist es, die Handwerksberufe zusammenzubringen, gemeinsam aufzutreten und Jugendlichen beider Geschlechter einen umfassenden Einblick in diese Ausbildungsberufe zu ermöglichen.


