Essen mit Überraschungsfaktor
30.04.2026 Bezirk Sissach, Gastronomie, WenslingenSpannendes Angebot im Hause Holm
Jeden ersten Sonntag im Monat und jeweils am darauf folgenden Donnerstagabend öffnen Susanne und Beat Holm ihr Daheim für Gäste. Das sonntägliche «Müskaffi am Brunne» kann spontan besucht werden, für die Donnerstage muss man sich anmelden.
...Spannendes Angebot im Hause Holm
Jeden ersten Sonntag im Monat und jeweils am darauf folgenden Donnerstagabend öffnen Susanne und Beat Holm ihr Daheim für Gäste. Das sonntägliche «Müskaffi am Brunne» kann spontan besucht werden, für die Donnerstage muss man sich anmelden.
Brigitte Keller
An diesem strahlend schönen Frühlingstag Mitte April schlendern viele Wandererinnen und Wanderer durch Wenslingen, «Blueschtwanderungen» sind angesagt. Der grosse achteckige Brunnen am Dorfplatz macht Eindruck. Dann fällt der Blick auf eine Tafel gleich daneben, die einen zu Kaffee und Kuchen einlädt. Zuerst zögern viele, da sie nicht ganz sicher sind, ob sie damit gemeint sind. Doch dann tritt Susanne Holm vor das Haus und lädt sie herzlichst ein, einzutreten.
Früher lebten Susanne und ihr Mann Beat, 58 respektive 68 Jahre alt, in Muttenz. Sie wollten sich verkleinern und mieteten deswegen ein Tiny House. Doch ganz glücklich wurden sie dort nicht, und ein Garten fehlte ihnen auch. Und so kam es, dass sie sich vor rund fünf Jahren das Haus an der Dorfstrasse 37 in Wenslingen anschauten – und sich sofort in das Gebäude und den Umschwung verliebten. «Absolut unvernünftig, was wir gemacht haben, es hat überall Treppen», sagt Susanne Holm dazu. Das Strahlen in den Gesichtern der Hausbesitzer «verrät» jedoch, dass sie über ihren «Fund» überglücklich sind.
In den vergangenen viereinhalb Jahren haben sie das stattliche Bauernhaus mit der Unterstützung von lokalen Handwerkern renoviert – und schon bald in ein «offenes Haus» verwandelt. «Es wäre schön, einen weiteren Ort für Begegnungen im Dorf anzubieten», dachte Susanne Holm ein Jahr nach dem Zuzug in Wenslingen, und schon bald war die Idee geboren, einmal im Monat die Türen zu öffnen und Kaffee und Kuchen zu offerieren.
Von Mäusen und Menschen
Das «Müskaffi am Brunne» war geboren und neben den Spontangästen hat es auch schon einige regelmässige Gäste aus dem Dorf. Zum Namen hätten sie die Mäuse inspiriert, von denen sie das eine oder andere Mal vor und während der Renovation ein paar in der Küche einfingen und ausserhalb des Dorfes wieder aussetzten. «Und ‹Müsgasse› wird hier im Dorf auch die Vordere Gasse genannt, die neben unserem Haus vorbeiführt», erklärt Susanne Holm.
Da sie aber eigentlich noch lieber koche als backe, wie Holm fortfährt, kam im vergangenen Herbst eine neue Idee hinzu, nämlich das «Zämme37». Damit ist gemeint, dass sich im Hause Holm jeweils an einem Abend pro Monat vier Personen zum Essen anmelden können und dann bekocht werden und zusammen mit den Gastgebern am Tisch sitzen. Wer sich anmeldet, weiss nicht, wer noch kommt und auch nicht, was es zu Essen gibt. Allfällige Unverträglichkeiten klärt Susanne Holm natürlich ab. Was feststeht ist, dass vegetarisch respektive vegan gekocht wird, und wer gerne Wein dazu trinken möchte, darf diesen selber mitbringen.
Am Anfang waren es zwei Abende pro Monat, aber das wurde Susanne Holm dann zu aufwendig. Es ist ja «nur» ein Hobby, und soll es vorläufig auch bleiben, denn sie ist Vollzeit berufstätig als Primarlehrerin in Tecknau. «So passt es für mich und meinen Mann», sagt sie. Sie möchte genug Zeit und Musse haben, in ihren gesammelten Kochbüchern zu stöbern und sich zu Menüs inspirieren zu lassen. Ihre Gäste kommen jeweils in den Genuss eines Entrées, danach einer Suppe, vielfältig zusammengestellten Salaten, einem Hauptgang und einem Dessert, und das für nur 10 Franken Unkostenbeitrag. Kein Wunder, dass die kommenden Abende bereits bis und mit November ausgebucht sind.
Geplante Überraschungen
Wer sich anmeldet, muss Offenheit und Neugier mitbringen und ein bisschen Mut. Eine, die von diesem Angebot hörte und es gerne ausprobieren wollte, ist Dora Meier. Sie wohnt ganz in der Nähe und erfuhr durch einen Zettel im Briefkasten davon. «Ich finde es schön, dass Privatpersonen eine solche spontane Einzelinitiative ergriffen haben», erzählt sie. «Man weiss vorher nicht, wer noch kommt, und das finde ich spannend», fährt Meier fort. Sie hat den Abend sehr genossen und war schon ein zweites Mal beim «Zämme37».
«Sechs Personen am Tisch, also vier Gäste und wir beide, ist eine ideale Anzahl, um ein gemeinsames Gespräch zu führen», sagt Susanne Holm. «Der Abend mit Dora Meier, an dem sich vorher niemand untereinander gekannt hat, ist einer der spannendsten bisher gewesen», bestätigt Beat Holm.
Dann huscht er wieder in die Küche, um die nächsten Kaffees zuzubereiten, denn weitere Wanderer haben sich für einen Halt entschieden. Sich an diesem warmen Frühlingstag zu entscheiden, wo man sich hinsetzen will, fällt allerdings gar nicht leicht: Auf das Bänkli vor dem Haus oder in die grosse Stube? Oder doch noch lieber in den grossen Garten hinter dem Haus, wo ein paar ganz besonders lauschige Plätzchen locken?
Der Kaffee und das angebotene Gebäck haben keine vorgegebenen Preise, man legt einfach einen passenden Betrag ins bereitstehende Kässeli. Das «Müskaffi am Brunne» ist jeweils am ersten Sonntag des Monats geöffnet, das nächste Mal also am kommenden Sonntag, 3. Mai.

