«Erfolg hat, wer Innovation zielgerichtet einsetzt»
06.02.2026 PersönlichSeit Anfang Jahr ist Florian Brügger Kommandant des Argus-Zivilschutzverbunds mit Sitz in Bubendorf. Trotz eines Bestands unter dem Soll könne seine Kompanie ihren Auftrag erfüllen.
Willi Wenger
Herr Brügger, Sie kommandieren seit dem ...
Seit Anfang Jahr ist Florian Brügger Kommandant des Argus-Zivilschutzverbunds mit Sitz in Bubendorf. Trotz eines Bestands unter dem Soll könne seine Kompanie ihren Auftrag erfüllen.
Willi Wenger
Herr Brügger, Sie kommandieren seit dem 1. Januar den Zivilschutzverbund Argus im Oberbaselbiet. Wer und was steht hinter «Argus»?
Florian Brügger: Der Zivilschutzverbund Argus setzt sich aus 18 Gemeinden zusammen. Zu ihm gehören Arboldswil, Bennwil, Bretzwil, Bubendorf, Hölstein, Lampenberg, Langenbruck, Lauwil, Liedertswil, Lupsingen, Niederdorf, Oberdorf, Ramlinsburg, Reigoldswil, Seltisberg, Titterten, Waldenburg und Ziefen. Argus übernimmt im Auftrag der Verbund-Gemeinden die vom Gesetzgeber festgelegten Vollzugsaufgaben und -massnahmen im Bereich des Zivilschutzes. Insbesondere ist Argus verantwortlich für die Organisation und den Einsatz des Zivilschutzes, für die Ausbildung der Zivilschutzpflichtigen in der Kompanie sowie die Verwaltung und Bewirtschaftung der Mittel und des Materials. Als Leitgemeinde ist Bubendorf für die personalrechtlichen Belange zuständig.
Wie haben Sie die Zeit seit Anfang Jahr in Ihrer neuen Funktion bei Argus erlebt?
Wie erwartet positiv. Ich habe als bisheriger Kommandant-Stellvertreter den «Laden» ja gekannt und wusste, dass die Organisation mit ihren Strukturen bestens funktioniert. Heute vor einer Woche leitete ich bereits meinen ersten Rapport als verantwortlicher Kommandant mit neu eingeteilten Angehörigen des Zivilschutzes (AdZS). Generell stelle ich fest, dass Argus konzeptionell und strukturell stark aufgestellt ist. Die Prozesse sind von A bis Z durchdacht und funktionieren. Ich werde bewahren, was funktioniert, und wo Innovation gefragt ist, Argus auch weiterentwickeln.
Nicht zuletzt die Personalknappheit hat viele lokale Zivilschutzorganisationen dazu gezwungen, sich zusammenzutun. Wie sieht es auf der personellen Seite aus? Können Sie die an Sie gestellten Aufgaben mit dem heutigen Bestand erbringen?
Meine Kompanie umfasst aktuell 84 Personen. Ideal wäre ein Bestand zwischen 120 und 150, aber wir können die Bedürfnisse unserer Region gemäss dem Leistungsprofil Argus abdecken. Wir pflegen zudem einen regen Austausch mit der Zivilschutzorganisation «Oberes Baselbiet», mit der wir vor Jahresfrist eine Zusammenarbeitsvereinbarung abgeschlossen haben. Wichtig ist auch zu erwähnen, dass ich meine Leute in den Ausbildungs- und Wiederholungskursen – wo möglich – multifunktional ausbilde. Ich stelle generell fest, dass Argus seit vielen Jahren nie in Gefahr war, einen Einsatz wegen Personalmangels nicht leisten zu können. Seit 2015 beispielsweise leisteten wir im Verbundgebiet 40 Einsätze. Pro Einsatz waren im Durchschnitt «lediglich» neun Angehörige des Zivilschutzes im Einsatz.
Ist bei Argus eine Aufstockung des Personalbestands zu erwarten?
Aktuell erarbeiten Bund und Kantone neue Rechtsgrundlagen hinsichtlich möglicher Regulierungen und Zuweisungen. Zuweisungen von neuen AdZS erwarten wir mittelfristig durch den Kanton beziehungsweise durch das Amt für Militär und Bevölkerungsschutz. Alles in allem: Wir haben aktuell keine schlaflosen Nächte.
Wie viele Zivilschutzanlagen stehen den rund 24 500 Einwohnerinnen und Einwohnern in «Ihren» zur Verfügung? Hätten im Notfall alle einen Schutzplatz?
Einerseits gibt es die Zivilschutzanlagen: Diese sind die Basis der Zivilschutzorganisation. Vor 13 Jahren hatten wir mit Ausnahme von Liedertswil in allen Gemeinden eine Zivilschutzanlage. Von diesen wurden ab 2013 vom Bund sukzessive in regelmässigen Abständen Anlagen aus dem nationalen Schutzraumkonzept entlassen. Letztlich betraf dies in diesem Zeitraum elf ZS-Anlagen, die heute als öffentliche Schutzräume der Gemeinden geführt werden. Eigentliche Zivilschutzanlagen haben wir noch sechs. Diese befinden sich in Bubendorf, Niederdorf, Seltisberg, Hölstein, Waldenburg und Oberdorf. Andererseits gibt es die Schutzräume für die Bevölkerung: Schutzplätze in privaten oder öffentlichen Schutzräumen stehen für sämtliche Einwohner der 18 Gemeinden in ausreichender Anzahl zur Verfügung.
Wie kamen Sie zum Zivilschutz?
Bereits in meiner frühen Kindheit verbrachte ich viel Zeit mit meinem Vater in Zivilschutzanlagen. Nach Beendigung meiner Militärdienstzeit im Jahr 2011 bin ich beruflich in den Zivilschutz eingetreten. Die militärische Ausbildung bei den Rettungstruppen war dabei aufgrund der verwandten Tätigkeiten hilfreich. Meine erste Stelle war jene eines Zivilschutzstellenleiters bei der Zivilschutzkompanie Leimental in Oberwil. 2012 absolvierte ich den Kommandanten-Lehrgang. Im Jahr 2023 wechselte ich schliesslich nach Bubendorf zu Argus, wo ich drei Jahre als Logistikchef tätig war. Ende 2025 wurde ich durch die politische Kommission, bestehend aus Vertretern der 18 Gemeinderäte der Verbundgemeinden, gewählt und als Argus-Kommandant im Rang eines Hauptmanns eingesetzt. Für mich stellt dieser Schritt einen Höhepunkt in meiner bisherigen Berufslaufbahn dar.
Beschreiben Sie uns Ihren Alltag neben der Arbeit «an der Front»?
Für mich persönlich ist die Arbeit abwechslungsreich und spannend zugleich. Die Planung und Erstellung von Konzepten sowie deren Umsetzung ist faszinierend. Bei meiner Tätigkeit ergeben sich viele schöne und spannende Kontakte zu Menschen im Zivilschutz, in den Gemeinden, in unseren Partnerorganisationen und in der Politik. Für die Gemeinden erarbeiten wir zudem einiges, welches nicht direkt mit dem Zivilschutz zu tun hat – etwa die Anleitungen für die Organisation von Notfalltreffpunkten, für die Sicherheit an Schulen oder Notwasserkonzepte.

