«Eltern brauchen Orientierung für Spielgruppenwahl»
30.01.2026 PersönlichSpielgruppenleiterinnen wollen Eltern mit einer Informationskampagne die Auswahl einer Spielgruppe erleichtern. Gute Spielgruppen wirken sich positiv auf die Entwicklung von Kleinkindern aus, sagt Projektleiterin Sandy Kinnigkeit.
Sander van Riemsdijk
Frau ...
Spielgruppenleiterinnen wollen Eltern mit einer Informationskampagne die Auswahl einer Spielgruppe erleichtern. Gute Spielgruppen wirken sich positiv auf die Entwicklung von Kleinkindern aus, sagt Projektleiterin Sandy Kinnigkeit.
Sander van Riemsdijk
Frau Kinnigkeit, Spielgruppen sind in der Schweiz nicht reguliert.
Was bedeutet das?
Sandy Kinnigkeit: Das bedeutet, dass Spielgruppen im Gegensatz zu Kitas keinen einheitlichen gesetzlichen Vorgaben, Bewilligungen oder regelmässigen Kontrollen unterliegen. Qualität, Ausbildung des Personals, Sicherheitsstandards und pädagogische Konzepte können daher stark variieren. Für Eltern ist das oft nicht sichtbar, obwohl es grosse Unterschiede gibt.
Warum unterliegen Spielgruppen in der Schweiz keiner Kontrolle?
Historisch wurden Spielgruppen als private Angebote verstanden und nicht als Teil der formalen Kinderbetreuung. Entsprechend fehlen verbindliche gesetzliche Rahmenbedingungen. Das führt dazu, dass Verantwortung stark bei den Anbietenden und bei den Eltern liegt.
Der Schweizer Spielgruppen-Leiterinnen-Verband (SSLV) hat eine Sensibilisierungskampagne lanciert. Zu welchem Zweck?
Viele Eltern gehen davon aus, dass Spielgruppen automatisch sicher und qualitativ gut sind. Diese Annahme ist verständlich, aber nicht immer korrekt. Mit der Kampagne machen wir sichtbar, dass Qualität entscheidend ist und dass Eltern Orientierung brauchen, um gute Entscheidungen für ihr Kind treffen zu können. Der Zweck der Kampagne ist es, Eltern zu sensibilisieren, aufzuklären und zu stärken. Sie sollen so feststellen, woran sie Qualität erkennen können, und verstehen, warum diese für die Entwicklung und das Wohlbefinden ihres Kindes zentral ist. Gleichzeitig wollen wir eine Diskussion über Qualitätsstandards in Spielgruppen anstossen.
An wen richtet sich der Verband mit seiner Initiative?
Die Initiative richtet sich primär an
Eltern und Bezugspersonen von Kindern im Alter von 0 bis 4 Jahren. Darüber hinaus sprechen wir Grosseltern, Fachstellen, Kinderärztinnen und -ärzte, Gemeinden sowie weitere Akteure im Frühbereich an.
Welchen weiteren Fragestellungen widmet sich der SSLV?
Das Wirkungsgefüge des SSLV umfasst mehrere Ebenen: Qualitätssicherung durch Ausbildung und Weiterbildung, Sensibilisierung der Öffentlichkeit, politische Interessenvertretung sowie die Einbettung in nationale Strategien der frühen Förderung. Zentrale Fragestellungen sind dabei Chancengleichheit, Kinderschutz und die Frage, wie frühe Bildung nachhaltig gestärkt werden kann. Langfristiges Ziel ist die Etablierung verbindlicher Qualitätsstandards für Spielgruppen.
Warum sind Qualitätsstandards in einer Spielgruppe so wichtig?
Weil die frühe Kindheit eine besonders sensible Entwicklungsphase ist.
Qualität entscheidet darüber, ob Kinder sich sicher fühlen, Beziehungen aufbauen können und Lerngelegenheiten erhalten. Ohne klare Standards besteht das Risiko von Stress, Überforderung und verpassten Entwicklungschancen.
Welche Auswirkungen hat eine Spielgruppe, welche die Mindestanforderungen nicht erfüllt?
Fehlende Struktur, unzureichend qualifiziertes Personal oder ungeeignete Räume können bei Kindern Unsicherheit, Stress und Rückzug auslösen. Entwicklungsprozesse werden nicht unterstützt, manchmal sogar behindert. Solche Erfahrungen prägen Kinder stark.
Was gehört zu einer verlässlichen Spielgruppe?
Fachlich qualifizierte Betreuungspersonen, kindgerechte Räumlichkeiten, ein klares pädagogisches Konzept, stabile Beziehungen, emotionale Sicherheit und transparente Kommunikation mit den Eltern.
Wie können Kinder von einer Spielgruppe profitieren?
In qualitativ hochwertigen Spielgruppen erleben Kinder erste ausserfamiliäre Beziehungen, lernen soziale Regeln, Sprache, Motorik und Selbstwirksamkeit. Sie erfahren Zugehörigkeit, werden begleitet statt kontrolliert und können sich in einem sicheren Rahmen entwickeln.
Worauf sollen Eltern bei der Wahl einer Spielgruppe achten?
Sie sollten nach Ausbildung und Haltung der Betreuungspersonen fragen, sich die Räumlichkeiten anschauen, das pädagogische Konzept kennenlernen und auf ihr Kind achten: Fühlt es sich wohl, sicher und gesehen? Die Checkliste auf der Website unserer Kampagne bietet dafür eine konkrete Orientierung.
Wie weit ist die Schweiz mit der Umsetzung der UNO-Kinderrechtskonvention?
Die Schweiz hat die UNO-Kinderrechtskonvention ratifiziert, doch in der Umsetzung bestehen weiterhin Lücken, insbesondere im Frühbereich. Der Schutz, das Wohl und die Förderung von Kindern sind zwar anerkannt, werden aber nicht überall strukturell abgesichert. Gerade im Bereich der Spielgruppen zeigt sich, dass Rechte auf Schutz und Förderung noch nicht ausreichend gewährleistet sind.
Der Verband
Der im Jahr 2001 gegründete Schweizerische Spielgruppen-Leiterinnen-Verband (SSLV) vertritt die Interessen von Spielgruppenleiterinnen und -leitern, setzt sich für die Qualität und Anerkennung von Spielgruppen als frühkindliche Bildungsangebote ein, fördert die Professionalisierung der Spielgruppenleiterinnen und -leiter und bietet ihren Mitgliedern Beratung und Unterstützung in pädagogischen und rechtlichen Fragen. Sandy Kinnigkeit ist als erfahrene Kita- und Spielgruppenleiterin sowie Seminarleiterin und Familienberaterin Leiterin der SSLV-Kampagne «Qualität spielt die Hauptrolle». Sie lebt in Fislisbach im Kanton Aargau.

