Einzige Postleitzahl mit eigenem Programm
06.02.2026 Bezirk LiestalDer Verein «4410nights!» füttert die Kantonshauptstadt mit Leckerem vom Kulturbuffet
Die 4410 steckt im Namen des Kulturvereins und ist die Postleitzahl Liestals. Sie steht für Pop, «Plättli» und vielleicht bald schon Politik. Auch sie könne ...
Der Verein «4410nights!» füttert die Kantonshauptstadt mit Leckerem vom Kulturbuffet
Die 4410 steckt im Namen des Kulturvereins und ist die Postleitzahl Liestals. Sie steht für Pop, «Plättli» und vielleicht bald schon Politik. Auch sie könne unterhalten.
Daniel Aenishänslin
Zwei Steuermänner auf einem roten Sofa auf einer Kreuzfahrt auf Kurs zu weiteren Auftritten. Nicht den eigenen. Auf der Bühne im Kulturhotel Guggenheim am Liestaler Wasserturmplatz stehen für gewöhnlich Künstlerinnen wie Anna Rossinelli oder Künstler wie James Gruntz. Eric Rütsche (52) und Gaetano Florio (56) sind vielmehr die Macher hinter den Konzerten. Mit ihrem Verein «4410nights!» kümmern sie sich zudem um das Programm im «Elefantehuus» auf dem Areal der Elektra Baselland.
Seit Januar ist Gaetano Florio der neue Mann im Verein, zuständig für Booking, Produktion und Projekte. Florio war bereits Inhaber eines Tonstudios und einer Plattenfirma, war Roadmanager, besorgte das Booking für das «Atlantis» in Basel und tut das immer noch für das «Floss Festival Basel».
Florio hatte Glück, dass er sich 14-jährig beide Handgelenke brach. Fortan konnte er nicht mehr Schlagzeuger sein. Doch seine Kumpels wollten ihn nicht gehen lassen: «Du wirst jetzt unser Techniker und Manager.» Diesem Business ist Gaetano Florio treu geblieben.
Im vergangenen Jahr veranstaltete «4410 nights!» 56 Anlässe. «Wir wollen die Kadenz erhöhen, man muss aber merken, wann es genug ist», sagt Gaetano Florio. «Man kann sich auch zu Tode optimieren.» Aber man müsse es auf die Karte jener schaffen, welche die Tourneen planten.
Das «Elefantehuus», 2024 eröffnet, sieht Florio noch in der Emanzipations- und Wachstumsphase, das
Guggenheim dagegen habe sich in den vergangenen 15 Jahren etabliert. «Es gibt Künstler, die sehr gerne wiederkommen, auch wenn sie in grösseren Lokalitäten spielen könnten», sagt Florio. «Das wollen wir konsolidieren und ausbauen.»
Zwischen Comedy und Politik
Auf dem Programm steht traditionell ganz viel Popmusik. Auch Lesungen oder Comedy sind im Angebot. Comedy sei sogar im Trend, sagt Eric Rütsche. Mit Fabio Landert und Mateo Gudenrath sei ein Humor für die 25- bis 30-Jährigen eingezogen. Das sei wichtig, sagt Rütsche: «Wenn wir nur Sina-
Konzerte bieten, stirbt uns die Kundschaft weg. Für den Organismus des Programms ist es wichtig, dass wir neue Trends aufnehmen und dadurch neue Leute gewinnen.»
Eric Rütsche denkt darüber nach, künftig politische Veranstaltungen ins Programm aufzunehmen. «Das Guggenheim platzte aus allen Nähten», beschreibt er jenen SP-Event im November 2022 mit Eva Herzog, Elisabeth Baume-Schneider und Evi Allemann auf dem Podium. Jede der drei Sozialdemokratinnen wollte den Bundesratssitz von Simonetta Sommaruga erben. «Solche Sachen sollten viel mehr passieren», sagt Rütsche.
Trotz mehr Comedy und Politik sollen die Bands weiterhin gehegt und gepflegt werden. «Wir sind Musiker, wir wissen, was wichtig ist», sagt Eric Rütsche. Das seien «glasklare» Verträge, einen Platz, wo das Auto abgestellt werden kann, die Gewissheit, dass der Techniker findet, was er braucht «und um 18 Uhr ein attraktives Abendessen». Bier und Wein seien nicht limitiert.
Nach dem Konzert warte jeweils ein «Plättli». Etwas, das Anna Rossinelli sehr schätzt: «Viele Veranstalter vergessen, dass Sänger vor einem Konzert oft wenig essen, weshalb es hinterher zu Kohldampf kommt.» Auf den Weg, führt Rütsche weiter aus, gebe es noch ein Sandwich, einen Handschlag und eine Umarmung. «Das alles führt zu einem guten Erlebnis für die Bands, Techniker und Gäste.
Anlässlich des 10-Jahre-Jubiläums des Guggenheim erinnerte sich Rossinelli an eines ihrer Guggenheim-Konzerte. Der Strom sei ausgefallen, aber niemand nervös geworden. Die elektrischen Instrumente seien einfach durch akustische ersetzt worden, vom Konzertsaal sei man in den Hinterhof gezogen. «Das sind doch diese special moments, die ein Konzert zu einem besonderen machen», sagte Anna Rossinelli schon damals. Solche «magischen» Nächte nennt Rütsche seine «Mission».
«Schmiermittel»
«Die ersten zehn Jahre habe ich mir keinen Lohn ausbezahlt, jetzt einen kleinen», erzählt Eric Rütsche. Seinen Unterhalt habe er sich als Musiklehrer verdient. Auch die übrigen Vereinsmitglieder seien ehrenamtlich an der Arbeit gewesen. Das gehe irgendwann nicht mehr auf, sagt er. «Wenn du professionell sein willst, musst du den Leuten Lohn zahlen.» Damit steigen die Kosten und mit ihnen wächst die Hoffnung auf finanzielle Unterstützung.
Gaetano Florio sieht den Verein «4410nights!» aber keinesfalls als «Bittsteller, der sich entschuldigen muss, dass er Geld braucht». Kultur tue dem Menschen gut, bewege etwas in ihm, mache einen glücklicher und zufriedener. Das Geld sei also lediglich das nötige «Schmiermittel». Man suche Partner, mit denen man auf Augenhöhe sprechen könne.
Seine ersten zwölf Jahre hat der Verein hinter sich gebracht. Die nächsten zwölf versprechen spannend zu werden. Den Kurs zu halten, könnte aber deutlich weniger gemütlich werden als ein Päuschen auf dem roten Sofa. Kulturarbeit bleibt Knochenarbeit.

