Eine Wappenscheibe für den General
22.01.2026 BaselbietAn einem Fenster in Pully (VD) hängt ein Geschenk der Schützengesellschaft Liestal
Im ehemaligen Wohnhaus von General Henri Guisan in Pully hängt bis heute eine Wappenscheibe aus Liestal. Das Geschenk der Schützengesellschaft Liestal erinnert an die Ehrenmitgliedschaft ...
An einem Fenster in Pully (VD) hängt ein Geschenk der Schützengesellschaft Liestal
Im ehemaligen Wohnhaus von General Henri Guisan in Pully hängt bis heute eine Wappenscheibe aus Liestal. Das Geschenk der Schützengesellschaft Liestal erinnert an die Ehrenmitgliedschaft des Generals im Jahr 1946.
Lorenz Degen
Selten ist das ehemalige Wohnhaus von General Henri Guisan zu besichtigen. Das Anwesen mit dem Namen «Rive verte» liegt in Pully im Kanton Waadt, wunderschön direkt am Genfersee, mit einem grossen, parkähnlichen Garten. Seitlich angebaut und ins Erdreich vertieft befindet sich ein später angefügter Seminarraum, darüber thront würdevoll die stattliche Villa. Guisan lebte hier mit seiner Familie; hier starb er auch am 7. April 1960 im Alter von 85 Jahren. Seine Beerdigung in Lausanne gilt als die grösste, die die Schweiz je erlebt hat.
Das Parterre von «Rive verte» ist als Museum mit der Originaleinrichtung erhalten geblieben, in den oberen beiden Stockwerken wohnen Mieter der Stiftung, die das Anwesen verwaltet.
Bis heute bekannt
Bis heute gehört Guisan zu den bekannten Persönlichkeiten der jüngeren Schweizer Geschichte, auch wenn seine Popularität längst nicht mehr jene Höhen erreicht wie noch vor 60 Jahren. Seit den Kontroversen vor rund 30 Jahren um die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg werden auch die Entscheide und Strategien des Generals vermehrt kritisch hinterfragt, vor allem von linker Seite. War die Reduit-Idee die Rettung der Schweiz vor einem deutschen Angriff oder eine fahrlässige Massnahme, die den Grossteil der Bevölkerung einer Invasion preisgegeben hätte? Die linke «Wochenzeitung» (WOZ) versucht derzeit mit einer Artikelserie, das positive Bild des landesväterlichen Generals infrage zu stellen – nicht ohne polemische Zuspitzung.
Biografische Massstäbe setzte Willy Gautschi mit seinem Standardwerk (erschienen 1989); elf Jahre später folgte Markus Somm, allerdings ohne den wissenschaftlichen Tiefgang zu erreichen, den Gautschis Arbeit auszeichnet.
Ehrenmitglied der SGL
Mit dem Baselbiet hatte Guisan nicht viele, aber doch einige Berührungspunkte. Der Bevölkerung von Waldenburg beispielsweise zeigte er sich etwa 1943 beim Besuch der Revue Thommen anlässlich deren 90-jährigen Bestehens. Nach dem Krieg besuchte er die Schützengesellschaft Liestal (SGL).
Urs Schafroth, Archivar der SGL, fand im Protokoll von 1946 folgenden Eintrag: «Ehrungen. Anlässlich der Jahresversammlung wurde der um unser Vaterland sehr verdiente General, Henri Guisan, zum Ehrenmitglied ernannt. Als Ehrengeschenk überreichten wir ihm die Wappenscheibe.
Der General äusserte grosse Freude an der ihm zuteil gewordenen Ehrung und stellte uns seinen Besuch in Aussicht, auf den wir uns alle freuen.»
Im Archiv der SGL hat sich zudem ein Foto erhalten, das den General inmitten der Liestaler Schützen zeigt.
Wer heute eine der seltenen Gelegenheiten wahrnimmt und Guisans Villa von innen besichtigen kann, entdeckt am grossen Seitenfenster des Esszimmers die im Protokoll erwähnte Wappenscheibe. In der unteren linken Ecke ist eine Ansicht der Stadt Liestal zu sehen, darunter stehen aufgemalt die Worte:
DIE SCHÜTZENGESELLSCHAFT
LIESTAL IHREM EHRENMITGLIED
GENERAL HENRI GUISAN 1946
Es ist erfreulich, dass das Liestaler Geschenk einen so würdevollen Platz erhalten hat und auch heute, fast 80 Jahre später, noch an die Verbundenheit der Schützengesellschaft Liestal mit dem General erinnert.


