Eine prägende Figur tritt ab
26.06.2026 Itingen«Gemeinsam etwas für die Gemeinde erreichen war immer am schönsten»
Der Itinger Gemeindepräsident Martin Mundwiler wird Ende Juni nach 19 Jahren im Gemeinderat, fast die ganze Dauer als Präsident, sein Amt abgegeben. Der 65-Jährige schaut mit grosser ...
«Gemeinsam etwas für die Gemeinde erreichen war immer am schönsten»
Der Itinger Gemeindepräsident Martin Mundwiler wird Ende Juni nach 19 Jahren im Gemeinderat, fast die ganze Dauer als Präsident, sein Amt abgegeben. Der 65-Jährige schaut mit grosser Demut und Wertschätzung auf die Zeit zurück.
Willi Wenger
19 Jahre im Gemeinderat von Itingen, davon 18 Jahre und 9 Monate als Präsident: Das ist die Bilanz von Martin Mundwiler, der mit Dankbarkeit und auch mit Wehmut auf die vergangenen zwei Jahrzehnte zurückschaut. «Es war eine intensive, bereichernde und schöne Zeit», sagt der 65-jährige ehemalige Postbeamte.
Er ergänzt, dass er das Amt immer mit grosser Freude ausgeübt habe. «Aber nach fast zwei Jahrzehnten habe ich gemerkt, dass trotz der langen Zeit des Begleitens und des Gestaltens ein natürlicher Zeitpunkt gekommen ist, Verantwortung weiterzugeben. Den Platz für neue Kräfte freizugeben und die Umsetzung neuer Ideen zu ermöglichen, ist jetzt das Richtige». Mundwilers Rücktritt erfolgt vor dem Ende der regulären Amtsperiode, die bis zum 30. Juni 2028 gedauert hätte.
Als Mundwiler im April 2007 als Gemeinderat und gleichzeitig als Vizepräsident sowie auf Anfang Oktober des gleichen Jahres zum Gemeindepräsidenten von Itingen gewählt wurde, war der Zeitgeist noch ein völlig anderer. Damals sei die Bereitschaft grösser gewesen, gemeinsam Lösungen mitzutragen, sagt er im Rückblick. Die Bevölkerung hinter gemeinsame Projekte zu bringen gelang sehr viel häufiger. «Heute werden Entscheide schneller und grundsätzlich infrage gestellt. Das Ganze ist deutlich anspruchsvoller geworden.»
Alles viel emotionaler
Der Vater von zwei erwachsenen Töchtern hält zudem fest, dass er den Eindruck hat, dass sich die Stimmung in den vergangenen Jahren, besonders nach der Corona-Zeit, verändert habe. «Diskussionen werden emotionaler geführt. Ich hatte teilweise das Gefühl, dass das Vertrauen in Behörden und Institutionen verloren gegangen ist.»
Besonders in der Anfangszeit als Gemeindepräsident musste Martin Mundwiler hart arbeiten und sehr viel lernen. Bis zu diesem Zeitpunkt in der Politik inaktiv, erwies er sich als Neuling. «Ich wusste in diesem Sinne nicht viel und musste auch Lehrgeld zahlen.» Er dürfe aber heute sagen, dass er stets sein Bestes gegeben und das Amt als Gemeindepräsident mit Engagement, Professionalität, Weitsicht und Herzblut ausgeübt habe.
Eine Einwohnergemeindeversammlung zu leiten, erwies sich als Herausforderung. Die habe er aber gemeistert, meint Mundwiler: Bereits nach der ersten Gemeindeversammlung sei dieses Manko verschwunden gewesen. Geholfen habe ihm dabei die hoch professionelle Arbeit der Verwaltung: «Diese beurteile ich als herausragend. Verwalter Reto Lauber und sein Personal leisten Grossartiges und unterstützen die Exekutive tadellos.»
Ein Mann der Zusammenarbeit
Heute seien die Geschäfte elektronisch verfügbar, sodass die Akten jederzeit von zu Hause aus studiert werden können. Und: «Positiv ist auch, dass wir noch alle zwei Wochen eine Gemeinderatssitzung durchführen. Das ist absolut kein Problem», stellt Mundwiler klar.
Als Gemeindepräsident hat Mundwiler viel Wert darauf gelegt, mit den Nachbargemeinden eine gute Zusammenarbeit zu pflegen. Anlass dafür gaben unter anderem gemeinsame Kommissionen oder Zweckverbände der Gemeinden.
Den Vorsitz im Vorstand des «Zweckverbandes Versorgungsregion Oberbaselbiet» wird Mundwiler auch als Alt-Gemeindepräsident weiter behalten, ist ihm doch die bedarfsgerechte Pflege und Betreuung betagter Personen in den 15 Mitgliedsgemeinden wichtig. Als Vorstandsmitglied der Spitex Sissach und Umgebung war Mundwiler bis Ende Juni ebenfalls aktiv.
Freundschaften gewonnen
Und: Als Gemeindeoberhaupt vertrat er Itingen zudem in kantonalen Gremien wie im Verband Basellandschaftlicher Gemeinden. Er sagt schliesslich, dass es für ihn immer am Schönsten gewesen sei, wenn man gemeinsam etwas für die Gemeinde erreichen konnte, unabhängig von den politischen Interessen. «Besonders geschätzt habe ich auch die zahlreichen Kontakte und Begegnungen mit anderen Politikerinnen und Politikern, aus denen sogar Freundschaften entstanden sind.»
Eine Bereicherung während seiner Amtszeit sei zudem der alle zwei Jahre stattfindende Industrie- und Gewerbeapéro gewesen, der von den Gewerbetreibenden stets geschätzt worden sei.
«Mehr als 3000 Einwohner werden wir kaum je haben»
Herr Mundwiler, was war das persönliche Glanzlicht Ihrer Amtszeit?
Martin Mundwiler: Ich habe viele Glanzlichter erlebt. Ich blicke so beispielsweise auf die Erschliessung des Gewerbegebiets Dellenboden zurück oder den Neubau des Kindergartens. Die Erweiterung des Schulhauses und die Modernisierung der Gemeindeverwaltung waren für mich weitere Höhepunkte in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Generell kann ich sagen, dass ein Glanzlicht auch die Freude am Amt war. Wir waren im Gemeinderat immer parteilos unterwegs und wir waren in diesem Sinne keine Parteisoldaten. Dies stärkte das Klima in einem sehr kollegialen und konstruktiven Verhältnis. Ich ging immer gerne zu den Gemeinderatssitzungen, auch wenn wir nicht immer gleicher Meinung waren. Wir konnten intern aber stets respektvoll und lösungsorientiert zusammenarbeiten. Das alles beeindruckte mich.
Welches Ziel haben Sie nicht erreicht?
Als ich im April in den Gemeinderat gewählt und nur drei Monate später Gemeindepräsident wurde, war die Dorfstrasse bereits ein Dauerthema. Eigentlich wollte ich im Amt bleiben, bis diese Strasse saniert ist. Ja, dieses Vorhaben konnte ich nicht umsetzen, bin aber überzeugt, dass dieses «in Bälde» umgesetzt werden kann. Als «nicht erreicht» kann ich weiter den Quartierplan Zentrum von 2024 nennen oder das geplante Trailcenter, das Anfang Dezember des vergangenen Jahres von der Bevölkerung an der Urne abgelehnt wurde. Die Ablehnung dieser zwei wichtigen Vorlagen hat mich persönlich enttäuscht. Nicht, weil man Abstimmungen nicht verlieren darf – das gehört zur Demokratie –, sondern weil wir überzeugt waren, gute und verantwortungsvolle Lösungen für die Gemeinde vorgeschlagen zu haben.
Welche Vision haben Sie noch?
Nach meinem Rücktritt habe ich in Bezug auf die Gemeinde keine offiziellen Visionen mehr. Als Bürger und Einwohner wünsche ich mir zu gegebener Zeit ein modernes Raumentwicklungskonzept in Verbindung mit einem revidierten Zonenplan. In Bezug auf das Wachstum wage ich die Prognose, dass wir kaum mehr als 3000 Einwohnerinnen und Einwohner haben werden. Das Dorf soll moderat und ruhig wachsen. Die Verwaltung wird weiterhin als Dienstleistungsbetrieb ihre unverzichtbaren Arbeiten im Dienste der Bevölkerung erfüllen.
Welchen Rat geben Sie Ihrer Nachfolgerin?
Keinen. Meine Nachfolgerin Cécile Schmidt Bur ist seit zehn Jahren im Amt und sie kennt den Betrieb bestens. Ich bin sehr froh, dass Schmidt Bur als Gemeindepräsidentin gewählt worden ist. Sie ist im Dorf gut verankert, ist kommunikativ und benötigt von mir keinen Rat für die Zukunftsplanung. Die Bevölkerung darf sich freuen, dass sie nunmehr eine derart gute wie motivierte Frau an der Spitze Itingens haben darf. Aber: Dass das Präsidium deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, als ein «normaler» Gemeinderat aufwendet, wird sie von selbst erkennen.
Wie wird die nächste Generation Itingen verändert haben?
Das ist schwierig zu beurteilen. Ich wünsche mir aber, dass die Gemeinde offen, lebendig und menschlich bleibt. Und dass man trotz unterschiedlicher Meinungen respektvoll miteinander umgeht. Ich kann der nächsten Generation nur empfehlen, sich für ein Gemeinderatsamt zur Verfügung zu stellen. Es ist ein Privileg in unserem Land, dass wir das in diesem Ausmass tun können. Vertreter der jüngeren Generation sind auch in der Kommunalpolitik ein Gewinn.
MARTIN MUNDWILER
en. Der nunmehr pensionierte Martin Mundwiler ist in Tecknau zusammen mit seiner um ein Jahr älteren Schwester Silvia aufgewachsen. Nach der Primarschule besuchte er die damalige Realschule in Gelterkinden. Der Start in seine Berufsausbildung erfolgte an der damaligen zwei Jahre dauernden Verkehrsschule Basel, welche Voraussetzung für den Einstieg bei der Post war, wo er sich in Gelterkinden, wieder während zwei Jahren, als Betriebssekretär PTT ausbilden liess. Es war damals «ein Muss», wie Mundwiler sagt, ein Jahr in der Romandie zu absolvieren. So verbrachte er es in der Hauptpost in Genf. Nach der Rekrutenschule als Motorfahrer in Wangen an der Aare arbeitete der gebürtige Tenniker als Betriebssekretär Kadernachwuchs in Gelterkinden und Sissach, ehe er während 21 Jahren das Amt des Posthalters in Itingen bekleidete. Es folgten weitere Funktionen als Poststellenleiter in Sissach und Gelterkinden, wo er schliesslich pensioniert wurde. Mundwiler ist Vater zweier Töchter und vierfacher Grossvater. Seine Steckenpferde sind im Winter Curling und im Sommer Mountainbiken.


