Eine Million für Bauern- und Posamenterhaus
12.07.2024 Bezirk Waldenburg, ReigoldswilTenn und Ställe im Zentrum der ersten Sanierungsphase «Im Feld»
In Reigoldswil hat mit der Räumung des Ökonomiegebäudes in der Liegenschaft «Im Feld» die Sanierung des gleichnamigen Museums begonnen. Geplant ist in einer ersten Phase im ...
Tenn und Ställe im Zentrum der ersten Sanierungsphase «Im Feld»
In Reigoldswil hat mit der Räumung des Ökonomiegebäudes in der Liegenschaft «Im Feld» die Sanierung des gleichnamigen Museums begonnen. Geplant ist in einer ersten Phase im ehemaligen Bauern- und Posamenterhaus der Umbau des Tenns, der Ställe und des Dachgeschosses. Die Bauherrin, die Johann-Rudolf-Plattner-Stiftung, investiert dafür 1 Million.
Willi Wenger
Stiftungsrat Hansruedi Sutter und Urs Dettwiler, der Präsident der «Gesellschaft zum Feld», sehen dem Baustart nach den Sommerferien zuversichtlich entgegen. Sie können das tun, haben sie doch die Mittel für die Sanierung der 1765 in Reigoldswil erbauten Liegenschaft auftreiben können. Substanzielle Mittel steuern der Baselbieter Swisslos Fonds (400 000 Franken), die Standortgemeinde (200 000 Franken), Stiftungen sowie Firmen und Private (je 100 000 Franken) bei. Weitere rund 100 000 Franken gehen aufs Konto von diversen «Kleinspendern».
Das zweigeschossige Haus – es umfasst das Wohnhaus mit zwei Wohnungen und das Ökonomiegebäude unter einem gemeinsamen Dach – wird nach der Sanierung von aussen nicht verändert sein. Die Struktur des Hauses bleibe so wie sie ist, sagt Dettwiler. «Denn», so der Präsident der «Gesellschaft zum Feld» weiter, «das Haus ist das Museum.» Geplant ist aber im Grundsatz trotzdem eine «neue» Liegenschaft in einem guten Zustand. Denn: Auch inskünftig soll gemäss Stiftungsrat Sutter der gut erhaltene Zeitzeuge bäuerlicher Bauweise und Baukultur eindrücklich dokumentieren, wie Arbeiten und Wohnen unter einem Dach vom 18. bis ins 20. Jahrhundert organisiert waren.
Ab August werden die wichtigsten Änderungen im Ökonomieteil an die Hand genommen. Das Tenn wird zu einem Veranstaltungsraum. Im Stall entsteht Infrastruktur mit Küche und Toiletten. Im Obergeschoss beziehungsweise in der Scheune wird ein Mehrzweckraum für rund 20 Personen eingerichtet, zu welchem eine (Tee-)Küche mit WC und Garderoben gehören werden. Ein Archiv für den Verein ergänzt das Angebot.
Dass das im Jahr 1765 erbaute Dreisässenhaus ein wertvoller historischer Zeitzeuge der bäuerlichen Baukultur im Baselbiet darstellt, steht für Sutter wie auch für Dettwiler ausser Diskussion. Sie halten fest, dass im Speziellen die typische Bauart sowie die erhaltene Raumausstattung den hohen Zeugniswert begründen. So stamme die Raumausstattung mit Holzböden, Steinplattenboden in der Küche, Wandtäfer, Kachelofen, Rauchfang, Schüttstein mit Abflussrinne und Kochherd aus der Erbauungszeit und aus dem 19. Jahrhundert.
Geld reicht noch nicht
Die zur Verfügung stehenden 1 Million Franken für die jetzige Sanierungsphase zeigen auch, dass der Bauherrin – der Johann-Rudolf-Plattner-Stiftung, die von Stephan von Daeniken präsidiert wird – für die Erneuerung der Wohnung im Obergeschoss über dem Museum, die am Ende dem heutigen Wohnausbaustandard entsprechen wird, noch immer gegen eine halbe Million Franken fehlen. «Diese Summe müssen wir noch auftreiben», sagt Sutter, der optimistisch ist. Dettwiler ergänzt, dass diese Wohnung grundsätzlich so bleiben wird, wie sie ist. Auch jene im Erdgeschoss mit Stube, Küche, Ausstellungsraum/Museum und Posamenterstube, wo einst der 1978 verstorbene Johann Rudolf Plattner, im Dorf «Fäld Ruedi» genannt, lebte.
Alles in allem: Das Haus «Im Feld» soll durch die Aufwertung vermehrt zu einem Ort der Inspiration, der Bildung und der Freude an Geschichte und Kultur werden. Dass dies so werden wird, verdankt die Bauherrin auch der kantonalen Denkmalpflege. «Mit ihr pflegen wir einen ausgezeichneten Kontakt», sagen Dettwiler und Sutter unisono. Gemeindepräsident Fritz Sutter freut sich ebenfalls und sagt, die Vision – ein Kulturzentrum für Reigoldswil – sei unverkennbar ein Bedürfnis: «Die politischen Behörden sind daher sehr dankbar, dass sich seit Jahren so viele für die Belange des Ortsmuseums ‹Im Feld› einsetzen.»
«Gesellschaft zum Feld»
en. Die «Gesellschaft zum Feld» ist 1986 gegründet worden. Sie ist die Trägerin des Reigoldswiler Dorfmuseums «Im Feld». Die Gesellschaft setzt sich zum Ziel, einerseits finanzielle Mittel zur Erhaltung und Erweiterung der Gebäulichkeiten und des Sammlungsgutes zu beschaffen, andererseits Vorträge und Ausstellungen zu organisieren, um das Dorfmuseum zu einer historischen und volkskundlichen Begegnungsstätte zu machen. Die jährlich wechselnde Ausstellung im Raum hinter der Küche wird viel beachtet. Beliebt sind Spezialführungen ausserhalb der normalen Öffnungszeiten wie auch Apéros, beispielsweise bei Klassenzusammenkünften. Das Museum ist jeweils am ersten Sonntag im Monat geöffnet; erstmals wieder am 1. September.


