Ein Fest für die Sinne
31.10.2023 Bezirk SissachEin Nachmittag in der neuen «Buurehofspiilgruppe Hofzwärge»
Viele Kinder, die gerne draussen sind, träumen davon, wöchentlich einen Nachmittag auf einem Bauernhof verbringen zu können. Seit August kann dieser Traum auf dem Hof Grossacker in Hersberg ...
Ein Nachmittag in der neuen «Buurehofspiilgruppe Hofzwärge»
Viele Kinder, die gerne draussen sind, träumen davon, wöchentlich einen Nachmittag auf einem Bauernhof verbringen zu können. Seit August kann dieser Traum auf dem Hof Grossacker in Hersberg erfüllt werden.
Brigitte Keller
Wer noch keine Regenhosen und Gummistiefel trägt, zieht diese mit der Hilfe der beiden Leiterinnen jetzt an. Denn bis vor einer Stunde hat es noch ausgiebig geregnet und weiteres Nass soll folgen. Ganz im Sinne von «Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleider». Einzig die 9000 Legehennen sollen und wollen an diesem Regentag nicht vor die Türe. Nach dem Begrüssungsritual geht es direkt Richtung «Meersäuli»-Stall. Die Fütterung der kleinsten Hofbewohner ist ein lieb gewonnenes Ritual zum Start in den Nachmittag der Bauernhofspielgruppe, die seit August auf dem Hof Grossacker in Hersberg existiert.
Die Idee zur Spielgruppe auf dem Bauernhof hatten Diana Gürtler und Janine Surer. Gürtler führt mit ihrem Mann seit 2018 den Bauernbetrieb «Hof Grossacker» in dritter Generation. Sie sind Eltern eines vierjährigen Sohnes und einer zweijährigen Tochter. Surer wohnt ebenfalls in Hersberg und wurde vergangenes Jahr Mutter eines Sohnes. Auf einem Spaziergang im Frühling traf sie auf Gürtler und die beiden jungen Mütter kamen ins Gespräch. Die Frage Surers, warum es hier keine Bauernhofspielgruppe gebe, stiess bei der jungen Bäuerin auf offene Ohren.
Start mit sieben Kindern
Diese Idee hatte Gürtler nämlich selber schon. Beim Umbau des Hofs 2021 entstand ein grosser Raum mit Küche, wo genügend Platz dafür eingeplant wurde. «Eine Bedingung für mich war aber, dass jemand mit einer Fachausbildung dabei sein müsste», sagt Gürtler. Genau darüber verfügt Surer, sie ist Fachfrau Betreuung Kinder EFZ und arbeitet Teilzeit in einer Tagesbetreuungs-Institution. Alles passte und die beiden Hersbergerinnen machten sich umgehend an die Planung.
Bereits diesen August startete die Spielgruppe mit sieben Kindern. Gerade nehmen sich die «Hofzwärge» ein passendes zwei- oder dreirädriges Fahrzeug aus dem «Fuhrpark», und los geht es als Nächstes in Richtung Kuhstall, eine Fahrt mitten durch Pfützen inklusive. Auch Hofhund Mira ist Teil der munteren Truppe. Das Thema des Tages ist dem Apfel gewidmet. Nach den «Meersäuli» dürfen die Kinder auch den Mutterkühen Apfelstücke zum Fressen anbieten.
Die schönsten Äpfel aber sind für ein ganz besonderes Unterfangen an diesem Tag reserviert, fürs Mosten nämlich. Drei Becken mit zerkleinerten Äpfeln stehen bereit und warten darauf, in noch kleinere Stücke geraffelt und anschliessend ausgepresst zu werden. Viele kleine Hände können es kaum erwarten loszulegen und den köstlichen Saft zu trinken. Die Mostpresse ist Objekt der Begierde, das schön illustrierte Bilderbuch, das vorgängig gezeigt wird, hat es schwer dagegen.
Kinder ab ungefähr zweieinhalb Jahren können die Spielgruppe besuchen. Bis zu 12 Kinder könnten teilnehmen, je nach Konstellation und Alter. Ein Nachmittag mit zweieinhalb Stunden Betreuung kostet 30 Franken. Aktuell sind es total sieben Kinder, auch Windeln sind kein Hindernis. Damit kennen sich die beiden Frauen mit eigenen kleinen Kindern aus. Bei genügend Anfragen soll ein zweiter Halbtag angeboten werden. Ein kostenloses Schnuppern ist jederzeit nach Anmeldung möglich.
Die beiden Leiterinnen bereiten immer etwas vor, zur Region und Saison passend, meistens mit Sachen aus der Natur. Ein Anliegen ist den beiden auch, aufzuzeigen, woher die ganzen Lebensmittel kommen, sowie der Bezug zu Tieren und die Verantwortung für sie. Meistens hält sich die Gruppe draussen auf, viel Zeit bleibt fürs freie Spielen. Dafür sollen bis kommenden Frühling noch ein gemütlicher Aussenspielplatz und ein Gartenbeet entstehen. Sicherheit hat immer oberste Priorität, der Traktor bleibt stehen an diesem Nachmittag.
Gerade, als es wieder anfängt zu regnen, geht es wieder rein in den Gruppenraum, wo es heute zum Zvieri, wie könnte es anders sein, Äpfel gibt mit einem Weggli dazu. Der Aufenthalt draussen an der frischen Luft hat ja auch mächtig Appetit gemacht.