E-Bike-Odyssee endet in Kanada
15.01.2026 NiederdorfEigentümer verfolgte Weg seines gestohlenen Velos per Tracker
Peter Schweizer hat den Weg seines im Oktober in Liestal gestohlenen E-Bikes via Elsass, Italien und Nordafrika bis nach Kanada verfolgen und den jetzigen Besitzer sogar kontaktieren können. Dieser sagt, er habe das ...
Eigentümer verfolgte Weg seines gestohlenen Velos per Tracker
Peter Schweizer hat den Weg seines im Oktober in Liestal gestohlenen E-Bikes via Elsass, Italien und Nordafrika bis nach Kanada verfolgen und den jetzigen Besitzer sogar kontaktieren können. Dieser sagt, er habe das 9000-Franken-Velo für knapp 300 Franken legal erworben.
Christian Horisberger
Man stelle sich vor, man sitzt mit einem Bärenhunger am Tisch – vor sich eine Portion wunderbar duftende Spaghetti Bolognese. Aber zwischen Mensch und Teller befindet sich ein engmaschiges Metallgitter; die Pasta ist unerreichbar. So muss sich Peter Schweizer in den vergangenen Wochen gefühlt haben.
Im Oktober ist dem Niederdörfer in Liestal vor einem Laden ein hochwertiges E-Mountainbike gestohlen worden (siehe «Volksstimme» vom 14. Oktober 2025). Den Tätern reichten fünf Minuten, während denen der pensionierte Garagist im Laden war, um dessen nicht abgeschlossenes Velo zu klauen.
Schweizer war zuversichtlich, sein Bike zurückzubekommen, denn er hatte es mit einem Tracker der Firma Apple ausgerüstet. Dieser sendet immer, wenn er irgendwo auf der Welt über Bluetooth in die Nähe eines Apple-Geräts kommt, seinen Standort an Schweizers Handy. Der Bestohlene verständigte die Polizei, die aufgrund der Tracker-Meldungen versuchte, das Velo aufzuspüren – zunächst im Baselbiet, dann im Elsass. Das Problem: Da das System vom Kontakt zu Apple-Geräten abhängig ist, die online sind, konnte der Standort des Velos nicht in Echtzeit verfolgt werden. Die Jagd erwies sich als schwieriger als gedacht. Als das Velo im Tessin über die Grenze nach Italien geschafft wurde, gab die Polizei auf. Der Tracker, den der Automechaniker gut versteckt am Velo im Wert von 8700 Franken montiert hatte, blieb unentdeckt. Schweizer konnte – oder musste – «zusehen», wie sein Bike vom italienischen Mittelmeerhafen Civitavecchia nach Tunis verschifft wurde und zunächst in einer algerischen Stadt landete.
Endstation Kanada
Ermittlungs- und versicherungstechnisch ist der Fall längst abgeschlossen: Das Velo ist verloren, Peter Schweizer ist für den Schaden von seiner Versicherung anstandslos entschädigt worden. Aber natürlich hat der 66-jährige Hobby-Biker den Weg, den sein Velo genommen hat, weiter verfolgt. Als sich die «Volksstimme» bei ihm nach dem aktuellen Standort des E-Bikes erkundigt, kann er exakt Auskunft geben: «Rue Fortin in Gatineau, einer Stadt in der Nähe von Ottawa, der Hauptstadt Kanadas.» Nach Algerien Kanada also. Als er die Adresse an seine Tracking-App auf dem Handy übermittelt erhielt, habe er nicht schlecht gestaunt, sagt Schweizer. Auch der Elsässer Ermittler, der ihn bei der Jagd auf die Velodiebe unterstützt hatte, sei überrascht gewesen, dass Banden, die im französisch-schweizerischen Grenzgebiet agieren, ihre Beute via Nordafrika auch über den Atlantik verschiffen.
Den exakten Standort des Velos und des unrechtmässigen Besitzers zu kennen und nichts unternehmen zu können, fuchste Peter Schweizer. Er erzählte die Geschichte einem Freund, der im Internet zu recherchieren begann, wer an der übermittelten Adresse wohnt. Mit Erfolg. Sein Freund habe via «Facebook» eine Person ausfindig gemacht und kontaktiert. Diese verwies an einen anderen Mann im Haus, der tatsächlich seit kurzer Zeit im Besitz eines neuen E-Mountainbikes sei, berichtet Schweizer.
Rückverkauf angeboten
Es kam zum Kontakt mit dem «Eigentümer» des Velos. Als dieser erfuhr, dass es in der Schweiz gestohlen worden sei, gab der Mann an, es für 500 kanadische Dollar – das entspricht 290 Schweizer Franken – legal erworben zu haben. Dies zweifelt der tatsächliche Eigentümer stark an: «Man sieht dem Velo auf den ersten Blick an, dass es viel mehr wert ist. Ich glaube, der neue Besitzer weiss genau Bescheid und hat den Ahnungslosen gespielt.» Der Mann habe angeboten, das Velo wieder abzugeben, sofern man ihm den Kaufpreis erstattet. Darauf aber verzichtete Peter Schweizer: «Den Rücktransport zu organisieren wäre mir zu umständlich und zu teuer gewesen.» Und die Versicherung habe ja schon wenige Tage nach dem Diebstahl bezahlt. Dies im Wissen, dass der Standort des Velos ermittelt werden kann, wie Schweizer kritisch anmerkt.
Kurze Zeit nach dem Kontakt mit «Kanada» wurde der Tracker am Velo deaktiviert. Peter Schweizer hat ebenfalls den Schlussstrich gezogen. Anstatt mit der Situation zu hadern und sich darüber aufzuregen, sage er sich, dass es sein Fehler gewesen sei, das Velo nicht abzuschliessen und er es jetzt besser mache: Wenn Peter Schweizer heute mit dem Bike losfährt, steckt er immer ein neues, massives Veloschloss in seinen Rucksack.
Massnahmen gegen Velodiebstähle gefordert
vs. Dem SP-Landrat Jan Kirchmayr ist der in den beiden Basel rekordhohe Veloklau und die gleichzeitig sehr tiefe Aufklärungsrate von Velodiebstählen teilweise von professionellen Banden, die aus dem Ausland agieren, ein Dorn im Auge. In einer Interpellation, die er an der heutigen Landratssitzung einreicht, möchte der Aescher von der Regierung wissen, wie viele Velos und E-Bikes in den vergangenen fünf Jahren im Baselbiet gestohlen wurden, welche Anstrengung die Polizei unternimmt, um Velodiebstähle zu verhindern und welche Möglichkeiten der Regierungsrat sieht, um Velodiebstähle zu verhindern und aufzuklären. Ferner erkundigt sich Kirchmayr nach dem Vorgehen der Polizei, wenn mit GPS-Trackern ausgerüstete Velos im Ausland geortet werden und zu möglichen Vereinbarungen mit Deutschland und Frankreich, um gestohlene und geortete Velos unkompliziert sicherzustellen und zurückzuführen.

