«Dort, wo die Wirtschaft floriert, sind wir dran»
13.02.2026 BaselbietNach 15 Jahren tritt der Sissacher Isaac Reber Ende September als Regierungsrat zurück
«Es ist Zeit, Platz zu machen», sagte Isaac Reber (Grüne, 64) gestern im Landrat. Im Interview führt der Bau- und Umweltschutzdirektor seine Beweggründe für den ...
Nach 15 Jahren tritt der Sissacher Isaac Reber Ende September als Regierungsrat zurück
«Es ist Zeit, Platz zu machen», sagte Isaac Reber (Grüne, 64) gestern im Landrat. Im Interview führt der Bau- und Umweltschutzdirektor seine Beweggründe für den Rücktritt näher aus. Zudem macht er einen Ausblick auf eine wichtige letzte Abstimmung.
Janis Erne
Im Landrat gab es gestern stehenden Applaus. Was fühlten Sie in diesem Moment?
Der Applaus hat mich sehr gefreut. Er ist ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber mir und meiner Arbeit als Regierungsrat. Es war eine schöne Geste des Parlaments, dem ich früher ja selbst angehörte.
Sie hören kurz vor den ordentlichen im April 2027 auf. Weshalb?
Lange Zeit dachte ich daran, die laufende Amtsperiode zu beenden. Doch als Monica Gschwind im vergangenen Sommer ihren Rücktritt bekannt gab, setzte bei mir ein Umdenken ein. Monica war bereits das zweite Regierungsmitglied, das nach mir angefangen, aber vor mir aufgehört hat. Zudem bin ich seit 2019 der Amtsälteste im Regierungsrat. Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto klarer wurde mein Entscheid, diesen Herbst zurückzutreten. Es ist nach 15 Jahren der richtige Moment – auch weil ich im August 65-jährig werde.
Die Sitzverteidigung wird für die Grünen nicht einfach. Spielten wahltaktische Überlegungen hinsichtlich des Zeitpunkts Ihres Rücktritts auch eine Rolle?
Das sollte bei einer solchen Entscheidung nicht massgebend sein. Die Sitzverteidigung ist ähnlich schwierig oder einfach – egal ob bei einer Ersatz- oder einer Gesamterneuerungswahl.
In Ihrer Rücktrittsrede zählten Sie auf, welche Projekte Sie angestossen oder realisiert haben. Wo hätten Sie mehr erreichen wollen?
Grundsätzlich hätte ich mir manchmal selber gewünscht, dass Projekte etwas schneller vorangehen. Das ist jedoch nicht immer möglich, denn bei jedem Projekt gilt es, unterschiedliche Anliegen, Interessen und Gegebenheiten zu berücksichtigen. Am Ende spielt es keine grosse Rolle, wann etwas realisiert wird, sondern dass es realisiert wird. Projekte aufzugleisen ist genauso wichtig, wie sie zu beenden.
Es war Ihnen also nicht wichtig, möglichst viele rote Bänder zu durchschneiden?
Nein (lacht). Ich durfte aber doch das eine oder andere schöne Projekt übergeben – etwa das preisgekrönte Sammlungszentrum Augusta Raurica oder den «Doppelspurausbau Spiesshöfli» in Binningen. Dort – am Eingang zum Leimental – herrschte für Tram und Autos lange Zeit ein Engpass, den wir beseitigen konnten.
Sie standen gefühlt am meisten in der Kritik von allen Regierungsräten. Besonders die Wirtschaftskammer äusserte sich wiederholt kritisch.
Wie sind Sie damit umgegangen?
Sowohl Bau- als auch Umweltschutzthemen stehen im Schaufenster der Öffentlichkeit. Alle haben eine Meinung und Vorstellungen dazu. Einigen gehen Projekte zu weit, anderen zu wenig oder zu langsam. Das liegt in der Natur der Sache. Kritik ist Teil des demokratischen Meinungsbildungsprozesses und sollte man aushalten können – solange sie konstruktiv und fair ist.
Haben Sie die Interessen der Wirtschaft genug berücksichtigt?
Festzuhalten ist: Nicht alle Wirtschaftsverbände vertreten überall die gleiche Meinung. Dort, wo die Wirtschaft floriert, sind wir dran. Die Talstrasse zwischen Münchenstein und Arlesheim etwa soll zur Kantonsstrasse ausgebaut werden – die Vorlage kommt demnächst in den Landrat. Dieser Schritt kommt dem Entwicklungsgebiet «uptown Basel» zugute. Straumann beispielsweise wird dort bald seinen Hauptsitz beziehen.
Langwierig gestaltet sich der Bau des Zubringers Bachgraben in Allschwil, der das zweite wichtige Wirtschaftsgebiet im Kanton mit der Autobahn verbinden soll.
Über dieses Projekt wird seit den 1970er-Jahren gesprochen. Heute sind wir relativ weit fortgeschritten. Im Januar hat der Bundesrat bestätigt, das Projekt in das sechste Agglomerationsprogramm aufzunehmen. Das sichert die Finanzierung ab 2030 – zu einem Zeitpunkt, zu dem das Projekt aus unserer Sicht auch baureif ist.
Es gibt Stimmen, die den Zubringer lieber morgen bauen würden.
Jeder, der sich eingehend mit dem Projekt befasst, weiss, dass das nicht möglich ist. Schon nur, weil das entsprechende Bauland nicht uns, sondern dem Kanton Basel-Stadt und Frankreich gehört. Da ist es normal, dass es Zeit und Partner braucht.
Kürzlich hat der Bund dem «Herzstück», einer unterirdischen S-Bahn mit mehreren Tiefbahnhöfen in Basel, eine Absage erteilt. Wie blicken Sie darauf?
Die Analyse des Bundes zeigte, dass das Projekt zu teuer würde, wenn es vollumfänglich umgesetzt wird. Deshalb haben die beiden Basel entschieden, einen Schritt zurück zu machen. Ich bin absolut überzeugt von diesem Entscheid. Denn ohne Redimensionierung wären wir beim Bahnausbau komplett aussen vor gewesen und wären mit leeren Händen dagestanden. Mit der unterirdischen Durchmesserlinie zwischen Basel SBB und dem Badischen Bahnhof realisieren wir nun etwas sehr Wichtiges. Sie erlaubt es uns, verschiedene Teile der Agglomeration ohne Spitzkehren miteinander zu verbinden. Darauf basierend kann das S-Bahn-Netz verbessert werden. Der weitere Ausbau ist dann eine Sache für kommende Generationen.
Im Juni stimmt das Volk voraussichtlich über die Initiative «Energiepolitik nur mit der Bevölkerung» ab – also darüber, ob das Verbot neuer Öl- und Gasheizungen wieder gestrichen werden soll. Wie blicken Sie auf diesen letzten wichtigen Abstimmungskampf?
Es wird eine anspruchsvolle, aber wichtige Abstimmung. Wir haben uns für eine pragmatische Lösung entschieden: Solange eine Öl- oder Gasheizung läuft, darf sie auch laufen. Ersetzt werden muss sie erst, wenn sie kaputtgeht. Dass dann ein erneuerbares System zum Einsatz kommt, ergibt Sinn und geht auch wirtschaftlich auf. Für besondere Fälle kennen wir eine Reihe von Ausnahmen. Ich hoffe, die Bevölkerung sieht das auch so – ohne die Regelungen würden wir in der Wärmepolitik auf den letzten Platz unter den Kantonen fallen.
Haben Sie bereits Pläne für die Pension?
Ich bin nicht der Typ, der gar nichts macht, und möchte daher auch neue Sachen ausprobieren. In erster Linie freue ich mich aber auf mehr Zeit mit der Familie und Freunden.

