Digitales Zahlen liegt im Trend
05.03.2026 BaselbietKosten für neue Technologien schmälern jedoch den Ertrag der Ladeninhaber
Die Verfügbarkeit von Bargeld soll in der Bundesverfassung verankert werden. Bargeld im Alltag ist jedoch mehr und mehr out. Die Geschäfte stellen einen klaren Trend zur Kartenzahlung fest. Die ...
Kosten für neue Technologien schmälern jedoch den Ertrag der Ladeninhaber
Die Verfügbarkeit von Bargeld soll in der Bundesverfassung verankert werden. Bargeld im Alltag ist jedoch mehr und mehr out. Die Geschäfte stellen einen klaren Trend zur Kartenzahlung fest. Die Kosten eines Kartenterminals drücken aber auf die Gewinnmarge.
Sander van Riemsdijk
Das Bezahlen mit Karte oder Smartphone verdrängt zunehmend Noten und Münzen als wichtigstes Zahlungsmittel aus den Läden. Insbesondere seit der Corona-Pandemie, wie eine Umfrage der «Volksstimme» bei einigen Geschäften im Oberbaselbiet ergab. Viele Ladeninhaberinnen und -inhaber haben damals unter anderem aus hygienischen Gründen auf bargeldloses Bezahlen mit Karte oder Smartphone umgestellt und bis heute daran festgehalten.
Trotzdem gilt Bargeld für die meisten Schweizerinnen und Schweizer nach wie vor als unverzichtbar. Mit der Initiative «Bargeld ist Freiheit», worüber wir am Sonntag abstimmen (siehe Kasten), sollen diesbezüglich neue Bestimmungen in die Bundesverfassung aufgenommen werden. Ob dem mobilen und digitalen Bezahlen mit dieser Initiative entgegengewirkt werden kann, bleibt abzuwarten, denn diese Zahlungsmethode wird bei allen befragten Geschäften zunehmend genutzt. Beim Claro-Laden in Sissach heisst es auf Anfrage, dass Bargeld und Kartenzahlung grundsätzlich ausgeglichen seien, jedoch stark generationenabhängig. Jüngere Kundinnen und Kunden bezahlten überwiegend bargeldlos.
Die befragten Geschäfte bevorzugen die gute alte Barzahlung – aus Kostengründen: Die Gebühren, welche die Läden via Kartenterminals pro Transaktion bezahlen müssen – rund 1,5 bis 2,5 Prozent des Verkaufspreises –, drücken entsprechend auf das Betriebsergebnis. Dies muss auch der Blumenladen Pasadena in Sissach vermehrt in seiner Kalkulation berücksichtigen, da auch dort immer weniger mit Bargeld bezahlt werde. Die Vorteile eines Kartenterminals – Effizienz und schnelle automatische Abwicklung vom Verkauf – überwiegen trotzdem.
Mit der zunehmenden Digitalisierung des Bezahlens im Detailhandel wächst die Abhängigkeit von der Technik. Bei Stromausfällen, Cyberattacken oder Software-Störungen geht nichts mehr. Die Mitarbeitenden der Drogerie «Natürlich Berger» in Sissach können davon ein Liedlein singen. Als es im Laden einmal zu einem Systemausfall gekommen ist, konnte vorübergehend nicht elektronisch bezahlt werden. In dieser Situation war nur Bares Wahres. Ansonsten würden in der Drogerie sieben von zehn Kunden elektronisch bezahlen.
Dies ist einer der Gründe, weshalb man bei der Papeterie Landschäftler AG in Gelterkinden hofft, dass das Bargeld nicht aus den Läden verschwindet. Hinzu kommt, dass immer noch viele Kundinnen und Kunden, vor allem der älteren Generation, bevorzugt mit Noten und Münzen bezahlen. Der Trend Richtung Kartenzahlung ist jedoch auch in diesem Betrieb unverkennbar.
Twint hat sich etabliert
Kaum eine App hat sich in der Schweiz in den vergangenen Jahren so schnell etabliert wie Twint. Diese Entwicklung spürt die Baumschule Salathé in Diegten stark. Dort kann im Bereich Obstbaumverkauf mit Karte, bar oder auf Rechnung bezahlt werden und im angeschlossenen Hofladen «Öpfelegge» bargeldlos, mit Twint oder in bar. Vor zwei Jahren lag im Hofladen das Verhältnis Twint gegenüber Barzahlung noch bei 40 zu 60 Prozent. Jetzt ist es umgekehrt. Im Bereich Obstbaumverkauf hat die Zahlung mit Karte sogar um 50 Prozent zugenommen – unabhängig vom Alter der Kundschaft.
Sind es vorwiegend ältere Menschen, die dem Fünfliber und der Zwanzigernote die Treue halten? Nicht nach den Erfahrungen in der Filiale der Bäckerei Brot & So in Thürnen oder im Spielwarengeschäft Rickenbacher in Gelterkinden. Beide Läden stellen fest, dass Bargeld generationenübergreifend – momentan im Verhältnis fifty-fifty – eingesetzt wird.
In vielen Geschäften werden vor allem kleinere Beträge noch gerne bar bezahlt. Dies stellt man bei «Brot & So» beispielsweise in der Kaffee-Ecke fest.
Auch wenn das Momentum ganz klar auf der Seite digitaler Bezahlformen liegt, hat das Bargeld insbesondere bei kleineren Beträgen das Feld noch nicht geräumt. Und dies unabhängig vom Alter, wie unsere Umfrage ergeben hat.
Initiative «Bargeld ist Freiheit»
svr. Mit der Initiative «Bargeld ist Freiheit» soll der Bund erstens sicherstellen, dass «Münzen oder Banknoten» immer «in genügender Menge» zur Verfügung stehen und der Franken als schweizerische Währung in der Verfassung verankert wird. Zweitens verlangt die von der Freiheitlichen Bewegung Schweiz lancierte Initiative zwingend eine Volksabstimmung mit Ständemehr, sollte der Schweizer Franken durch eine andere Währung ersetzt werden. Bundesrat und Parlament lehnen die Initiative ab und haben einen direkten Gegenentwurf ausgearbeitet, der auf den Formulierungen der bestehenden Gesetze beruht. Demnach muss die Nationalbank die Bargeldversorgung gewährleisten.


