«Die Region hat ein Weltkulturerbe verdient»
20.01.2026 BaselbietAugusta Raurica macht sich in zehn Entwicklungsschritten fit für die Zukunft
Augusta Raurica ist auf dem Weg in die Zukunft. Ob dieses zur Erlangung des Unesco-Labels führt, ist offen. «Wenn man dieses Label will, braucht es einen Ort, wo man die Sammlung repräsentativ ...
Augusta Raurica macht sich in zehn Entwicklungsschritten fit für die Zukunft
Augusta Raurica ist auf dem Weg in die Zukunft. Ob dieses zur Erlangung des Unesco-Labels führt, ist offen. «Wenn man dieses Label will, braucht es einen Ort, wo man die Sammlung repräsentativ zeigen kann», sagt Dani Suter, Leiter von Augusta Raurica.
Regula Vogt-Kohler
Es ist angedacht und es gibt politische Vorstösse, Augusta Raurica zum Unesco-Weltkulturerbe zu erklären. Wo steht dieser Prozess derzeit, und wird er weiterhin verfolgt?
Dani Suter: Ich bin sehr dankbar, dass der Landrat dazumal, 2009, gesagt hat, das Thema ist wichtig, aber wenn man das anpacken will, dann gilt es zuerst ein paar Dinge zu klären und in einem 10-Punkte-Programm zu bewältigen. Wir sind seit 2009 an der Umsetzung dieses Programms. Aktuell sind zwei Themen für uns wichtig: Zuerst die Umsetzung der Ortsplanung Augst-Ost, zusammen mit der Gemeinde Augst und dem Amt für Raumplanung Baselland. Dabei ist zentral, dass wir jetzt zusammen mit der Gemeinde Augst und in einem zweiten Schritt auch mit der Gemeinde Kaiseraugst eine gute Idee entwickeln, was Augusta Raurica sein soll. Das führt zur zweiten Aufgabe, an der wir dran sind: das Zukunftsbild Augusta Raurica, Augst und Kaiseraugst. Auch hier geht es einerseits um raumplanerische Fragen, aber auch um die Bedürfnisse der Gemeinden Augst und Kaiseraugst. Wie wird sich die Einwohnergemeinde entwickeln? Was sind ihre Ansprüche an Augusta Raurica? Wir wissen aus der Vergangenheit, dass das Verhältnis zwischen Augst und Augusta Raurica nicht immer ein gutes war. Wir wollen jetzt gemeinsam in die Zukunft gehen.
Was ist der genaue Stand der Umsetzung der Ortsplanung Augst?
Wir sind im Prozess drin. Jetzt laufen wieder Abklärungen auf der Ebene des Amts für Raumplanung Baselland. Grundlage ist der kantonale Richtplan von 2020. Da hat der Landrat die Zielsetzungen auf der Ebene des Kantons beschlossen, und jetzt ist es an der Gemeinde Augst, an die Zonenplanrevision zu gehen, vor allem mit den Parzellen, die sich noch in der Wohnzone befinden. Wir müssen auch eine Museumszone schaffen. Das sind alles raumplanerische Fragen.
Wo stehen Sie konkret beim Zukunftsbild?
Wir haben mit dem Amt für Raumplanung erste Gespräche geführt und sind am Vorbereiten des Prozesses. Dieser soll sehr stark partizipativ mit den Gemeinden Augst und Kaiseraugst ablaufen. Da ist auch die Frage, wie man dann die Bevölkerung miteinbeziehen will. Es gibt etwas, das wir konkret vorweisen können und das ein erster Input ist: Augusta Raurica war eines der Fokusgebiete der Sommerakademie Hochrhein 2025 der Fachhochschulen Nordwestschweiz und Ostschweiz (siehe Kasten). Drei Teams von jungen Raumplanerinnen und Raumplanern haben ihre Ideen einfach einmal niedergeschrieben. Es zeigt sehr schön, dass es enormes Potenzial hat, auch einmal den Blick von oben zu machen und Natur-, Kulturund Siedlungsraum gemeinsam zu denken. Jetzt erfolgt die Auswertung, und dann soll das auch in die Überlegungen zum Zukunftsbild einfliessen.
Worum geht es bei der im Geschäftsbericht 2024 angekündigten Studie zur künftigen Ausrichtung?
Sie ist ein wichtiger Bestandteil des Zukunftsbilds. Wir haben das Postulat zum Bau des Museums im Juni 2023 überwiesen, der Bericht des Regierungsrats steht noch aus. Schon im Jahr 1968 gab es die erste Idee, das Museum zu erweitern. Das Haus an der Giebenacherstrasse wurde 1957 gebaut, der Silberschatz wurde erst in den 1960er-Jahren gefunden. Wir brauchen jetzt eine Grundlagenstudie, damit wir wissen, wie das künftige Museumskonzept in diesem Raum aussehen soll. Im vergangenen Jahr haben wir verwaltungsintern auf Kantonsebene die Vorbereitungen für das Zukunftsbild zusammen mit dem Amt für Raumplanung gemacht, und für die Grundlagenstudie haben wir mit Baselland Tourismus zwei Workshops durchgeführt, wo Augusta Raurica aus touristischer Sicht bewertet wurde.
Was bringt denn eigentlich das Unesco-Label?
Für mich ist entscheidend, dass wir einen konkreten Auftrag des Landrats haben. Es gibt für mich zwei Sachen, die es zu unterscheiden gilt. Mit dem 10-Punkte-Programm legen wir die Grundlage. Wenn der Landrat der Meinung ist, dass jetzt so weit alles erledigt ist, muss er entscheiden, ob er das Label will oder nicht. Im Moment gibt es keine Planungen mit Unesco-Weltkulturerbe. Zur Frage, was das Label der Region bringt, sehe ich es so: Wenn ich anschaue, was die Region Nordwestschweiz für das kulturelle Erbe und die Kultur macht, dann darf man auch sagen, dass die Region Basel ein Weltkulturerbe verdient hat. Ob Augusta Raurica Weltkulturerbe sein soll, ist eine Frage der Vertragspartner. Ich bin dankbar, dass der Römervertrag erneuert worden ist. Bezüglich Weltkulturerbe müsste man klären, was man da in der Region will. Augusta Raurica ist ja nicht nur Augst und Kaiseraugst! Das sind ja all die römischen Fundstellen zwischen Stadt und Land. Es geht aber auch um die Frage: Gehören auch die keltischen Hinterlassenschaften dazu? Es ergibt Sinn, das zu einem gegebenen Zeitpunkt zu besprechen. Danach ist das ein politischer Prozess, bei dem sich die Region einigen muss.
Zurück zur Erweiterung des Museums: Das war also schon ein Thema, bevor es das Unesco-Label überhaupt gab.
Wird das auch unabhängig von der Label-Frage weiterverfolgt?
Das neue Museum ist das Dessert oder das i-Tüpfelchen des 10-Punkte-Programms. Der 10. Punkt ist die Realisierung des Museums. Wenn man anschaut, was die Kantone in die Erforschung und Ausgrabung von Augusta Raurica investiert haben, und welche reichhaltigen Schätze und Geschichten wir haben, ist es sicher an der Zeit, zu überlegen, ob es nicht mehr als 140 Quadratmeter Ausstellungsfläche für die ganze Sammlung von Augusta Raurica braucht. Aber wir müssen auch realistisch sein: Der Kanton Baselland hat sehr viel Geld in das Sammlungszentrum investiert. Wir haben im Moment keinen Auftrag, ein Museum zu planen. Doch die Frage ist eben auch verknüpft mit dem Zukunftsbild. Dort soll noch einmal überprüft werden, ob es das Museum braucht oder nicht. Wenn ja, in welcher Grössenordnung, wie soll es funktionieren? Wenn man das Label Weltkulturerbe will, ist es auch wichtig, dass man einen Ort hat, wo man diese Sammlung repräsentativ zeigen kann.
Sommerakademie Hochrhein
rv. Im «Historischen Palimpsest» in Augusta Raurica reichten die Ideen von vertikalen Verbindungen im 15-Minuten-Raum über eine neue Brücke Augst– Kaiseraugst bis zu «grünen Adern», welche die verstreuten Zeugnisse der Römerstadt zu einem erlebbaren Ganzen verknüpfen. Mehr dazu ist auf www.sommerakademie-hochrhein.ch zu finden.
30 000 Sammelobjekte als Geschenk aus der Stadt
Die Basler Regierung hat beschlossen, fast 30 000 Sammlungsobjekte an die Römerstadt Augusta Raurica zu übertragen. Den Grossteil der Objekte machen Keramikscherben aus, die wichtige archäologische Zeugnisse von Augusta Raurica sind. Damit wird rechtlich vollzogen, was seit Jahrzehnten gelebte Praxis ist: Die Objekte werden seit rund achtzig Jahren in Augusta Raurica erhalten, erforscht und zugänglich gemacht.
Der Basler Regierungspräsident Conradin Cramer erinnerte zusammen mit den Bildungsdirektorinnen von Baselland, Monica Gschwind (FDP), und aus dem Aargau, Martina Bircher (SVP), an den Römervertrag, der im vergangenen Jahr 50 Jahre alt und zur Feier des Anlasses erneuert wurde. Die drei Kantone legten 1975 gemeinsam mit der Stiftung Pro Augusta Raurica und der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft fest, wie sie den Schutz, die Erforschung der antiken Stadt sowie die Vermittlungsarbeit sicherstellen wollen. Der Vertrag legte die Grundlage dafür, dass Ausgrabungen, Museum und Forschung nicht mehr von privaten Initiativen abhängig waren. Sammlung, Archiv, Grabungsdokumentation und Forschung der Römerstadt wurden erstmals zusammengeführt und das gesammelte Wissen auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

