Eine szenische Lesung über Schuld, Sühne und gesellschaftliche Abgründe
vs. Im Februar und März bringt die «Literarische Gesellschaft Baselland» die szenische Lesung «Hyazinth – Die letzte Hinrichtung im Kanton ...
Eine szenische Lesung über Schuld, Sühne und gesellschaftliche Abgründe
vs. Im Februar und März bringt die «Literarische Gesellschaft Baselland» die szenische Lesung «Hyazinth – Die letzte Hinrichtung im Kanton Basel-Landschaft» auf die Bühne. Im Zentrum steht ein realer Kriminalfall: Der Büchsenmacher Hyazinth Bayer aus Friedrichshafen (am Bodensee) wurde nach einem Raubmord am 15. Oktober 1851 in Liestal enthauptet – auf einer Wiese beim heutigen Gestadeckplatz unterhalb der Altstadt.
Bayer hatte den Bandweber Heinrich Wiesner aus Bubendorf auf dem Heimweg oberhalb von Maisprach ausgeraubt und so schwer misshandelt, dass Wiesner kurz darauf verstarb. Das Stück zeigt nicht nur Tat und Prozess, sondern auch die sozialen Spannungen der Zeit: Armut, Abhängigkeiten, Moral, das damalige Denken über Schuld und Sühne – und die Frage, was eine Gesellschaft für «gerecht» hält.
Vorlage ist ein Drama des Baselbieter Historikers Lorenz Degen. Er stützt sich auf zwei zeitgenössische Liestaler Drucke von 1851 (Lebensgeschichte/Lebensabriss und Bekenntnis). Wo möglich wurden Originalzitate übernommen und gekennzeichnet; einzelne Figuren sind bewusst erfunden, um das Beziehungsgeflecht zu verdichten. Verstörend sind Details zur damaligen Volksfrömmigkeit und zum Aberglauben: In den Quellen wird geschildert, wie Menschen nach der Hinrichtung Blut berühren oder an Hautstücke gelangen wollten, im Glauben, dies helfe gegen Epilepsie.
Eine zentrale Rolle spielt Dorothea Richard, eine Fabrikarbeiterin im Niederschönthal. Die grösste historische Leerstelle ist ein Brief, den sie an Bayer schrieb, als er im Toggenburg arbeitete. Der Brief löste seine überstürzte Rückkehr aus und führte zur schicksalhaften Begegnung mit Wiesner – doch was darin stand, bleibt unbekannt. Genau diese Stelle wird im Stück zur dramaturgischen Sollbruchstelle.
Die Bühnenform ist nah und konzentriert, ohne Effekthascherei. Neun Mitwirkende gestalten den Abend; als Erzähler führt Josef Viktor Widmann durch das Geschehen. Für die musikalische Untermalung sorgt Willy Kenz am Keyboard – atmosphärisch und fein, nie dekorativ.
Szenische Lesung «Hyazinth – Die letzte Hinrichtung im Kanton Basel-Landschaft», Freitag, 6. Februar, 19.30 Uhr, Restaurant Kaserne, Liestal; Samstag, 7. Februar, 17.00 Uhr, Restaurant Leue, Waldenburg; Sonntag, 8. Februar, 17.30 Uhr, Kulturraum Trotte, Arlesheim; Freitag, 6. März, 19.30 Uhr, Gemeindezentrum, Maisprach.