Der Waldenburger Haudegen mit Höhenluft
20.02.2026 BaselbietPeter Straumann – Offizier, Technikchef und Abenteurer zwischen Jura und Weltpolitik hat schon manche Persönlichkeit hervorgebracht. Peter Straumann fällt darunter – weil er Technik, Militär und Abenteuerlust in einer Biografie verband, die weit über das Tal ...
Peter Straumann – Offizier, Technikchef und Abenteurer zwischen Jura und Weltpolitik hat schon manche Persönlichkeit hervorgebracht. Peter Straumann fällt darunter – weil er Technik, Militär und Abenteuerlust in einer Biografie verband, die weit über das Tal hinausführt.
Hanspeter Gautschin
Peter Straumann war der jüngste Sohn des Waldenburger Arztes Dr. Hermann Straumann und der Fanny, geborene Thommen. Seine Kindheit wird als heiter und lebendig beschrieben: ein Bub, gesund, fröhlich, voller Energie. Und doch steckt früh etwas in ihm, das später deutlich wird: der Drang, nicht zu bleiben, wo es bequem ist.
Ein einschneidendes Erlebnis prägte ihn: Er hing besonders am zwölf Jahre älteren Bruder, einem Skifahrer und Alpinisten, der 1923 auf dem Rhonegletscher ums Leben kam. Dieser Bruder blieb ihm ein Vorbild von Kraft, Willen und Ausdauer. Wer solche Massstäbe im Herzen trägt, sucht sich die Höhenmeter im Leben oft selber.
Straumann besuchte Schulen in Waldenburg und Basel und absolvierte die Mechanikerlehre bei der Thommen AG in Waldenburg. Das war solide, bodenständig, handwerklich präzis. Doch der junge Mann wirkte, als hätte er innerlich schon den nächsten Gang eingelegt. Die Stadtluft behagte ihm wenig, und selbst die Werkbank war eher Startpunkt als Endstation.
Er meldete sich früh bei der Kavallerie, wurde Instruktor, stieg auf, wechselte in verschiedene Formationen und trat als Hauptmann in den Generalstab ein. 1936 folgte eine Abkommandierung zu einem ostpreussischen Reiterregiment – eine Episode, die zeigt, wie selbstverständlich er sich in anspruchsvollem Umfeld bewegte.
Präsenz und Härte
Während des Zweiten Weltkriegs leistete Straumann Aktivdienst als Stabsoffizier und als Kommandant. Er führte erst ein Radfahrerregiment, später ein Infanterieregiment, dazu kommandierte er verschiedene Schulen der leichten Truppen. Solche Aufgaben verlangen mehr als korrekte Befehlsausgabe: Sie verlangen Präsenz, Härte gegen sich selbst und das Talent, aus sehr unterschiedlichen Menschen eine belastbare Einheit zu formen.
Nach dem Aktivdienst wechselte Straumann in die Revue Thommen AG in Waldenburg. Dort wurde er Verwaltungsrat (ab 1944) und übernahm später die Leitung im Bereich Flugzeuginstrumentenbau beziehungsweise Instrumentenfabrikation. Auch hier zeigt sich seine Linie: Präzision und Verantwortung, mit Technik, die im Ernstfall zählt. Flugzeuginstrumente verzeihen keine Unschärfe – und wer sie verantwortet, muss ähnlich ticken.
Militärisch blieb er eingebunden, unter anderem als Stabschef einer Territorialzone und später im Armeestab. Er war einer, der nicht einfach «abschaltete», wenn ein Kapitel beendet war. Er blieb verfügbar.
Seit 1926 war Straumann Sportpilot und nahm an Wettbewerben teil. Dazu kamen Fotografie und Autorennsport. Man darf leise schmunzeln: Andere pflegen Hobbys, Straumann pflegte offenbar den Bewegungsdrang. Und wer ihn kannte, wusste: Das war nicht bloss Spielerei. Es gehörte zu seinem Wesen, Grenzen zu testen – die eigenen zuerst.
Genau deshalb blieben in Waldenburg und im Tal nicht nur Daten und Funktionen hängen, sondern Erzählungen. Früher kursierten viele Bonmots über Peter Straumann – kleine Sprüche, pointierte Szenen, mündlich weitergereichte Momentaufnahmen. Solche Bonmots entstehen bei Leuten, die auffallen, weil sie eigen sind, mutig, bisweilen unbequem und oft überraschend.
Eine seiner späteren Aufgaben führte ihn weit weg: 1953/54 war er Kommandant der 2. Schweizerischen Repatriierungskommission für Kriegsgefangene in Korea. Das ist keine Postkarte aus der Ferne, das ist Verantwortung in einer heiklen Weltlage. Gerade dort passte ein Mann hin, der sich nicht hinter Ausreden versteckte.
Peter Straumann starb am 13. Dezember 1959 in Celerina/Schlarigna im Engadin und wurde in Langenbruck beigesetzt. In der Grabrede nannte ihn Oberstdivisionär J. Boissier eine «une personnalité exceptionnelle et si attachante» – und betonte, er sei nie ausgewichen, er habe sich «droit et en avant» hineingeworfen. Diese Worte treffen den Kern: einer, der geradeaus ging, wenn andere noch abwägten. Es ist die Art Haltung, die Respekt schafft – und gelegentlich auch Widerspruch. Straumann konnte das tragen.
Künstler, Dichter, Macher und Visionäre
vs. In unserer Serie stellt Hanspeter Gautschin Menschen aus dem Oberbaselbiet vor, die einst prägend wirkten, heute aber fast vergessen sind. Es sind Künstlerinnen, Dichter, engagierte Macherinnen, stille Visionäre – ebenso wie Unternehmer, Tüftler und Gestalter der Industriewelt, die mit Innovationsgeist und Tatkraft die Entwicklung unserer Region vorantrieben. Persönlichkeiten, die das kulturelle, soziale, sportliche, geistige oder wirtschaftliche Leben des Oberbaselbiets nachhaltig geprägt haben. Mit erzählerischem Gespür und einem feinen Blick für das Wesentliche lässt Gautschin diese Lebensgeschichten wieder aufleuchten – als Erinnerung, Inspiration und als Beitrag zur regionalen Identität.
Hanspeter Gautschin (1956) lebt in Oberdorf und blickt auf eine facettenreiche Laufbahn im Kulturbereich zurück. Als ehemaliger Impresario, Kulturförderer und Museumsleiter erzählt er mit Vorliebe Geschichten über Menschen, Kultur und das Leben im Alltag.

