Der klimagestresste Wald im Umbau
02.07.2026 Baselbiet, SissachWie Notfällungen als Chance für die Zukunft genutzt werden
Am Beispiel eines Sicherheitsholzschlags in Sissach zeigten Fachleute auf, wie aus einer Not eine Chance für die Natur entstehen kann. Es zeigte sich auch, wie stark der Klimawandel die Forstreviere auf Trab ...
Wie Notfällungen als Chance für die Zukunft genutzt werden
Am Beispiel eines Sicherheitsholzschlags in Sissach zeigten Fachleute auf, wie aus einer Not eine Chance für die Natur entstehen kann. Es zeigte sich auch, wie stark der Klimawandel die Forstreviere auf Trab hält.
Christian Horisberger
Ein passenderes Thema hätte «Wald beider Basel» für seinen Medien-Waldspaziergang nicht aussuchen können. Lange, bevor die historische Juni-Hitzewelle anrollte, hatte der Verband der Waldeigentümer entschieden, dieses Jahr Notfällungen und ihre Chance für die Biodiversität zu thematisieren. Solche Notfällungen von Waldbäumen werden immer häufiger nötig, weil von der Hitze gestresste Bäume erkranken und absterben und so zu einer Gefahr für Menschen, die im Wald Erholung suchen, den Strassenverkehr, Stromleitungen oder Liegenschaften an Waldrändern werden können.
Am Beispiel eines im Frühling erfolgten Sicherheitsholzschlags im Gebiet Buchrain in Sissach zeigten Vertreter des zuständigen Forstreviers und der Bürgergemeinde sowie von «Wald beider Basel» die Ursachen und das Vorgehen auf – und inwiefern die Natur davon profitieren kann.
Beim Anschauungsobjekt handelt es sich um ein 75 Aren grosses Waldstück, das an einen Schul- und Wanderweg grenzt und an diesen wiederum Privatgrundstücke mit Wohnhäusern des Sissacher Reusliquartiers anschliessen. Laut dem stellvertretenden Betriebsleiter des Forstreviers Sissach, Reto Haenni, wies das Waldstück einen mit 120 bis 130 Jahren überalterten Buchenbestand auf. Viele Baumkronen seien dürr gewesen und Äste, die abzubrechen drohten, seien zum Teil über den Weg hinausgeragt. Als Ursachen für die Schädigung der Bäume nannte Haenni Sonnenbrand, durch den sich die Rinde am Stamm ablöst
– «das Todesurteil». Ferner auch die Rindennekrose, bei der Pilzbefall zum Absterben des Baums führen kann.
Aufwendige Fällarbeiten
Ein Teil des Ergebnisses des Sicherheitsholzschlags zeigte sich schon kurz nach dem Beginn des Waldspaziergangs. Am Wegrand waren Baumstämme zu riesigen Beigen aufgeschichtet worden. Die dickeren Stämme werden zu Sägereien transportiert, die dünneren und die von Krankheiten gezeichneten Stämme dürften zu Hackschnitzeln oder Spanplatten verarbeitet werden. 200 bis 250 Kubikmeter Holz sind laut dem Forstwart geschlagen worden.
Wegen der Nähe zu Wohnhäusern habe ein erheblicher Mehraufwand betrieben werden müssen, so der Forstwart. Um zu verhindern, dass die Bäume beim Fällen in Richtung Wohnquartier stürzen, seien sie mit Stahlseilen in Richtung Hang gezogen worden. Der Holzschlag, der von einem Lohnunternehmen ausgeführt wurde, erfolgte bereits im vergangenen März und dauerte insgesamt zwei Wochen. Das Fällen der Bäume alleine sei in nur vier Tagen erledigt gewesen, so Haenni.
Beim Waldspaziergang vom Dienstag, gut drei Monate später, präsentierte sich der Wald im Bereich der Fällungen bereits wieder in frischem Grün. Zwischen natürlich aufgekommenen Büschen und grossen Asthaufen, die Igeln oder Füchsen als Unterkünfte dienen sollen, sind in Reih und Glied frisch gepflanzte, mit einem grünen Röhrchen geschützte Jungbäume zu erkennen. 200 Eichen, 200 Spitzahorne und 100 Kirschbäume, wie der Forstfachmann erklärte. Die Douglasien sowie unterschiedliche Büsche am Waldrand blieben unangetastet.
Klima schafft neue Ausgangslage
Die Neubepflanzung wie auch der Holzschlag seien in Absprache und mit dem Segen des Amts für Wald beider Basel erfolgt, hiess es. Es liege im Interesse des Kantons wie auch der Waldeigentümer, die Waldbäume den klimatischen Bedingungen anzupassen. «Die Region Basel gehört zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen», sagte Raphael Häner, Geschäftsführer von Wald beider Basel. Von 1880 bis 2020 sei die Durchschnittstemperatur um 2,8 Grad gestiegen. «Wenn eine Eiche früher im Allschwiler Wald zu Hause war, ist ihr heute 300 bis 600 Höhenmeter höher wohl.» Es liege in der Verantwortung der Waldeigentümer, den Wald bei der Anpassung an den Klimawandel zu begleiten. Notfällungen könnten auch als Chance für die Zukunft genutzt werden, um dem Klima angepasste Räume zu schaffen und darüber hinaus die Biodiversität zu fördern. Als Beispiel wies er auf den Weiher in der Nähe der «Bierkellerhütte» hin, der bei einem früheren Holzschlag zugunsten einer grösseren Artenvielfalt angelegt worden ist: In dessen Nähe wurden Weiden gepflanzt und mit etwas mehr Abstand Nussbäume. Diese Staffelung bringe zudem eine Struktur in den Wald, durch welche die Bäume Sturmwinden weniger Angriffsfläche böten und damit besser geschützt seien.
Ein Dauerthema sind für die Waldwirtschaft die tiefen Holzerlöse. Notfällungen verstärkten den finanziellen Druck auf die Forstwirtschaft: Weil sie ausserhalb eines auf Wirtschaftlichkeit optimierten Betriebsplans vollzogen werden müssten, machten die Waldbesitzer damit immer Verlust. Durch den Klimawandel seien Notfällungen immer häufiger erforderlich, auch um die Sicherheit der Menschen, die sich im Wald aufhalten, zu gewährleisten.
Die Kosten dafür könnten die Waldeigentümer alleine nicht stemmen. Da es sich um eine Aufgabe zugunsten der Gesellschaft handle, gebe es dafür «Töpfe», so Häner: «Ob das genügt, ist noch einmal eine andere Geschichte.» Auch für die Wiederbewaldung gebe es Förderprogramme. Als Beispiel nannte er das kantonale Projekt «Waldpflege im Klimawandel», mit dessen Unterstützung die Mehrkosten für die Waldeigentümer tragbar seien.
Häners Fazit: «Wir können den Klimawandel nicht verhindern, aber unser Bestes geben, um den Wald an die neuen Bedingungen anzupassen und Lebensräume zu schaffen, um der nächsten Generation einen vielfältigen und widerstandsfähigen Wald zu übergeben.»
Hitze: Warnung vor giftigen Blaualgen
ch. Der Kanton Baselland warnt vor giftigen Blaualgen, die aufgrund der hohen Wassertemperaturen unter anderem im Bereich der Ergolzmündung in Augst auftreten. Die Algen können auch an anderen Stellen bei Gewässern auftreten. Die Bevölkerung wird aufgefordert, Algenansammlungen und trübes Wasser zu meiden. Hunde sollten von betroffenen Gewässern ferngehalten werden. Wie der Kanton mitteilt, kommen Blaualgen natürlicherweise in allen Gewässern der Schweiz vor und gehören zu unserem Ökosystem. Deren Vorkommen ist in der Regel unproblematisch. Hohe Temperaturen, ruhiges Wasser und teilweise auch Nährstoffe können zu einer Massenvermehrung (Blaualgenblüte) führen. Diese zeigt sich durch grünlich oder bläulich-grün verfärbtes Wasser vor allem an der Oberfläche, Schlierenbildungen oder Algenteppiche. Dabei können einige Blaualgen-Arten Giftstoffe (Cyanotoxine) bilden, die für Mensch und Tier gefährlich sein können. Bei Kindern und Hunden sei besondere Vorsicht geboten. Hundebesitzer sollen ihre Tiere auch kein trübes Wasser trinken lassen.
Der Kanton Baselland hat diese Woche ausserdem das Bade-, Betretungs- und Fischereiverbot für die Ergolz ausgeweitet. Es gilt nun von Sissach (ARA Ergolz 1) bis zur Mündung in den Rhein. Das Wasserentnahmeverbot für die Ergolz und ihre Zuflüsse gilt namentlich auch für von der Bau- und Umweltschutzdirektion bewilligte Wasserentnahmen.
Die Massnahmen gelten bis auf Widerruf. Der Regen von gestern dürfte die Situation noch nicht entscheidend verbessert haben.


