Debatte zum Schulhaus-Projektierungskredit
21.04.2026 BRIEFE, GelterkindenLeserinnen und Leser äussern sich zur Referendumsabstimmung am kommenden Sonntag
Gutes Schulhaus, gut für Kinder
Ein Schulhaus, das den fachlichen Anforderungen entspricht, ist nicht Luxus. Bei der Auswahl des nun zur Abstimmung stehenden Projekts in ...
Leserinnen und Leser äussern sich zur Referendumsabstimmung am kommenden Sonntag
Gutes Schulhaus, gut für Kinder
Ein Schulhaus, das den fachlichen Anforderungen entspricht, ist nicht Luxus. Bei der Auswahl des nun zur Abstimmung stehenden Projekts in Gelterkinden haben Baufachleute und Fachleute der Schule und Gemeinde eine Jury gebildet und aus ihren vielfältigen Erfahrungen geurteilt. Ich bin überzeugt, dass so eine gute Auswahl getroffen wurde. Ich war während fast 40 Jahren Primarlehrer und hatte nie den Eindruck, dass Schulleitungen und Behörden nicht im Interesse der Schule gehandelt hätten. Es hat ja auch niemand persönliche Vorteile durch irgendeinen Entscheid, schon gar nicht einen solchen bezüglich eines Schulbaus.
Beim Bau eines Schulhauses muss dafür gesorgt werden, dass Lehrpersonen und Kinder in einer angenehmen, zweckdienlichen Umgebung arbeiten und lernen können. Das Schulhaus soll eine einladende, freundliche Atmosphäre ausstrahlen. Es soll auch bei Bedarf erweitert werden können und dauerhaft, solide gebaut werden. Bei Schulhausbauten in unserem Kanton und auch ausserhalb wurde diesen Anforderungen stets Rechnung getragen. Im Interview in der «Volksstimme» erklärt der Architekt Logan Amont, dass er all dies und noch weitere Kriterien in der Planung gebührend beachtet habe. Diese Aussagen fördern mein Vertrauen zusätzlich.
Ein Mitglied des Referendumskomitees hat kurz auf die Website dieses Architekten geschaut und daraus ein negatives Bild über ihn öffentlich skizziert. Ein paar Minuten später sprachen an der gleichen Gemeindeversammlung bereits Leute von diesem «schlechten Architekten». Doch niemand kannte ihn. Beides ist höchst unseriös. Solchen Leuten vertraue ich nicht. Eltern, deren Kinder die Schule bald oder aktuell besuchen, sollten darauf achten, Menschen zu vertrauen, die ernsthaft das Projekt für die Schule entworfen und geprüft haben. Ein qualitativ gutes Schulhaus unterstützt das Wohlbefinden und damit das Lernen der Kinder eindeutig. Alle, die das auch so sehen, stimmen mit Ja.
Ueli Bieder, Gelterkinden
«Campus Loggia» erfüllt zentrale Vorgabe nicht
Wenn man sich nicht an die Vorgaben hält, endet es im Chaos. Der interessierte Gelterkinder fragt sich, wie ein Projekt, das eine zentrale Vorgabe nicht erfüllt, eine Ausschreibung überhaupt gewinnen kann. Das Gewinnerprojekt überschreitet den vorgegebenen Preis um knapp 50 Prozent. Falls es zu den angegebenen 25 Prozent Mehrkosten kommen sollte, sogar um 90 Prozent. Ganz abgesehen davon, dass es einer stossenden Ungleichbehandlung der Wettbewerbsteilnehmer gleichkommt, die sich um Einhaltung dieser Vorgabe bemüht haben.
Deshalb bin ich dafür, den Projektierungskredit abzulehnen, um, wie die Studie «Ratio» nahelegt, ein neues Projekt im ursprünglich angestrebten Rahmen zu realisieren. Meine Enkel, die jetzt in die Schulpflicht kommen, werden uns diesen Pragmatismus wohl dereinst danken.
Beat Bürgin, Gelterkinden
Basler Vögte im Architekturgewand?
Wenn der Basler Architektenverein BSA sich anmasst, der Gemeinde Gelterkinden in einem 3-Punkte-Plan vorzuschreiben, wie sie sich bei einem Schulhausbau zu verhalten habe, dann bewegt er sich irgendwo zwischen den Basler Vögten und dem US-Präsidenten Donald Trump. Ausgerechnet einer Gemeinde, in der ein Architekturwettbewerb ein aufgeblasenes und überteuertes «Architektonium» geboren hat, will man einen solchen Wettbewerb als Heiligen Gral der Baukultur und der Qualitätssicherung aufoktroyieren.
Zur Erinnerung: Finanzierbarkeit ist heutzutage ein Qualitätsmerkmal «de rigueur». Man fragt sich, ob die Impertinenz der Basler Herrschaften ein Symptom ihrer Verunsicherung ist: Wer im fortgeschrittenen 21. Jahrhundert für einen reinen, x-fach vorkommenden Zweckbau wie ein Schulhaus allen Ernstes eine Einzelanfertigung vorschlägt anstelle eines Serienprodukts, beispielsweise auf der Basis modulartiger Fertigbauzimmer, ist wohl aus der Zeit gefallen und hat das elementare Nachhaltigkeitsprinzip des 1987 erschienenen Brundtland-Berichts missachtet.
Ich übersetze diesen gerne ins Architektonische: Baue so, dass die Gegenwärtigen ihre Bedürfnisse decken können, ohne dies den Zukünftigen zu verunmöglichen, zum Beispiel, weil man ihnen unvernünftigerweise Schulden aufbürdet. Mein Fazit ist ein Nein den aufgeblasenen Herrschaften!
Hans Fuchs, Gelterkinden
Über die Bücher
Im Rahmen des 11-Millionen-Franken-Projekts für den Schulhausneubau in Gelterkinden ist vorgesehen, den Kindergarten Bützenen aufzuheben und ins Schulareal Hofmatt zu verlegen. Das ehemalige Kindergartenareal Bützenen wurde im Baurecht an die Suva abgegeben zur Erstellung von Wohnblöcken. Die Gemeinde erzielt hieraus namhafte Baurechtszinsen. Als Ersatz wurde nach Vorgaben und Wünschen der Gemeinde der heutige Kindergarten Bützenen erstellt.
Heute sind die Kindergärten gut in den Quartieren verteilt: Neben dem Waldkindergarten gibt es die Kindergärten Staffeln, Wuhr, Chillerain (aktuell nicht belegt), Hüslimatt, Zelgwasser und Bützenen. Letzterer liegt absolut zentral und ermöglicht es, je nach Anzahl der Kinder in den Quartieren, die Einzugsgebiete etwas zu verschieben, ohne den Kindern zu lange Wege zuzumuten. Ein Kindergarten im Schulareal Hofmatt ergibt aus mehreren Gründen keinen Sinn:
Wir haben in rund 250 Metern Luftlinie in der Hüslimatt bereits einen Kindergarten für diese Gegend. In der Schulanlage Hofmatt gehen täglich rund 1000 Schülerinnen und Schüler ein und aus. Man entschied sich damals bewusst dafür, den Kindergartenkindern einen Schulweg inmitten der grossen Schülerschar zu ersparen. Da der «Chillerain» aktuell nicht als Kindergarten genutzt wird, braucht es denjenigen in der Schule ohnehin nicht. Der Kindergarten Bützenen ist eine schöne Lokalität mitten im Wohngebiet mit einem geschützten Spielraum im Innenhof und in der Nähe des Gemeindeparks.
Fazit: Abgesehen davon, dass ein Kindergarten in der Schulanlage Hofmatt nicht günstiger zu stehen käme, ist jener in der Bützenen aufgrund seiner Vorzüge am jetzigen Standort jeder anderen Lösung vorzuziehen.
Deshalb und vor allem auch, um bei der Schulhausplanung nochmals über die Bücher gehen zu können und – wie mit «Ratio» dargelegt – um Kosten einzusparen sowie die mit «Campus Loggia» drohende Steuererhöhung zu verhindern, stimme ich Nein zum Projektierungskredit.
Peter Hemmig, Gelterkinden
«Ein Ja und unser Vertrauen»
Das vorgabengemässe Projekt Loggia gewann mit stimmigem Layout und wegweisender Struktur überdachter Offenflächen. Inzwischen reduzierte die Gemeinde um zwei Schulzimmer und einen Gruppenraum. Die Primarschule ist in sieben (!) Gebäudetrakten untergebracht, mehrheitlich sanierungsbedürftige Bauten und bis auf einen ohne Gruppen- und Förderzimmer. Die Gruppen- und Förderzimmereinrichtung kann für den anforderungsgerechten Unterricht kaum warten und eventuell Schulzimmerteilungen erfordern.
«Loggia» hat grossen Anklang gefunden, liegt reduziert erst in Studienqualität mit Grobkostenschätzung vor. Dennoch: Der Bau lässt sich kostenoptimiert zu 7,5 Millionen realisieren: Weniger Schiebewände und Grossverglasungen in Brandschutzzonen, wirtschaftlicher Innenwandbau, Systemholzfassaden, ein Untergeschoss ohne den Tragwerksmix Beton und Holz und die Fachplanersubmission können die Kosten ohne Qualitätseinbussen stark senken. Eine vorgespurte 3-Zimmer-Erweiterung läge kostengünstig innerhalb des Baus. Grösseres Sparpotenzial besteht am Aussengelände, noch offen in der Bedürfnisformulierung und den Vorschlägen. Eine «Erlebniswelt»-Gesamtneugestaltung des grossen Wettbewerbsperimeters ist unnötig.
Nach langen Pauschalverurteilungen präsentiert die Gegnerschaft plötzlich den Vorschlag «Ratio» mit Minimalstbauvolumen. Ohne Bedürfnisabsprache entwarfen Rohbauunternehmer auf aktuellem Layout einen Betonbau mit Holzfassade und sehr knappem Ausbau. «Ratio» weist weniger Gruppenräume und Lehrer-Vorbereitungsflächen auf und hat zu knappe Sanitäranlagen. Wie viel Ausbau und Haustechnik in den knapp 7 Millionen plus minus 10 Prozent enthalten ist, bleibt offen. Eine neue Planerausschreibung (geltende Submissionsverordnung) ergäbe deutliche Mehrkosten und viele verlorene Monate, worauf eingemietete Tagesstruktur und Kindergarten warten müssten. Einsicht und Optimierungswille hat die Bauherrschaft geäussert und benötigt das Ja und unser Vertrauen.
Christoph Schelker, Bauingenieur, Gelterkinden
Fachmeinungen
In der aktuellen Diskussion fällt auf, dass sich vermehrt Stimmen aus dem Kreis der Architektinnen und Architekten einbringen und versuchen, die Debatte in eine fachliche Richtung zu lenken. Fachliche Perspektiven können zwar zur Meinungsbildung beitragen, doch besteht die Gefahr, dass dadurch ein unnötiger Nebenschauplatz eröffnet wird, der von der eigentlichen Frage ablenkt. Denn zur Abstimmung steht nicht eine gestalterische oder konzeptionelle Grundsatzfrage, sondern die Höhe eines Projektierungskredits. Diese Unterscheidung ist entscheidend! Es geht um einen verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln und um die Frage, ob die beantragte Summe verhältnismässig ist.
In einer direkten Demokratie liegt die Entscheidung bei der Bevölkerung. Fachmeinungen haben ihren Platz, dürfen aber den politischen Entscheid nicht überlagern. Die Gelterkinder Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sind sehr wohl in der Lage, finanzielle Vorlagen eigenständig einzuschätzen und zu beurteilen. Ein Nein an der Urne zum vorliegenden Projektierungskredit ist deshalb ein sachlicher Entscheid – und zugleich eine klare Fokussierung auf die entscheidende Frage, ohne sich von Nebenschauplätzen ablenken zu lassen.
Rolf Hintermann, Gelterkinden
