«Das Verständnis für die Risiken lässt nach»
03.07.2026 BaselbietObstbauer Stefan Ritter rechnet trotz der Wetterextreme mit einer guten Kirschenernte
Laut Stefan Ritter, dem Präsidenten des Obstverbands Baselland, machen Hitze und Trockenheit den Kirschen zu schaffen. Die Schäden halten sich jedoch in Grenzen. Zudem äussert er sich zu ...
Obstbauer Stefan Ritter rechnet trotz der Wetterextreme mit einer guten Kirschenernte
Laut Stefan Ritter, dem Präsidenten des Obstverbands Baselland, machen Hitze und Trockenheit den Kirschen zu schaffen. Die Schäden halten sich jedoch in Grenzen. Zudem äussert er sich zu tierischen Schädlingen und der teils schwierigen Preisgestaltung.
Elmar Gächter
Herr Ritter, Mensch und Natur leiden unter Hitze. Wie wirken sich Temperatur und Trockenheit auf die Kirschen aus?
Stefan Ritter: Trockene Phasen gab es schon immer, aber gepaart mit extremer Hitze stellen sie den Obstbau vor besondere, teils grosse Herausforderungen. Dies merken wir an den Kirschen: Sie reifen zwar, wachsen aber nicht mehr weiter. Der Baum scheint auf eine Überlebensstrategie umzustellen und versorgt die Früchte nicht mehr mit Wasser. Die Haut der Kirschen fällt zusammen und wird schrumpelig. Demgegenüber führt der Wassermangel in den Früchten zu mehr Zucker, weshalb die jetzt geernteten Früchte besonders süss schmecken – wie sie sein sollten.
Hat das jetzige Wetter demnach keine Nachteile für die Kirschenernte?
In meiner Plantage halten sich die Schäden in Grenzen. Es gibt jedoch Betriebe, die erwägen, die Ernte vorzeitig zu beenden. Dies hängt auch von der unterschiedlichen geografischen Lage der Kulturen ab. Auf unserer Anlage in Buus befinden wir uns im letzten Drittel der Ernte, in höheren Lagen wie Eptingen oder Reigoldswil ist etwa Halbzeit, während im Unterbaselbiet die Ernte bald abgeschlossen ist.
Wie steht es generell um das laufende Kirschenjahr?
Das Jahr begann sehr gut und setzte sich mit einem ausgezeichneten Frühling und einer optimalen Bestäubung fort. Es gab zwar eine Frostnacht, Schäden traten allerdings nur lokal auf; meines Wissens litt kein Betrieb unter Totalausfall. Es hat sich ein guter bis sehr guter Fruchtbehang entwickelt, der regional jedoch leicht variiert.
Und was ist mit der Essigfliege als dauerhaft schwebendes Damoklesschwert?
Interessanterweise spüren wir ihren Druck viel weniger als in anderen Jahren. Die Fliege mag Hitze nicht, insbesondere nicht mehr als 30 Grad. Dies hat sich in dieser Erntesaison bislang bestätigt: In meinen Kulturen ist noch keine Essigfliege aufgetaucht. Und dies, obwohl unsere Niederstammanlagen nicht speziell geschützt sind. Anders verhält es sich bei den Hochstammbäumen, die von den Fliegen besonders gerne heimgesucht werden, und deren Schutz schwierig und aufwendig ist. Aus diesem Grund nimmt die Anzahl dieser Hochstämme zum Leidwesen des Landschaftsschutzes und der Biodiversität kontinuierlich ab.
Wie schützen Sie Ihre Anlage und wie planen Sie Investitionen?
Unsere Plastikdächer schützen primär vor Regen, Hagel und Fäulnispilz. Ein Netzschutz gegen die Schädlinge wäre ideal, doch ein Nachrüsten ist schlichtweg zu teuer. Dies auch im Wissen, dass es mit dem Frostspanner und dem Japankäfer weitere Schädlinge gibt. Um eine Anlage zu bepflanzen, zu bewässern und ganz abzudecken, sind Investitionen von rund 150 000 Franken pro Hektar nötig. Neben diesem finanziellen Aufwand sind es vor allem der aufwendigere Pflanzenschutz, gestiegene Personalkosten, Verfügbarkeit von Personal und anderes mehr, weshalb es sich nur wenige grössere Produzenten leisten können, ihre Anlagen entsprechend aufzurüsten; kleinere Betriebe geben die Produktion eher auf.
Auf Ihrer Plantage sind, wie unser Besuch zeigte, viele Helfende im Einsatz. Wie rekrutieren Sie sie?
Wir sind in der glücklichen Lage, neben zwei Saisonangestellten aus Rumänien auf viele pensionierte, aber auch jüngere Helferinnen und Helfer zählen zu können. Sie warten jeweils darauf, dass wir sie kontaktieren und zum Pflücken einladen. Wenn wir nicht auf sie zählen könnten oder sie nicht bereit wären, gegen einen bescheidenen Lohn mitzuarbeiten, müssten wir wohl auf die Produktion verzichten.
Wie beurteilen Sie den aktuellen Kirschenabsatz?
Die Nachfrage ist schweizweit und auch in unserer Region vorhanden. Der Absatz läuft sehr gut; im Gegensatz zu früheren Jahren ist praktisch kein Lager vorhanden. Die inneren Werte der Früchte stimmen, und auch die äusseren im Grossen und Ganzen.
Und die Preisentwicklung?
Ich bin seit rund acht Jahren Mitglied des Produktezentrums Kirschen/ Zwetschgen, zuständig für die Marktpreise auf schweizerischer Ebene. Angesichts der hohen Ernteschätzungen dürfen wir grundsätzlich mit den ausgehandelten Preisen zufrieden sein. Ich stelle jedoch fest, dass die Preisverhandlungen zwischen Detailhandel und Produzenten härter geworden sind. Das Verständnis für die Risiken, die Produzenten wegen zunehmend extremer Wetterbedingungen und Schädlingen tragen müssen, lässt aus meiner Sicht nach.
Was freut Sie als Kirschenproduzent an Ihrem Metier?
Ein Produkt anbieten zu können, das schön aussieht und gut schmeckt. Als Landwirt sehe ich vor allem die Aufgabe, gutes und gesundes Essen für die Bevölkerung zu produzieren.
Was wünschen Sie sich, um weiterhin mit Freude Kirschenanbau betreiben zu können?
Ich wünsche mir mehr Verständnis und Interesse dafür, wie und weshalb Lebensmittel produziert werden. Produzenten und Konsumenten entfernen sich zunehmend voneinander. Es wäre wünschenswert, wenn Konsumenten sich wieder bewusster würden, dass unsere Produkte ihren Preis haben. Ohne zu jammern: Die Produktionskosten – ob Sozialleistungen, Dünger oder Pflanzenschutz – sind nie billiger geworden, sondern steigen stetig.
Zur Person
emg. Der 42-jährige Stefan Ritter ist seit März 2025 Präsident des Obstverbands Baselland. Der gelernte Landwirt mit Meisterdiplom bewirtschaftet mit seiner Frau den Hof Hintere Rotmatt in Buus mit rund 4,5 Hektaren Kirschen, Zwetschgen, Erdbeeren und Heidelbeeren. Zudem betreiben sie Milchwirtschaft und Ackerbau.


