«Das schönste Ehrenamt»
04.08.2026 HölsteinWerner Schäublin war fast 30 Jahre lang Fähnrich
Der Hölsteiner hat sein Amt altershalber aufgegeben und hofft wie der Vorstand des Musikvereins Hölstein, möglichst bald einen Nachfolger zu finden.
Elmar Gächter
...Werner Schäublin war fast 30 Jahre lang Fähnrich
Der Hölsteiner hat sein Amt altershalber aufgegeben und hofft wie der Vorstand des Musikvereins Hölstein, möglichst bald einen Nachfolger zu finden.
Elmar Gächter
«Einigermassen gut marschieren sollte man schon können», antwortet Werner Schäublin auf die Frage, welche Voraussetzungen ein Fähnrich mitbringen muss, und ergänzt lachend: «Sowie mindestens so gut aussehen wie ich.» Er muss es wissen, trug er doch 29 Jahre lang die Fahne des Musikvereins Hölstein.
So einfach, wie es sich zunächst anhört, ist Fahnenträger sein allerdings nicht, wie das Gespräch mit dem bald 75-jährigen Hölsteiner offenbart. Immerhin gibt es – wie für fast jedes Thema in unserem Land – ein Reglement, verfasst vom Schweizer Blasmusikverband, das auf zwölf A4-Seiten minutiös den Umgang mit Fahnen beschreibt. So heisst es dort: «Der Fähnrich bekleidet wohl eines der schönsten Ehrenämter im Verein.
Als Bannerträger repräsentiert er seinen Verein und geht bei musikalischen Auftritten seines Korps voraus.» Und weiter: «Er steht im vordersten Glied und ist die Visitenkarte des Vereins. Das Musikkorps wird an der musikalischen Leistung gemessen – der Fähnrich an seiner Haltung.»
Blasmusik war im Elternhaus hochgehalten; bereits seinen Vater und nach und nach nicht weniger als fünf seiner sieben Brüder sowie später auch seinen Sohn Marc zog es zum Musikverein Hölstein. «Mir fehlte das Talent zum aktiven Musizieren, aber die Bindung zur Blasmusik war früh gegeben», blickt Werner Schäublin zurück.
Nach seinem altersbedingten Abschied als Offizier der Ortsfeuerwehr stand für ihn fest, das Amt des Fähnrichs auszuüben. Wegen des plötzlichen Ablebens seines Vorgängers kam der erste Einsatz jedoch viel früher als geplant. «Niemand konnte mir konkret sagen, worauf ich als Fahnenträger achten muss. Der damalige Vereinspräsident meinte vor dem Fest nur: ‹Mach einfach das, was die anderen Fähnriche auch machen.› Die Uniform musste ich mir im Vereinsmagazin selbst zusammensuchen.»
Marsch auf dem Kasernenplatz
Einen Kurs gab es dann doch noch. Auf dem Kasernenplatz in Liestal lernte man während eineinhalb Stunden marschieren und schwingen, einzeln und im Verband, und übte den letzten Fahnengruss. «Seid stolz und exakt. So, wie ihr vorauslauft, läuft der Rest hinterher», hiess es von den Instruktoren. Für Werner Schäublin war es in all den Jahren selbstverständlich, sein Amt an offiziellen Anlässen ausschliesslich mit Jacke, Hut und Handschuhen zu versehen und es gut zu repräsentieren – auch bei hochsommerlichen Temperaturen.
Mit Freude erinnert er sich an die ungezählten Anlässe und lobt die Musikantinnen und Musikanten. «Ich war Mitglied in verschiedenen Vereinen, doch so viel Geselligkeit und Freundschaft wie im Musikverein Hölstein und an Musikfesten habe ich nirgendwo sonst erlebt.» Ein wenig Bedauern schwingt bei ihm mit, dass die Totenehrung mit dem Fahnengruss angesichts der immer seltener gewordenen Erdbestattungen weitgehend obsolet geworden ist. «Manche Trauergäste kamen auf mich zu und dankten mir für die ruhige und würdevolle Fahnenbegleitung.» Werner Schäublin war im Verein weit mehr als ein Fähnrich. Ihm lag daran, einmal im Monat an den Probeabenden dabei zu sein und dem Verein in verschiedenen Funktionen zu dienen. So war er – nicht zuletzt wegen seines Humors – als Moderator an Jahreskonzerten gefragt, Märchenerzähler bei Auftritten mit der Primarschule, kümmerte sich bei Anlässen um den Einkauf von Getränken und Lebensmitteln, half in der Küche mit, und sein Glühwein bei den vorweihnächtlichen Auftritten des Vereins geniesst längst einen legendären Ruf. Zudem war er sieben Jahre lang Vizepräsident – fast logisch, dass er zum Ehrenmitglied ernannt wurde.
Hoffnung auf Nachfolge
An der diesjährigen Jahresversammlung hat er seinen Rücktritt bekannt gegeben, nachdem er ihn bereits vor zwei Jahren angekündigt hatte. «Meine Kniegelenke machen mir seit längerer Zeit Probleme, und so wird das Marschieren immer schwieriger. Deshalb war es Zeit für mich aufzuhören», hält Werner Schäublin fest. Das Amt war ihm stets wichtig, angefangen bei seinem ersten grossen Auftritt, als Hölstein mit Heidi Tschopp die erste Landratspräsidentin feierte, bis zum letzten Kantonalen Musikfest in Laufen. «Ich durfte viele Leute kennenlernen, was mich als kontaktfreudigen Menschen besonders freute. Stolz bin ich auch darauf, als nicht musizierendes Mitglied voll im Verein integriert und geschätzt zu sein.»
Nun hofft er wie der Vorstand, dass sich ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin finden lässt. «Er oder sie sollte aus meiner Sicht Disziplin gepaart mit Humor mitbringen, die Gemeinschaft schätzen und bereit sein, das Privatleben nach den Anlässen des Vereins zu richten. Ich bin jederzeit bereit, Tipps für diese schöne und verantwortungsvolle Funktion zu geben.»

