Das «Rössli» trabt wieder
09.06.2026 ZeglingenJudith Gysin betreibt ihr Restaurant mit neuem Konzept
Seit ein paar Wochen kann man im «Rössli» in Zeglingen wieder einkehren und sich neben Znüni und kalten Plättli mit einem warmen Menü verwöhnen lassen.
Elisabeth ...
Judith Gysin betreibt ihr Restaurant mit neuem Konzept
Seit ein paar Wochen kann man im «Rössli» in Zeglingen wieder einkehren und sich neben Znüni und kalten Plättli mit einem warmen Menü verwöhnen lassen.
Elisabeth Böhm
Judith Gysin, Besitzerin und langjährige «Rössli»-Wirtin, schwingt seit dem 12. März dieses Jahres in ihrem Restaurant in Zeglingen wieder den Kochlöffel und bittet an zwei Tagen pro Woche zu Tisch. «Es war mir einfach zu ruhig im Haus», gesteht die 60-Jährige, «es fehlten mir die Gäste.» Wie ausgestorben sei es ihr vorgekommen und dieses Leben habe sie vermisst. «Schliesslich ist das Haus als Restaurant gebaut worden. Es wäre schade, diese Bestimmung nicht zu leben.» So startet die leidenschaftliche Köchin nun nach einer gesundheitsbedingten Pause mit einem neuen Konzept und reduzierten Öffnungszeiten. Die Lebensqualität darf dabei aber nicht zu kurz kommen. 16-Stunden-Tage stemmt sie nicht mehr. Jeden Donnerstag ab 9 Uhr ist das «Rössli» geöffnet für Vereine, Znüni, Mittag- und Abendessen. Am Freitag kann man ab 17 Uhr einkehren und sich mit einem Abendessen verwöhnen lassen. Geschlossen wird an beiden Tagen um 23 Uhr – oder wenn alle Gäste gegangen sind.
Das Konzept sieht ein einheitliches Menü für alle vor, auf Bestellung kocht sie auch vegetarisch, «da gibt es nicht einfach nur die Beilagen», ergänzt sie und schmunzelt. Am Mittag gibt es ein einfaches Menü und am Abend etwas aufwendiger mit Suppe, Salat, einem Hauptgang und einem Dessert, dazu wird jeweils Wasser und ein Kaffee zu einem Pauschalpreis serviert. Wer ein Glas Wein bevorzugt, kann dies gegen einen Aufpreis erhalten.
Wein-Bar als besonderes Angebot
«Dieses Konzept erspart uns viel Arbeit», sagt Judith Gysin. Die Tische sind beim Eintreffen der Gäste bereits gedeckt, die Speisen werden in Schüsseln serviert, sodass die Frauen vom Service nur noch abräumen müssen. «Dadurch, dass man sich gegenseitig schöpft, gibt es eine ruhige, familiäre Atmosphäre», zeigt sich die Wirtin überzeugt. Und die Diskussionen, welches Menü man aussuchen soll, fallen weg.
Judith Gysin hat bewusst dieses einfache Konzept gewählt, damit neben ihrer Rolle als Köchin und Gastgeberin auch anderes noch Platz hat. So steht das «Rössli» auf den drei Beinen Restaurant, Kursangebote mit der «Weinwunderbar» und Verkaufsladen. Gerade die «Weinwunderbar» liegt ihr sehr am Herzen, hat sie doch die Ausbildung zur Wein-Sommelière an der Hotelfachschule in Zürich absolviert und sich damit einen lange gehegten Wunsch erfüllt. Nun gibt sie ihr Wissen in Kursen für geschultes Personal im Gastgewerbe weiter, auch an der Volkshochschule, und bietet zudem für Private Wein- und Käseabende an, um Interessierten die vielseitige Welt des Weines näherzubringen.
Daneben ist sie neugierig geblieben und probiert immer wieder neue Kombinationen von Speisen aus, oder arbeitet sich in «Sparkling Tea» ein, einem kohlesäurehaltigen Getränk auf Tee-Basis:«Die heutige junge Generation ist viel gesundheitsbewusster und trinkt weniger Alkohol.» Aber auch Fruchtessenzen, in der Steiermark hergestellt, führt die zweifache Grossmutter in ihrem Sortiment. Beides sind qualitativ hochwertige Alternativen zu Alkohol, gerade für diejenigen Gäste, die mit dem Auto kommen, oder gar keinen Alkohol konsumieren möchten.
Mit dem neuen Konzept ist Judith Gysin flexibel und erwartet das auch von ihren Gästen. Will heissen, dass man sich zuerst über die Website informiert, ob das «Rössli» geöffnet ist und ob eine Anmeldung auch möglich ist.
Denn: In ihrer Funktion als Käse-Sommelière wurde Gysin für die diesjährigen «Swiss Cheese Awards» in die Jury gewählt. Der Anlass findet alle zwei Jahre statt und wird im Oktober in Fribourg über die Bühne gehen. Es wird einen Einführungstag zum Degustieren geben, «und wenn dieser Degustationstag an einem Donnerstag ist, dann gibt es halt nur Znüni und am Nachmittag ein kaltes Plättli, aber kein warmes Menü», erklärt die Gastro-Spezialistin.

