Das «Gmäiniblättli» erweist sich als resistent

  29.01.2026 Baselbiet

Trotz Digitalisierung gibt es immer noch Anzeiger in Papierform

Einst rief im Dorf der Weibel die Information aus dem Gemeindehaus aus. Dieser wurde abgelöst von gedruckten Mitteilungsblättern. Diese wiederum werden nach und nach von digitalen Informationskanälen abgelöst. Aber längst nicht überall.

Sander van Riemsdijk

Die Gemeinden haben gegenüber ihrer Einwohnerschaft eine Informationspflicht. Der Gemeindeanzeiger als Publikationsorgan ermöglicht der Bevölkerung den Zugang zu amtlichen Informationen, und er ist Bindeglied zwischen der Verwaltung und den Dorfbewohnenden. Nicht zu unterschätzen ist das «Gmäiniblättli» als Plattform für Mitteilungen und Berichte aus dem alltäglichen Dorf- und Vereinsleben.

Lange Zeit wurde der Gemeindeanzeiger, das Dorfblatt oder die «Dorfzytig» in gedruckter Form allen Hausfortschreitender Digitalisierung ändert sich dies allmählich. Aus unterschiedlichen Gründen – meistens sind es die Kosten – verzichten Gemeinden auf die analoge Zustellung und stellen auf eine ausschliesslich elektronische Publikation im Internet um. Ihren Informationsauftrag erfüllen sie damit nach wie vor.

Von Bring- zur Holschuld
So hat beispielsweise die Gemeinde Oberdorf kürzlich die Printversion ihres Gemeindeanzeigers «Uelischadblatt» eingestellt. Aus Kostengründen, wie sie verlauten liess. Thürnen stellt die gleiche Überlegung an und führt dazu eine Bevölkerungsumfrage durch. In den vergangenen Jahren habe häufiger festgestellt werden müssen, dass «der Gemeindeanzeiger von einem Grossteil der Bevölkerung vermutlich nicht mehr gelesen wird», sagt Gemeindeverwalter Benjamin Meyer auf Anfrage der «Volksstimme».

Die Gemeinden vollziehen damit den Wechsel von einer Bring- zu einer nen müssen nun von jedem selbst digital gelesen oder in der Gemeindeverwaltung abgeholt werden.

Bei den Gemeinden, die von der Printform auf elektronische Zustellung umgestellt haben oder sich dies überlegen, ist der Grundtenor ziemlich gleichlautend. Als positive Effekte werden Effizienzsteigerung, geringerer Papierverbrauch und tiefere Kosten genannt. Nichtsdestotrotz wird längst nicht überall auf die Papierform verzichtet. Einige Gemeinden bieten das Mitteilungsblatt sowohl analog als auch digital an. So zum Beispiel Hölstein, wo die Bevölkerung neben den digitalen Kanälen – Website und News-App – an Informationsveranstaltungen und Gemeindeversammlungen und weiterhin (unregelmässig) via «Infoblatt der Gemeinde Hölstein» informiert wird.

Ähnlich sieht es in Lausen aus. Hier erhält die Bevölkerung nach wie vor die Informationen aus der Amtsstube in Printform via «Lausner Anzeiger», der elf Mal im Jahr – die Juli-Ausgabe Gemeindeblatt noch alle drei Wochen erschienen. Weitere Info-Kanäle sind auch hier die Gemeinde-News-App und die Website. In Zunzgen werden allgemeine Informationen und Bekanntmachungen ebenfalls auf unterschiedliche Weise verbreitet: analog via Gemeindeblatt «Büchel-Zytig», digital via App und Website sowie am Anschlagkasten beim Eingang zur Gemeindeverwaltung. «Vorerst werden Kommunikation und Information sicher noch auf analogem und digitalem Weg erfolgen», lässt der Zunzger Gemeindeverwalter Cristiano Santoro verlauten.

In Titterten ist mit dem Gemeindeblatt «Schnitz-Poscht», das jeweils Ende Monat im Druckformat erscheint, der analoge Zugang zu Informationen der Gemeindebehörden ebenfalls weiterhin gewährleistet. Zudem wird die News-App bespielt. Seit einiger Zeit werden die amtlichen Publikationen in Reigoldswil im «Reigetschwyler Bott», der per Post an die Haushalte verschickt wird, nur noch alle zwei Monate veröffentlicht. Zudem kann sich die Bevölkerung auf der Gemeinde-Website und mithilfe der News-App informieren. Die Gemeinde stelle seit der Umstellung fest, dass mit den gewählten Kommunikationskanälen dem Informationsbedarf einer breiteren Öffentlichkeit besser Rechnung getragen wird, erklärt Gemeindepräsident Fritz Sutter. «Zudem werden keine zusätzlichen Ressourcen – materiell und finanziell – beansprucht.»

Gemeindeblatt auf Anfrage
Maisprach hat kein Gemeindeblatt. Hier werden die amtlichen Publikationen in der Wochenzeitung «Fricktalinfo»/«Friktaler Woche» publiziert. Deren Auflage von 47 000 Exemplaren wird in allen Haushalten im Fricktal sowie in ausgewählten angrenzenden Baselbieter Gemeinden verteilt. Ferner informiert die Gemeinde Maisprach ihre Einwohner mittels App und Website über Neuigkeiten. Gleiches gilt für Arisdorf und Hersberg. In Arisdorf wird zusätzlich das Gemeindeblatt auf Anfrage zugeschickt – momentan an rund 85 Personen. Gemäss Stefanie Hofer, Arisdörfer Verwalter-Stellvertreterin und Bürgerratsschreiberin, «sind aktuell keine Änderungen vorgesehen».

In Sissach werden Gemeinde-Informationen neben der Website auf der Sonderseite «Sissach aktuell» in der «Volksstimme» und dem zweimal jährlich erscheinenden Heft «Fokus Sissach» verbreitet. Das offizielle Gelterkinder Publikationsorgan ist der Anzeiger «Obz». Ansonsten werden Neuigkeiten auf der Website aufgeschaltet.

Unsere Umfrage erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, doch lässt sie gewisse Rückschlüsse zu, dass auch in der stark digitalisierten Medienwelt seitens Gemeinden die klassische Form der Gemeindeanzeiger noch immer gepflegt wird; häufig werden sie sowohl auf der Website aufgeschaltet als auch in die Haushalte verschickt. Die fortschreitende und professionelle Digitalisierung schafft für die Gemeinden zudem neue Möglichkeiten, mit ihrer Bevölkerung in Kontakt zu treten.


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