Dank Konfitüre zu mehr Wildhecken
16.01.2026 Bezirk LiestalMit dem Verkaufserlös schaffen Sabine und Dominik Brändlin Lebensraum für Kleintiere
Im Jahr 2022 beschlossen Sabine und Dominik Brändlin aus Liestal, mit Hilfe ihrer Konfitürenproduktion ökologisch wertvolle Hecken zu fördern. Die damals gegründete ...
Mit dem Verkaufserlös schaffen Sabine und Dominik Brändlin Lebensraum für Kleintiere
Im Jahr 2022 beschlossen Sabine und Dominik Brändlin aus Liestal, mit Hilfe ihrer Konfitürenproduktion ökologisch wertvolle Hecken zu fördern. Die damals gegründete Firma «Berberitze» hat mit Einnahmen aus dem Konfiverkauf mittlerweile sechs neue Wildobsthecken gepflanzt und zum Gedeihen verholfen.
Daniel Zwygart
Sabine Brändlin bekam den Virus, Hagebutten zu sammeln und zu Buttenmost zu verarbeiten, von ihrem Grossvater. Er zeigte ihr die besten Wildrosenstandorte, sie half ihm, die roten Früchte zu sammeln und mit einer handbetriebenen Maschine zu Buttenmost zu verarbeiten. Nach dem Tod des geliebten Grossvaters gelangte die Maschine in ihren Besitz. Zusammen mit ihrem Mann Dominik pflegte sie die Tradition, Wildfrüchte einzumachen, weiter. Mit der Zeit wurden auch andere Wildobstarten gesammelt und verarbeitet.
Die Pfarrerin und der Elektroingenieur versuchen seit jeher, mit ihrer Familie möglichst umweltbewusst zu leben. Mit der Gründung der Firma «Berberitze» im Jahr 2022 sollte dies noch vertieft werden. Dominik Brändlin sagt ganz klar: «Eine weitere Konfitürenproduzentin auf dem Markt wäre uns zu wenig gewesen.»
Seine Frau Sabine erläutert die Ziele von «Berberitze», indem sie den Text auf der Rückseite eines Konfitürengläschens vorliest: «Sie kaufen, wir pflanzen. Mit dem Erlös unserer Produkte pflanzen wir Wildobsthecken in Liestal und Umgebung. Vögel, Insekten und viele weitere Organismen finden darin ein neues Zuhause. Das ist unser und ihr Beitrag zur Biodiversität.»
Um diese Ziele umzusetzen, haben beide ihr Arbeitspensum im angestammten Beruf reduziert. Im Lauf der Zeit hätten verschiedene Freunde und fremde Konsumentinnen ihrer Produkte angefragt, ob sie freiwillig mithelfen könnten. Mittlerweile gäbe es eine stattliche Gruppe, die mitmachen würde. Dadurch werde der ökologische Gedanke der Sache nochmals multipliziert. Denn beim Mitarbeiten würden viele ökologische Fragen untereinander thematisiert. Die Freiwilligen schätzen es anscheinend insbesondere, dass sie selber einen kleinen Beitrag zur biologischen Aufwertung der Umwelt leisten können.
Auf die Frage, ob «Berberitze» bald aufstocken und sogar Leute anstellen würde, lachen beide. Das sei eben nicht das Ziel von ihnen. Wenn mehr Geld hereinkomme, dann könnten mehr Hecken gepflanzt werden. Mehr als zwei bis drei pro Jahr seien aber sowieso nicht realistisch. «Wir wollen auch noch Freude an der Arbeit und dem Projekt haben.»
Heckenpflanzungen
Mit dem Ertrag aus dem Konfitürenverkauf werden Jungpflanzen und die Zäune für neue Hecken auf Land von Privaten, Landwirten oder öffentlichen Institutionen verwendet. Die wurzelnackten Stauden werden im Herbst oder zeitig im Frühjahr gepflanzt und mittels geeigneter Zäune vor Wildschäden geschützt. Zudem muss in den ersten Jahren das aufkommende Gras regelmässig zwei- bis dreimal pro Jahr gemäht werden. Dies, damit die jungen Sträuchlein genug Sonnenlicht bekommen und sich keine grossen Mäusepopulationen im verfilzten Beiwuchs ansiedeln.
Für Landwirte gibt es zudem die Möglichkeit, die Hecke als «Ökologischen Ausgleich» des Kantons respektive des Bundes anzumelden und mit den erhaltenen Beiträgen den Minderertrag zu kompensieren. Die im vergangenen Herbst neu gepflanzte 200 Meter lange Hecke ist in Liestal auf einem Bauernhof realisiert worden. Ein Teil des Ertrags aus dem Konfitürenverkauf wird auch in neue Handwerkzeuge und effiziente Mähoder Verarbeitungsmaschinen investiert.
Die Ausgangsstoffe für ihre Produkte sammelt die Familie Brändlin und ihre Helferinnen und Helfer in Liestal und Umgebung. Je nach Bedarf erstreckt sich das Sammelgebiet bis auf die «Wasserfallen». Und immer sind sie mit den Elektrovelos unterwegs. Es wird auch kein Wildobst zugekauft. Hat es mal von einem Wildobst keine Früchte, dann gibt es keine solchen Produkte im Angebot.
Auf die Frage, ob es beim Sammeln denn keine Konflikte mit Landbesitzerinnen gäbe, verneint Sabine Brändlin. Sie würden zur Hauptsache an Waldrändern, Ruderalstellen und einzelnen Hecken, deren Besitzer angefragt würden, sammeln. Als einziges Hilfsmittel gäbe es einen Wanderstock mit einem Haken, mit dem die Äste herangezogen würden. Und natürlich die Hände, die nach einem Sammeltag arg zerkratzt seien.
Da auch keine Leitern zum Einsatz kommen, kann immer nur ein kleiner Teil der vorhandenen Brombeeren, Hagebutten, Kornelkirschen, Wildpflaumen, Schwarzdorn, Berberitzen etc. geerntet werden. Der Rest sei für die Vögel und andere Tiere.
Produkte weiter verarbeiten
An diesem Tag steht die Produktion von Buttenmost aus Hagebutten an. Die gesammelten Früchte werden gewaschen, abgetropft und dann frisch verarbeitet oder tiefgefroren, da die Arbeits- und Lagerkapazitäten beschränkt sind.
Die Hagebutten mussten bis letztes Jahr mühsam von Hand gerüstet werden, denn das schwarze Käppchen, die nussartigen Samen im Inneren und die feinen Haare (mit denen früher Juckpulver gemacht wurde) dürfen nicht in die Konfitüre.
Im vergangenen Jahr kauften Brändlins in Italien eine Maschine, mit der eigentlich Tomatenmark für Sugo hergestellt wird. Nach anfänglichen Misserfolgen konnte Dominik, der Ingenieur, die Welle im Inneren so abändern, dass die Maschine auch Buttenmost produziert.
Die mit wenig Wasser aufgekochten Hagebutten werden mehrmals durch die Maschine gelassen. Nach und nach entsteht der cremige Buttenmost. Aus dem Buttenmost wird dann unter Zugabe von Rohrzucker und Apfelpektin eine optimal streichfähige Konfitüre hergestellt. Davon konnten wir uns bei der anschliessenden Degustation überzeugen. Neben Konfitüren werden auch Säfte, Chutneys, Sirup und auch Teemischungen produziert. Verkauft werden die Produkte in Liestal und der ganzen Agglomeration. Meist reiche der Vorrat nicht bis zur neuen Ernte.
Mehr Informationen auf www.berberitze.ch




