«Brauchtum muss man selber erleben»
17.02.2026 Bezirk LiestalÖrtliche Bräuche vom Banntag bis zur Lichtershow
An der ersten öffentlichen Führung von Liestal Tourismus dieses Jahr gab Stadtführer Markus Meyer einen Einblick in verschiedenste Bräuche. Teils haben sie eine jahrhundertealte Tradition, teils sind sie ...
Örtliche Bräuche vom Banntag bis zur Lichtershow
An der ersten öffentlichen Führung von Liestal Tourismus dieses Jahr gab Stadtführer Markus Meyer einen Einblick in verschiedenste Bräuche. Teils haben sie eine jahrhundertealte Tradition, teils sind sie neueren Datums: Auch das Brauchtum geht mit der Zeit.
Marianne Ingold
Die Bilder, mit denen Stadtführer Markus Meyer seinen Rundgang «Vo Chienbäse bis Santichlaus-Ylüte» illustriert, sind laminiert und damit für alle Wetterlagen geeignet. Doch am vergangenen Mittwochabend machte der Regen zum Glück eine längere Pause, und die Gruppe, die sich für die Führung zum Liestaler Brauchtum angemeldet hatte, blieb trocken. In knapp eineinhalb Stunden ging es vom «Törli» übers Rathaus und die Amtshausgasse zum Gestadeckplatz und von dort aus wieder zurück zum Ausgangspunkt. Dabei erfuhren die Teilnehmenden viel über die Liestaler Bräuche, von denen einzelne sehr alt sind, während andere wie die «Lichternacht», die alle zwei Jahre im September stattfindet, erst seit wenigen Jahren existieren.
Am bekanntesten ist der Chienbäse-Umzug, der auf einen heidnischen Lichterbrauch zurückgeht. Vor 1924 gab es Höhenfeuer und einen Fackelumzug ausserhalb der Altstadt, dann erfand ein rühriger Bäcker den Umzug in seiner heutigen Form. Noch in den 1950er-Jahren waren die Anzahl Chienbäse und die der Zuschauenden überschaubar. Heute lockt das Massenspektakel am Abend des Fasnachtssonntags, wenn die lodernden Wagen und die Träger mit ihren funkensprühenden Besen durch Liestal ziehen, jeweils etwa 50 000 Menschen an und erfordert umfassende Sicherheitsvorkehrungen. Die Feuerwagen sind so konstruiert, dass sie nicht umstürzen können; jeder wird mehrfach kontrolliert und etwa 200 Feuerwehrleute sind im Einsatz. Wer unbedingt ins «Stedtli» will, sollte sich bei einer Strassenlampe postieren, denn darunter dürfen die Feuerwagen nicht anhalten. Für die weniger Hitzeresistenten ist ein Standort ausserhalb des «Stedtlis» empfehlenswert. Besser zu Hause lassen sollte man Kinderwagen, Kleinkinder und Hunde.
Meisterschaften im Trinken
Die Fasnacht spielt ebenfalls eine wichtige Rolle im Liestaler Brauchtumskalender. Auch sie hat eine lange Tradition, die sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert hat. So sind heute am Fasnachtsumzug keine Pappnasen mehr zu sehen und es gibt keinen «Morgestreich» mehr. Auch Maskenbälle mit mehreren Hundert Teilnehmenden, wie es sie im 19. Jahrhundert in jedem Beizensaal gab – schön getrennt nach Verheirateten und Ledigen – finden nicht mehr statt. Dafür sind die Guggen auf dem Vormarsch.
Apropos Marsch: Der zweitwichtigste Liestaler Brauch nach dem Chienbäse ist der Banntag am Montag vor Auffahrt. Wie in Sissach ist die Teilnahme am Grenzumgang bis heute den Männern vorbehalten. Neben geladenen Gästen dürfen auch Kinder teilnehmen, die jedoch heutzutage zum Leidwesen der Banntägler oft einen Ausflug in den Europapark vorziehen, statt mit einer der vier Rotten mitzulaufen.
Die Frauen pflanzen gemäss Tradition an diesem Tag Bohnen, die dank der zunehmenden Mondphase besser gedeihen sollen. Derweil sprechen die Männer gerne einem anderen landwirtschaftlichen Erzeugnis zu: Zum Znünihalt wird Rotwein im «Muff» ausgeschenkt, einem Trinkgefäss mit 4 Deziliter Fassungsvermögen. Heute wird der Wein teilweise verdünnt, und auch die früheren Meisterschaften im Trinken (in der «kleinen» Variante 7 «Müff», in der «grossen» 11 – man rechne!) sind dem Zeitgeist gewichen. Keinen Bezug zu diesem Substanzkonsum hat übrigens der «blaue Santichlaus» am «Santichlaus-Ylüte».
An der Stadtführung gab es noch viel mehr Interessantes zu erfahren. Wer wissen möchte, was es mit «Uffertswegge», «Yffeln», «Törliglocke», «Bändelitanz» oder «Däscheplätzer» auf sich hat, kann den Brauchtums-Rundgang auch als private Gruppenführung buchen. Das Wichtigste sei aber, das Brauchtum selber zu erleben, betonte Markus Meyer.
Märkte, Militär und Brauereien
min. Liestal Tourismus bietet 2026 fünf weitere öffentliche Stadtführungen an:
• Am 29. April beleuchtet Markus Meyer die Geschichte der Liestaler Märkte.
• Am 17. Juni gibt Thomas von Arx einen Einblick in die militärische Tradition Liestals.
• Am 19. August erzählt Hanspeter Meyer Anekdoten aus dem Süden und Osten Liestals.
• Am 24. Oktober gibt es kulinarische Leckerbissen mit Peter Schafroth.
• Am 20. November führt Dominik Wunderlin durch Geschichte und Gegenwart von Liestals Wirtshäusern und Brauereien.
Mehr Infos auf www. myliestal.ch/fuehrungen/

