«Es war eine enorme Energie»
12.02.2026 BubendorfDaniel Schären, Kommandant der Feuerwehr Wildenstein, über den Grosseinsatz vom Montag
Ein Grossbrand im Gewerbegebiet von Bubendorf richtete am frühen Montagmorgen riesigen Schaden an einem Gewerbebau an. Daniel Schären, Kommandant der Feuerwehr Wildenstein, äussert sich zu den Schwierigkeiten bei diesem Einsatz.
David Thommen
Herr Schären, wie haben Sie die Situation vorgefunden, als Sie am Montagmorgen an der Wattwerkstrasse eintrafen?
Daniel Schären: Wir wurden durch die Einsatzleitzentrale der Polizei über den Brand in einer Gewerbeliegenschaft alarmiert. Als wir ankamen, stand das Gebäude bereits in Vollbrand – in grosser Ausdehnung. Uns war sofort klar, dass das ein ausserordentliches Ereignis ist.
Was war Ihre erste Einschätzung?
Zunächst geht es immer um eine saubere Lagebeurteilung. Sehr schnell war klar, dass wir das mit unseren eigenen Mitteln nicht alleine bewältigen können. Deshalb haben wir sofort weitere Kräfte aufgeboten.
Wie viele Einsatzkräfte haben Sie in der Feuerwehr Wildenstein zur Verfügung?
In meiner Feuerwehr haben wir 53 Angehörige, rund 40 davon standen im Einsatz. Insgesamt waren es dann etwa 150 Rettungskräfte verschiedener Feuerwehren und Organisationen.
Der Brand war erst nach rund drei Stunden unter Kontrolle.
Was machte ihn so hartnäckig?
Die Dimension war enorm. Es war extrem viel Energie im Feuer. Wir benötigten riesige Mengen Wasser. In einer solchen Gewerbeliegenschaft gibt es hohe Brandlasten: Autowerkstätten, andere Gewerbebetriebe, gelagerte Materialien. Die grosse Hitzeentwicklung und Hitzestrahlung waren die zentrale Herausforderung.
Kannten Sie das Gebäude?
Grundsätzlich ja. Wir konnten dort schon mehrere Übungen durchführen. Die Nutzung als Gewerbeliegenschaft war uns bekannt. Was die einzelnen eingemieteten Betriebe wo eingelagert haben, wussten wir jedoch nicht im Detail.
Wie sah Ihre Taktik aus?
Zuerst übernahmen wir von der Feuerwehr Wildenstein die Einsatzleitung. Aufgrund der Grösse ging das Kommando später an das kantonale Feuerwehrinspektorat über. Rasch war klar, dass sich keine vermissten Personen im Gebäude befanden. Damit hatte für uns die Sicherheit der Einsatzkräfte sowie das Halten der umliegenden Gebäude höchste Priorität. Wegen der enormen Energie und der Einsturzgefahr haben wir hauptsächlich von aussen und von oben gelöscht. Wir haben nur Gebäudeteile betreten, die sicher waren.
Welche konkreten Gefahren bestanden?
Vor allem die Einsturzgefahr. Zusätzlich befand sich direkt neben dem Gewerbehaus die Bahnlinie. Wir haben sofort veranlasst, dass der Strom abgeschaltet wird, damit wir von der Strassenseite her auch über die Bahnlinie löschen konnten. Zudem ist eine Gewerbeliegenschaft immer mit Unsicherheiten verbunden: Gasflaschen, Treibstoffe oder andere gefährliche Stoffe. Man weiss nie genau, wo was gelagert ist. Deshalb sind wir mit einem gewissen Abstand vorgegangen.
Und der Rauch?
Gab es toxische Risiken?
Wir hatten die gute Situation, dass der Rauch durch die Thermik nach oben abgezogen ist. Die Hitze war allerdings sehr belastend für Material und Einsatzkräfte. Wir mussten uns regelmässig ablösen.
Was war organisatorisch besonders schwierig?
Die Wasserversorgung. Nicht, weil wir zu wenig Wasser hatten – aber wir mussten rasch sicherstellen, dass nicht alle Löschfahrzeuge am gleichen Leitungsnetz Wasser beziehen. Am Anfang nutzt man naturgemäss den nächst gelegenen Hydranten. Wenn jedoch alle an derselben Leitung hängen, bekommt man ein Problem. Wir haben das relativ schnell erkannt, Experten der Wasserversorgung beigezogen und die Wasserentnahme auf verschiedene Zuleitungen verteilt.
Wie viel Wasser wurde verspritzt?
Gemäss Brunnenmeister hatten wir eine Spitzenleistung von bis zu 6000 Litern pro Minute aus dem Leitungsnetz. Zusätzlich wurde auch Wasser aus der vorderen Frenke gepumpt und ein Shuttlebetrieb mit Wassercontainern eingerichtet.
Das Gebäude gilt als besonders nachhaltig und war in Holz-Leichtbauweise erstellt. Hat das den Brand begünstigt?
Es war eine Holzkonstruktion. Holz ist grundsätzlich widerstandsfähig – eine Metallhalle gibt bei grosser Hitze schneller nach. Aus der Gebäudestruktur heraus würde ich nicht sagen, dass die Bauweise den Brand begünstigt hat. Was begünstigend wirkte, war wie gesagt die Brandlast im Inneren – gelagerte Materialien, Flüssigkeiten, Gasflaschen.
Wurden Brandmauern oder Brandabschnitte im Gebäude vom Feuer überwunden?
Das kann ich nicht abschliessend beurteilen. Das müsste die Gebäudeversicherung klären. Es handelt sich um einen Strukturzellenbau, wie man ihn von anderen Gewerbeliegenschaften kennt. Ob und wie stark bauliche Massnahmen gewirkt haben, ist bei dieser enormen Energie schwierig einzuschätzen.
Auf dem Dach befanden sich Solarpanels. Waren diese ein zusätzliches Risiko?
Ja, das Gebäude war mit Solarpanels bedeckt. Diese können einstürzen und stellen eine mechanische Gefahr dar. Zudem besteht grundsätzlich das Risiko von Strom auf den Anlagen. Bei dieser Brandausdehnung war das jedoch nicht das Hauptproblem.
Die Polizei schliesst Brandstiftung nicht aus. Haben Sie vor Ort Hinweise auf mehrere Brandherde bemerkt?
Dazu kann ich keine Aussage machen, wir haben uns auf die Ereignisbewältigung konzentriert.
Was nehmen Sie aus diesem Ereignis mit?
Man muss bei grossen Gewerbegebäuden von Anfang an gross denken. Ein Brand kann sehr rasch eine enorme Dimension annehmen. Deshalb ist es entscheidend, frühzeitig genügend Mittel aufzubieten. Ich meine, dass wir in diesem Fall rasch und richtig reagiert haben.
Nach dem Brand in Crans-Montana wurde viel über Prävention diskutiert. Reichen Übungen und Objektkenntnis aus?
Wir als Ortsfeuerwehr stehen im regelmässigen Austausch mit unseren Gewerbebetrieben. Wir führen Übungen durch und machen uns mit Gebäuden und Nutzungen vertraut. Das hilft im Ernstfall enorm. Aber natürlich lernt man bei jedem Einsatz dazu.
Der Brand wurde eher zufällig von einer Polizeipatrouille entdeckt. Gab es keine Brandmelder?
Eine automatische Brandmeldeanlage ist nicht vorhanden. Dazu kann ich grundsätzlich sagen: Es gibt gesetzliche Vorgaben, wann eine solche Anlage eingerichtet werden muss.
Ihr persönliches Fazit?
Es war ein ausserordentlicher Einsatz in dieser Dimension. Die Zusammenarbeit zwischen den Organisationen hat hervorragend funktioniert. Man kennt sich, man übt zusammen – das zahlt sich aus. Ich möchte allen danken, die uns unterstützt haben, auch externen Partnern wie der Landi oder dem Zivilschutz für die Verpflegung. Es war eine grosse Solidarität spürbar.
Vier Festnahmen – Brandstiftung?
Die Baselbieter Polizei hat nach dem Grossbrand in Bubendorf vier junge Männer festgenommen. Brandstiftung könne derzeit nicht ausgeschlossen werden, wie sie in einer Mitteilung vom Dienstag schreibt. Die Staatsanwaltschaft hat gegen die Festgenommenen entsprechende Verfahren eröffnet. Sie werde beim Zwangsmassnahmengericht Untersuchungshaft beantragen. Mehr Informationen zur mutmasslichen Täterschaft könnten derzeit nicht kommuniziert werden.
Die Nachlöscharbeiten wurden am Montag gegen 21 Uhr beendet, wie die Polizei schreibt. In der akuten Phase des Brandes seien rund 150 Angehörige mehrerer Feuerwehren im Einsatz gewesen. Das Feuer brach am Montag kurz vor 4 Uhr in einer Gewerbeliegenschaft an der Wattwerkstrasse aus. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte stand das Gebäude bereits in Vollbrand und stürzte in der Folge grösstenteils ein. Die Löscharbeiten dauerten mehrere Stunden (siehe «Volksstimme» vom Dienstag). Verletzt wurde niemand.
Allerdings wurden Anlagen der Waldenburgerbahn (WB) beschädigt. Wie die BLT mitteilte, waren unter anderem die elastischen Zwischenlagen der Gleise geschmolzen, ein Fahrleitungsmast wurde durch die Hitze verformt und Ausleger sowie Isolatoren beschädigt. Es verkehrten Ersatzbusse. Auf Anfrage der «Volksstimme» teilte BLT-CEO Frédéric Monard gestern Vormittag mit: «Aktuell laufen die Fahrleitungsarbeiten auf rund 2 x 300 Metern. Diese sollen heute Mittwoch noch abgeschlossen werden. Falls nötig, wird bis in die Nacht hinein gearbeitet.» Damit sollte die WB laut Monard ab heute Donnerstagmorgen früh wieder normal verkehren.
Vom Brand betroffen sind zahlreiche Gewerbetreibende. In der 3200 Quadratmeter grossen Liegenschaft waren rund 40 Gewerbetreibende eingemietet. Rund die Hälfte der Einheiten wurde komplett zerstört. Zusätzlich befanden sich 38 häufig als Lagerboxen genutzte Garagen auf dem Areal, von denen 18 vollständig zerstört worden sind. Mehrere Unternehmer hätten «alles verloren», sagte der Verwalter des Gewerbegebäudes gegenüber verschiedenen Medien. Jetzt werde fieberhaft nach Ersatzräumlichkeiten gesucht. Wie Einträge auf Facebook zeigen, sind Solidarität und Hilfsbereitschaft gross. Später solle die Gewerbeliegenschaft wieder aufgebaut werden.
Zur Person
tho. Daniel Schären (47) ist seit sechs Jahren Kommandant der Feuerwehr Wildenstein. Die Feuerwehr wird im Milizsystem geführt. Beruflich arbeitet er bei den SBB als Fachspezialist für technische Anlagen.
Scherbenregen über weitem Gebiet
tho. Der Grossbrand des Gewerbehauses in Bubendorf hat Auswirkungen auf mehrere Landwirtschaftsbetriebe. Wie die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) bestätigt, wurde beim Brand eine grosse Fläche mit Solarpanels zerstört. Durch die enorme Hitze seien Glassplitter der Photovoltaikanlage hoch in die Luft geschleudert worden und anschliessend als Scherbenregen über einem weiten Gebiet bis nach Liestal niedergegangen.
Betroffen ist unter anderem der nahe beim Bad Bubendorf gelegene Betrieb Neuhof auf Liestaler Boden. Chantal Weber, die den Hof zusammen mit ihrem Vater leitet, sagte gestern auf Anfrage: «Die Glasstücke sind meist fünflibergross. Wir haben nun schon zwei Tage lang Splitter auf unserem Land aufgesammelt.» Und zwar dort, wo Ackerbau betrieben wird und wo ab Frühling wieder das Vieh grasen wird. Weber: «Falls Kühe solche Splitter fressen, kann es schlimmstenfalls zu inneren Blutungen kommen.» Mittlerweile habe man vermutlich 70 bis 80 Prozent des Glases auflesen können.
Gestern Vormittag fand eine Begehung mit Fachleuten des Kantons statt. Dabei wurde das Ausmass des Schadens protokolliert – für den Fall, dass sich später versicherungsrechtliche Fragen stellen sollten.
Nicht nur Glassplitter sind über der Gegend niedergegangen, sondern auch unzählige faustgrosse verkohlte Rückstände, die mutmasslich vom Dämmmaterial des Gewerbegebäudes stammen. «Allein auf unserem Land haben wir 40 Abfallsäcke mit solchem Material gefüllt», sagt Chantal Weber.
Wie die BUD auf Anfrage mitteilt, wurden solche Ascheteile ins Labor geschickt, um abzuklären, ob davon eine Gefahr für Mensch und Tier ausgeht. Zudem wurden Bodenproben auf verschiedenen Flächen angeordnet, um festzustellen, ob toxische Rückstände vorhanden sind. Luftmessungen wurden während des Brandes nicht durchgeführt. Die zuständige Chemiewehr rücke bei «normalen» Bränden – also ohne Hinweise auf Gefahrengut – nicht aus, heisst es bei der BUD.



