Baselbieter Kirche hat «wilde» Zeiten erlebt
05.02.2026 Ziefen«Bläsitag» mit Kirchengeschichte und Pfarrervorstellung
Die Entwicklung der Kirche im Kanton Baselland war von grossen Umwälzungen geprägt. Am «Bläsitag» am Dienstag in Ziefen erläuterte der Historiker Rémy Suter die Hintergründe. ...
«Bläsitag» mit Kirchengeschichte und Pfarrervorstellung
Die Entwicklung der Kirche im Kanton Baselland war von grossen Umwälzungen geprägt. Am «Bläsitag» am Dienstag in Ziefen erläuterte der Historiker Rémy Suter die Hintergründe. Auch der neue Pfarrer Hansueli Meier stellte sich vor.
André Frauchiger
«Von Pfarrwahlen und Inpflichtnahme der Diener am Wort Gottes von der Reformation bis heute» lautete der Titel des Vortrags von Historiker Rémy Suter am vorgestrigen «Bläsitag» der Kirche St. Blasius in Ziefen. Dabei zeigte sich: Die kirchlichen Angelegenheiten in Sachen Ausbildung und Anforderungen für eine Priester- oder Pfarrstelle waren vor und nach der Reformation im Jahr 1529, der offiziellen Reformation in Basel, sehr unterschiedlich. Die Reformation wurde von behördlicher, weltlicher Seite durchgesetzt, vom Rat in Basel.
Als Richtschnur für eine Pfarrstelle dienten ab dem Jahr 1534 bis zur Kantonstrennung 1833 die Bestimmungen im sogenannten «Basler Bekenntnis». In der Stadt war es sogar bis 1874 gültig. Die Heilige Schrift wurde 1523 vom Rat in Basel zur Norm erklärt.
Vor der Reformation wirkten sogenannte Leutpriester, die in Klosterschulen ausgebildet wurden, darunter auch in der Domschule in Basel am Münsterplatz, dem späteren Humanistischen und heutigen Gymnasium am Münsterplatz, sowie in den Basler Klosterschulen Augustiner und Barfüsser. Gelernt wurden in erster Linie Latein, aber nur «etwas Bibelkenntnis», wie Rémy Suter unterstrich, und vor allem die Durchführung von Gottesdiensten sowie die Verwaltung der Sakramente. Vertiefte Bibelkenntnisse waren nicht oder weniger gefragt. Leutpriester in Ziefen vor der Reformation waren gemäss den Nachforschungen Ulrich Mulenhart (erste Hälfte des 15. Jahrhunderts) und Johannes Cuntzli (gestorben 1474 in Ziefen). Verbrieft ist auch, dass es vor der Reformation Leutpriester gab, die im Konkubinat lebten und mehrere Kinder hatten, darunter Johannes Löly (1474–1518), Hans Gasser (1518–1523) und Hans Heber (1523–1525). Noch unerforscht ist, ob diese überhaupt über eine universitäre Ausbildung verfügten.
Als 1460 die Universität Basel als älteste Schweizer Hochschule gegründet wurde, gab es zuerst die sogenannte Artistenfakultät mit den «sieben freien Künsten», die das Lehren von Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie umfassten. Darauf aufbauend vermittelte die neugründete Theologische Fakultät zur Hauptsache Kommentare zu Psalmen und Paulusbriefen. Vertieftes Bibelstudium musste weiterhin vermisst werden.
Eine junge Organisation
Die Kirche erlebte, wie Rémy Suter eindrücklich betonte, nach 1534 «wilde Zeiten». Die reformierte Kirche musste sich festigen. Es gab mehrere Richtungsänderungen, ausgelöst durch die Einflüsse der Reformatoren Martin Luther und Johannes Calvin. Als Wegbereiter stellte Rémy Suter den Basler Humanisten und Reformator Johannes Ökolampad vor. Dieser begann, Kindern in deutscher Sprache die Bibelgeschichten zu erzählen. Die Menschen, insbesondere die Jüngeren, sollten den Inhalt der Bibel richtig verstehen lernen.
Bis zur Kantonstrennung von Stadt und Land im Jahr 1833 hatte der weltliche Rat zu Basel als oberstes Organ das absolute Sagen über die Kirche und bestimmte letztlich zusammen mit den Theologie-Professoren an der Universität Basel auch über die Auswahl der Pfarrer in der Stadt und in den Landgemeinden. Die Gemeindepfarrer waren in der Hierarchie zuunterst.
Seit der Kantonstrennung sind die Kirchen im neugegründeten Kanton Baselland offiziell Staatskirchen. Erst 1922 wurde – zuerst in Pratteln – eine freiwillige Kirchenpflege gegründet. Und erst seit 1936 gibt es als oberstes Kirchenparlament die reformierte Synode. 1950 wurde das neue Kirchengesetz, zwei Jahre später die Kirchenverfassung und 1956 die Kirchenordnung erlassen. Die heutige reformierte Baselbieter Kirche mit ihren Organen ist demzufolge noch vergleichsweise jung.
Im Anschluss an das Referat von Rémy Suter stellte sich der neugewählte Pfarrer Hansueli Meier vor und referierte zum Thema «In einer langen Reihe – der neue Pfarrer geprägt vom Baselbiet und Bolivien». Meier lebte während insgesamt sieben Jahren in La Paz in Bolivien und wird sein neues Amt in der Reformierten Kirchgemeinde Ziefen-Lupsingen-Arboldswil am 1. April antreten (siehe Kasten).
Neuer Pfarrer
fra. Der 58-jährige Hansueli Meier ist ab April der neue Pfarrer der Reformierten Kirchgemeinde Ziefen-Lupsingen-Arboldswil. Er ist in Liestal aufgewachsen und dort in die Schulen gegangen – bis zur Matura am örtlichen Gymnasium. Danach absolvierte er ein Theologiestudium an der Universität Basel und an der Kirchlichtheologischen Schule.
Nach verschiedenen Pfarramtsvertretungen zog es ihn erstmals für ein Jahr über die Basler Mission nach La Paz in Bolivien, wo er sich vertieft mit der andinen Kultur und Spiritualität auseinandersetzte. Von 2003 bis 2008 wirkte er als Dozent für Kirchengeschichte am Theologischen Institut in La Paz und von 2006 bis 2008 als ökumenischer Mitarbeiter von «Mission 21» als Studienleiter in der bolivianischen Lutherischen Kirche. Im Fokus standen dabei unter anderem die Weiterbildung der Pfarrer sowie die Kursarbeit mit Frauen und Jugendlichen.
Von 2011 bis Ende 2021 arbeitete Meier bei der «Mission 21» als Programmverantwortlicher für die Projektarbeit in Lateinamerika und der Demokratischen Republik Kongo. Seit 2022 ist er als Pfarrer in Münchenstein tätig. Dies mit den Schwerpunkten Religionsunterricht, Erwachsenenbildung und Freiwilligenarbeit sowie Kinder-, Jugend- und Familienarbeit. Seine bolivianische Frau ist vor zwölf Jahren gestorben. Meier hat eine Tochter und besitzt neben dem schweizerischen auch das bolivianische Bürgerrecht.
Die Abschiedsfeier für den in Pension gehenden Vorgänger von Hansueli Meier, Pfarrer Roland Durst, findet am Sonntag, 22. März, um 14 Uhr, in der Kirche St. Blasius in Ziefen statt.


