Ballerina findet zurück zu den Wurzeln
04.06.2026 OberdorfSchule für Tanz und Bewegung im Waldenburgertal
Der Traum von der grossen Bühne lässt sich auch in Oberdorf leben: Ballerina und Pädagogin Marina Wasserfallen leitet seit dem Jahr 2023 die «Tanzwelt», eine Tanzschule mit familiärem Flair.
...Schule für Tanz und Bewegung im Waldenburgertal
Der Traum von der grossen Bühne lässt sich auch in Oberdorf leben: Ballerina und Pädagogin Marina Wasserfallen leitet seit dem Jahr 2023 die «Tanzwelt», eine Tanzschule mit familiärem Flair.
Jane Bures
Mit einem Kundenstamm von rund 200 Personen führt Marina Wasserfallen die grösste Tanzschule im Waldenburgertal. Die «Tanzwelt» in Oberdorf besteht seit 2004, vor drei Jahren kam sie neu unter die Führung einer jungen Balletttänzerin aus der Region. Marina Wasserfallen ist selbst in einer grossen Familie in Oberdorf aufgewachsen und dort verwurzelt.
Als sie im Alter von vier Jahren bei der Gründerin der Tanzschule, Marina Amiet, die erste Lektion besuchte, ahnte sie kaum, wie richtungsweisend diese für sie sein würde: Doch bald formte sich ihr Traum, Balletttänzerin zu werden. Mit neun Jahren tanzte das talentierte Mädchen das erste Mal bei der Tanz Akademie Zürich («taZ») vor. Sie wäre bereits als Zehnjährige in die Kunst- und Sportschule aufgenommen worden, zog dann aber erst ein Jahr später nach Zürich.
Im Internat zu leben und fortan Familie und Freunde nur selten zu sehen, war eine beträchtliche Herausforderung. Aber Wasserfallens Traum, als professionelle Tänzerin auf der Bühne zu stehen, hielt sich mit dieser persönlichen Herausforderung die Waage. Wohlwollend wurde sie von ihren Eltern unterstützt und konnte mit der Grundausbildung, die sie bei ihrer Vorgängerin in der «Ballettschule Marina Amiet» absolvierte, perfekt an ihrer Wunschschule Fuss fassen.
Erfolg in Zürich
Und auch wenn der Weg zur Ballettkarriere geprägt von hartem Training, intensiven Emotionen und einem grossen Konkurrenzkampf ist, gelang Wasserfallen nach sieben Studienjahren Grosses: 2018, im Abschlussjahr ihrer Ausbildung zur Bühnentänzerin mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis, überzeugte sie beim Vortanzen für ein Engagement in China. Unter den mehr als 600 Bewerberinnen ertanzte sie sich eine der wenigen offenen Stellen bei einer russischen Kompanie.
Es ging dabei vorerst um einen Jahresvertrag für Auftritte in China, welcher ihr zugesagt wurde. Doch die Bürokratie liess die Oberdörferin sehr lange auf ihr Visum warten. So lange, dass sie ihren Traum nicht verwirklichen konnte. Das Jahr verstrich ohne Visum und ohne Engagement. Wenn man sich dabei die Härte des Auswahlverfahrens vor Augen führt, ein herber Schlag bei diesem beeindruckenden Werdegang.
Zwischen China und Baselbiet
Und so führte ihr Weg 2019 zurück nach Oberdorf. Zurück in die kleine Tanzschule im Heimatort, wo die junge Tänzerin sofort ins Team ihrer ehemaligen Lehrerin aufgenommen wurde. An ihrer Seite begann sie, Ballett zu unterrichten. Sie fing vorerst mit Kindergruppen an und wuchs dann immer mehr in die Rolle einer Trainerin hinein.
Ihre Leidenschaft, die Bewegung weiterzugeben, erfüllte sie dermassen, dass sie nach der Berufsmaturität ein Fernstudium zur diplomierten Ballettpädagogin absolvierte. Nach einigen Jahren Zusammenarbeit mit der Ballettschulgründerin konnte Marina Wasserfallen 2023 die Leitung übernehmen.
Heute ist die Schule in Oberdorf ein Ort, an dem sich Menschen mit Vorliebe für Tanz und Bewegung begegnen. Der Kundenstamm wächst stetig und das Angebot ist vielfältig: «Wir sind eine familiäre Schule und ich kenne meine Kunden persönlich», sagt die 26-Jährige. Es stecken Herzblut und Zielstrebigkeit in ihrer Arbeit: «Ballett ist ein hartes Business, da muss man dranbleiben.»
Dass Wasserfallen ihre eigene Karriere für die Leitung einer Schule aufgab, scheint für sie stimmig zu sein. Viele Profitänzer würden ihre Karriere Mitte dreissig beenden und sich zum Beispiel im Bereich Physiotherapie oder Choreografie weiterentwickeln, sagt die Tänzerin. Ihr habe sich die Chance einfach früher geboten.
Und auch da ist es ihre Zielstrebigkeit, mit der sie als junge Selbstständige beeindruckt: Der Stundenplan der «Tanzwelt» ist gut gefüllt, unter der Woche finden bis zu 35 Lektionen statt. Hier kann man kreativen Kindertanz ab 3 Jahren, klassisches Ballett, Modern- und Jazzdance oder Hatha Yoga und Barre Concept, ein Workout an der Stange, machen. Es finden auch Ballettkurse für Erwachsene statt. Grösstenteils leitet die taffe Tänzerin die Lektionen selbst, einige Stunden erteilen Mitarbeiterinnen.
Beim Training stehen Beweglichkeit, Koordination und gesunde Körperhaltung im Fokus. Ein Mehrwert, der weit über das Ballett hinausgeht. Wer sich gern zu Musik bewegt, ist in Marinas «Tanzwelt» willkommen. «Es ist höchste Zeit, die Hemmschwelle loszuwerden – vor allem auch bei Männern», so die Tanzlehrerin.
Sommerfest in Oberdorf
Dies geht am besten beim Reinschnuppern in die regulären Kurse oder am Sommerfest vom 13. und 14. Juni. Die «Tanzwelt» präsentiert dabei ein buntes Angebot und lädt mit den rund 130 Beteiligten ein, tanzend um die Welt zu reisen. In der Turnhalle der Sekundarschule Oberdorf finden ein Wochenende lang Shows, Workshops, Konzerte, Animationen und ein gemeinsames Fussball-WM-Public-Viewing statt. Ein vielfältiges Rahmenprogramm, tolle Aktivitäten für Kinder und ein kulinarisches Angebot halten für alle etwas bereit. Das Programm läuft an beiden Tagen von Morgen bis Abend, Tickets erhält man online.
Marina Wasserfallen organisiert diesen erstmaligen Anlass vor allem für das Waldenburgertal. Vielleicht hätte sie es sogar als Dorffest konzipieren sollen, überlegt sie nachträglich. Damit endlich die Hemmungen vor der Disziplin Ballett schwinden und es viele einfach neugierig ausprobieren.


